Heiliger Stuhl warnt: Finanzkrise trifft die Kleinsten am härtesten

Zunahme von Kindersterblichkeit in der dritten Welt befürchtet

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ROM/GENF, 26. Februar 2009 (ZENIT.org).- Auf schwerwiegende Auswirkungen der Finanzkrise, die die entwickelten Länder nicht zu spüren bekommen, machte am Montag, dem 23. Februar, der Heilige Stuhl aufmerksam. Der Ständige Beobachter bei den Vereinten Nationen in Genf, Erzbischof Silvano Tomasi, warnte bei einer Sonderversammlung des UNO-Menschenrechtsrates vor einem drastischen Anstieg der Kindersterblichkeit in armen Ländern.

Die Wirtschaftskrise ziehe auch Menschenrechte wie „das Recht auf Nahrung, Wasser, Gesundheit und ehrbare Arbeit" in Mitleidenschaft, erklärte der Vatikandiplomat. „Wenn große Teile einer Bevölkerung sehen, wie ihre sozialen und ökonomischen Rechte zunichte werden, gefährdet dieser Verlust an Hoffnung auch den Frieden."

Tomasi zitierte Schätzungen der Weltbank, denen zufolge 2009 weitere 53 Millionen Menschen unter die Grenze von zwei Dollar am Tag rutschen werden. Diese Zahl käme noch zu jenen 130 Millionen Menschen hinzu, die bereits im Jahr 2008 wegen der Zunahme an Energie- und Nahrungspreisen in die Armut rutschten. Am meisten aber, so Tomasi, werde diese Krise die Kinder betreffen.

Primär zwei Finanzflüsse der armen Länder würden nun austrocknen: Auslandshilfe und fremde Geldüberweisungen: Wenn hier der Rückgang weiter voranschreitet, werde er „Kindern das Recht auf Erziehung vorenthalten und damit die negativen Folgen verdoppeln. Nicht nur werden Kinder von der vollständigen Ausübung ihrer Talente abgehalten, die dem Allgemeinwohl dienen könnten, sondern auch langfristige ökonomische Bedrängnis wird die Folge sein. Niedrigere Investition heute, bedeutet geringeres Wachstum in der Zukunft." Der  Erzbischof machte in diesem Zusammenhang warnend darauf aufmerksam, dass - wie die Geschichte zeige - gerade in ökonomischen Dürrephasen Regierungen mit zweifelhaftem Umgang mit der Demokratie an die Macht gekommen seien.

Der Vertreter des Heiligen Stuhls appellierte an die internationale Gemeinschaft, ihre Hilfsprogramme für Drittländer trotz der Finanzkrise zu intensivieren. Nur so seien Menschenrechte, insbesondere die von Kindern, zu gewährleisten.

Die Internationale Gemeinschaft habe die Verantwortung, nach den Ursachen der Wirtschaftsrezension zu fragen, und die lägen nicht allein bei einzelnen Akteuren im Finanz- und Wirtschaftssystem, sondern noch tiefer: „Es gibt ökonomische, rechtliche und kulturelle Dimensionen der gegenwärtigen Krise. Finanzielle Aktivitäten können nicht nur auf billigen Profitgewinn reduziert werden, sondern beinhalten auch die Förderung des Gemeinwohls unter jenen, die etwas leihen, jenen, die ausborgen, und jenen, die arbeiten." Schuld an der Krise sei das Fehlen eines ethischen Fundaments.

Insgesamt müsse die Wirtschaft ethischer werden, so Tomasi weiter. Außerdem sollten sich die Vereinten Nationen noch stärker als bisher „für eine positive Partnerschaft zwischen Märkten, Zivilgesellschaften und Staaten" einsetzen, so der Erzbischof.