Heiliger Stuhl: Wie sehr wird Beseitigung der Armut wirklich angestrebt?

Armutsbekämpfung keine Tat der Nächstenliebe, sondern Pflicht der internationalen Gemeinschaft

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NEW YORK, 26. Oktober 2010 (ZENIT.org).- Zweifel am Einsatz gegen das weltweite Elend hat Erzbischof Francis Chullikatt, Ständiger Beobachter des Heiligen Stuhls, geäußert. „Wir haben die Mittel, die Armut weltweit zu beseitigen, aber die Frage ist, ob wir wirklich bestrebt sind, dies zu erreichen", erklärte der Vertreter des Vatikans vor den Vereinten Nationen. Erzbischof Francis Chullikatt sprach am Donnerstag vor der UN-Generalversammlung in einer Sitzung über die Beseitigung der Armut und andere Entwicklungsfragen.

„In welcher Form auch immer sie sich zeigt, ist Armut ein Affront für die gesamte Menschheit, unter der so viele Menschen auf der ganzen Welt fortwährend leiden", sagte der Erzbischof. „Nicht nur in wirtschaftlich ärmeren Ländern, sondern auch in den sogenannten Wohlstandsgesellschaften stellt Armut eine konkrete Realität dar."

Der Erzbischof wies darauf hin, dass Armut die Würde der menschlichen Person stark beeinträchtige. Ein Mensch, dem die grundlegenden Bedingungen für ein anständiges Leben fehlten, sei gedemütigt und brauche Hilfe. „Meine Delegation kann die moralischen Implikationen der Armut nicht ignorieren",  erklärte er. „Armut betrifft besonders diejenigen, die nicht in der Lage sind, eine angemessene Existenz aufzubauen, vor allem Kinder, Behinderte, ältere Menschen und Frauen. De facto sind fast die Hälfte der in absoluter Armut lebenden Menschen Kinder", betonte Erzbischof Chullikatt.

Seit 2008 trage die kombinierte Lebensmittel-, Treibstoff- und Finanzkrise zur Verlangsamung und sogar zu Rückschritten auf dem Weg zur Beseitigung der Armut in vielen Entwicklungsländern der Welt bei. Im Jahre 2010 lebten schätzungsweise etwa 64 Millionen Menschen in extremer Armut, weitere 40 Millionen litten an Hunger. Der Erzbischof legte dar, dass bis zum Jahr 2015 möglicherweise 1,2 Millionen Kinder unter fünf Jahren sterben würden, weitere 350.000 Schüler die Grundschule nicht beenden und rund 100 Millionen Menschen keinen Zugang zu Trinkwasser haben würden. Mehr als je zuvor sei es an der Zeit, alles dafür zu tun, um die Armut zu beenden.

„Die Beseitigung der Armut sollte nicht als ein Akt der Nächstenliebe, sondern als eine Pflicht der internationalen Gemeinschaft betrachtet werden", forderte der Erzbischof. „Wir haben die Mittel dazu, um der Armut endgültig ein Ende zu setzen. Lassen Sie uns den Skeptikern beweisen, dass wir den Willen haben, das Leiden derer zu lindern, die auf jene Grundbedürfnisse verzichten müssen, die allen zustehen sollten".

Vollständiger Text im Internet: http://www.holyseemission.org/

[Übersetzung aus dem Englischen von Susanne Czupy]