Heiliges Land: Aufruf zur Neuausrichtung der westlichen Politik

Die Christen als Brücke zwischen Ost und West

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BETHLEHEM/KÖNIGSTEIN, 25. September 2007 (ZENIT.org).- Der Direktor des Al-Liqa-Zentrums für interreligiöse Forschung in Bethlehem, Dr. Geries S. Khoury, hat die westliche Welt dazu aufgerufen, ihre Außenpolitik zu ändern und „ernsthafter und verantwortungsvoller für Gerechtigkeit und Frieden einzutreten“. Gegenüber dem internationalen katholischen Hilfswerk Kirche in Not äußerte er die Sorge, die Durchsetzung aller UN-Resolutionen im Nahen Osten werde dazu führen, dass die Christen dort „auch weiterhin unter Druck stehen und in einer unsicheren Gesellschaft leben werden“. Aus diesem Grund appellierte er an die westlichen Regierungen, „die Israelis und die anderen Länder nicht unterschiedlich zu behandeln“.



Sollten eines Tages keine Christen mehr im Nahen Osten leben, würde sowohl das Leben der Muslime als auch das der westlichen Länder schwieriger werden, betonte Dr. Khoury. Die Christen sind in seinen Augen eine „starke Brücke zwischen dem Westen und dem Osten“, da sie sowohl die arabische als auch die westliche Tradition verkörpern. Sie lebten in einem arabisch-islamischen Umfeld, mit dem sie vertraut seien, teilten jedoch gleichzeitig mit dem Westen wesentliche Glaubensüberzeugungen und verstünden die westliche Mentalität daher besser als die Moslems. Nach Worten des Wissenschaftlers ist die Präsenz der Christen in der Region für das gegenseitige Verständnis beider Kulturkreise von entscheidender Bedeutung.

Die im Heiligen Land beheimateten Christen hätten eine „einzigartige Mission und Berufung“ und würden auch in Zukunft „inmitten von Problemen und Unruhen trotz aller Leiden für die Botschaft Christi Zeugnis ablegen“. Khoury wies darauf hin, dass die Kirche im Heiligen Land seit der Zeit Jesu nie Frieden gekannt habe. Schon oft sei behauptet worden, die Christen würden in absehbarer Zeit aus dem Heiligen Land verschwinden, und bis heute seien sie da. Er sehe die Zukunft nicht so düster, sondern glaube, dass es Hoffnung auf Versöhnung, Frieden und Gerechtigkeit gebe.

Um ein friedliches Miteinander der verschiedenen Religionsgemeinschaften im Heiligen Land zu erreichen, setzt Khoury auf interreligiösen Dialog. Das von ihm mitgegründete und geleitete Al-Liqa-Zentrum in Bethlehem, das vor genau 25 Jahren errichtet wurde, habe es sich zum Ziel gesetzt, einen vertieften Dialog zwischen Moslems, Juden und Christen zu erreichen.

„Das wirkliche Problem im Nahen Osten besteht darin, dass wir einander zu wenig kennen. Der Mensch steht dem, was ihm unbekannt ist, feindlich gegenüber.“ Um diese Barrieren zu überwinden, organisiert das Al-Liqa-Zentrum Kongresse, Vorlesungen, Diskussionsrunden und Jugendtreffen. Darüber hinaus gibt es zwei Zeitschriften heraus.

In erster Linie gehe es darum, dass Christen, Juden und Moslems ihren eigenen Glauben kennen und ihn „in diesem so komplizierten Umfeld verstehen“. Für Christen sei die grundlegende Frage die nach der Antwort der Kirche auf die bestehende Situation. Zudem sei zu erforschen, wie die Heilige Schrift im Land der Bibel gelesen werden müsse. Khoury erklärte diesbezüglich: „Die Frage lautet: Ist die Art und Weise, wie wir die Bibel lesen, überall gleich, oder ist sie in Palästina anders als beispielsweise in Frankreich, Deutschland oder Irland? Wir müssen die Heilige Schrift nicht wörtlich verstehen, sondern in rechter Weise.“

Auch für die westliche Welt ist nach Worten Khourys der interreligiöse Dialog unablässig. Er rief die westlichen Gesellschaften dazu auf, die Moslems, die in ihnen lebten, zu integrieren und mit ihnen verstärkt in Dialog zu treten. Dies diene nicht nur den westlichen Ländern selbst, sondern auch den Christen im Nahen Osten, da die Moslems sich im Umgang mit ihnen dann nicht des Vorwandes bedienen könnten, die muslimische Minderheit werde in den westlichen Ländern diskriminiert und handle im Nahen Osten den Christen gegenüber genauso, wie sich die Christen im Westen ihnen gegenüber verhielten.