Heiliges Land: Es bedarf neuer Wege zum Frieden

Erzbischof Twal besuchte London

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LONDON, 17. September 2009 (ZENIT.org).- Der Patriarch von Jerusalem zeigte sich bei einem Besuch in England enttäuscht über die fortgesetzte Unterdrückung religiöser Minderheiten im Heiligen Land trotz der jüngsten Friedensappelle Papst Benedikts XVI.



Erzbischof Fouad Twal betonte am 8. September in der Westminster-Kathedrale in London, dass die Zahl der Christen im Heiligen Land nach wie vor sinke. Heute machten sie noch zwei Prozent der Bevölkerung aus – im Vergleich zu zehn Prozent vor 60 Jahren. Der Erzbischof war auf Einladung von „Kirche in Not“ nach Großbritannien gekommen. Sein Vortrag sollte die Aufmerksamkeit wieder verstärkt auf die Herausforderungen im Nahen Osten lenken.

Die Anzahl an Gläubigen in Jerusalem beträgt heute 10.000. Nach Angaben des Erzbischofs wird allgemein damit gerechnet, dass es bis zum Jahr 2016 nur mehr noch rund 5.000 sein werden. Die Pilgerreise Benedikts XVI. in das Heilige Land im Mai dieses Jahres hätte den unterdrückten Minderheiten bis jetzt keine Ruhepause gebracht: Die „fortgesetzte Diskriminierung innerhalb Israels bedroht Christen und Muslime gleichermaßen“, beklagte der Patriarch von Jerusalem. Die Bewegungsfreiheit sei eingeschränkt, das Bedürfnis nach Unterkünften würde missachtet, Steuerhürden und Verstöße gegen das Recht auf Unterkunft stünden auf der Tagesordnung. „Die palästinensischen Christen wissen nicht, wohin sie sich wenden sollen.“

Im Besonderen ging der Erzbischof auf die israelische Sperrmauer um das Westjordanland ein, die „viele Palästinenser in ghettoähnliche Gebiete einschließe, was den Zugang zu Arbeit, medizinischer Versorgung, Schulausbildung und anderen elementaren Diensten schwerwiegend betrifft“. Und: „Wir haben eine neue Generation von Christen, die die heiligen Stätten ihres Glaubens, die nur ein paar Kilometer von ihren Wohnorten entfernt sind, nicht besuchen können.“ Auch auf die „drastische humanitäre Krise“ im Gazastreifen kam er zu sprechen.

Erzbischof Twal würdigte den Beistand des Hilfswerks „Kirche in Not“, die Seminaristen und Ordensschwestern in Bethlehem, Familien und interreligiöse Initiativen unterstützt. Wichtig seien Gebet, Pilgerreisen, politischer Druck auf die Verantwortlichen und Friedensprojekte.

Im Hinblick auf den anhaltenden Konflikt betonte der Patriarch: „Wenn wir 61 Jahre lang nicht in der Lage waren, Frieden zu schaffen, dann bedeutet das, dass die Mittel, die wir bis jetzt ergriffen haben, die falschen waren.“ Er habe allerdings den Eindruck, dass der Wille zum Frieden in der Politik nicht vorherrsche: „Es scheint, die Politiker haben mehr Angst vor Frieden als vor Krieg; sie ziehen es vor, den Konflikt zu verwalten, anstatt ihn zu lösen.“

Im Hinblick auf US-Präsident Barack Obama zeigte sich der Erzbischof „vorsichtig optimistisch“, da sich dieser im Vergleich zu seinen Vorgängern „der fundamentalen Fehler der Verwaltung in ihrer Haltung zum Konflikt bewusst zu sein scheint“.