Heiliges Land: Gerichtsurteil über Sicherheitsmauer im Cremisan-Tal verschoben

Klage der katholischen Menschenrechtsorganisation "Society of St. Yves" gegen die Enteignung von 58 christlichen Familien in Beit Jala

Rom, (Fides) | 323 klicks

Das Oberste Israelische Gericht hat den für den gestrigen 29. Januar erwarteten Urteilsspruch zum Bau der Sicherheitsmauer im Cremisan-Tal auf einem Grundstück, das 58 palästinensischen Familien und zwei Ordensgemeinschaften gehört, verschoben. „Bei der Sitzung des Gerichts“, so der in Beit Dschalla tätige Pfarrer Marion Cornioli, „waren die Anwälte der geschädigten Parteien sehr gut und deckten die Lügen der Gegenseite und des Verantwortlichen des Entwurfs für den Mauerverlauf auf, so dass dieser ziemlich schlecht dastand. Die Verwüstung des Cremisan-Tals und die Enteignung der Grundstücke kann auf keinen Fall mit Sicherheitsgründen gerechtfertigt werden. Seit der Streit begonnen hat, wurden auch Alternativen für den Verlauf der Mauer aufgezeigt. Wenn die drei Richter, die darüber entscheiden werden, gerecht und ehrlich sind, dann wird die Mauer nicht so verlaufen. Unterdessen beten wir weiter dafür.“

Das Cremisan-Tal ist für die Menschen in der Umgebung von Bethlehem eine Art „grüne Lunge“. Das Bauprojekt führt für die rund 400 Schüler der Don-Bosco-Schwestern dazu, dass sie ihre Kindheit in einer Art Gefängnis unter freiem Himmel verbringen, das von Barrieren und Check-points umgeben ist.

Gegen den Bau der Mauer im Cremisan-Tal ging die katholische Menschenrechtsorganisation „Society of St Yves“ vor Gericht, die den Rechtsstreit auch im Namen der Bischöfe im Heiligen Land vorantreibt. An der gestrigen Verhandlung nahm auch Bischof William Shomali vom lateinischen Patriarchat Jerusalem teil. Anwesend waren auch verschiedene Priester des Patriarchats, die Bürgermeister von Bethlehem und Beit Jala und Vertreter von 13 ausländischen Konsulaten.

Im Vorfeld der Verhandlung hatte die Organisation „Holy Land Coordination“, in der sich Bischöfe aus den Vereinigten Staaten, Europa, Kanada und Südafrika zusammenschließen, die das Heilige Land und die einheimischen christlichen Gemeinden in regelmäßigen Abständen besuchen, am 28. Januar einen Appell, mit der Bitte um „Gerechtigkeit im Cremisan-Tal“ lancierte. „Wir erkennen das Recht Israels auf ein Leben in sicheren Grenzen an“, so die Bischöfe, „doch der Verlauf der Sicherheitsmauer entfernt sich eindeutig von der internationalen Staatengemeinschaft festgelegten grünen Grenzlinie zwischen Israel und den während des Sechs-Tage-Krieges im Jahr 1967 eroberten Gebiete.“ Die Bischöfe fordern die Regierungen ihrer Länder auf, „'Israel dazu zu ermutigen, das internationale Recht zu achten und die Lebensbedingungen dieser Familien in Betracht zu ziehen.“ Gleichzeitig äußern sie sie Befürchtung, dass die Sicherheitsmauer „vielmehr die Siedlungen konsolidieren und Bethlehem endgültig von Jerusalem trennen soll.“ 

Auch der US-amerikanische Bischof Richard E. Pates, Vorsitzender des „Committee of International Justice and Peace“ der amerikanischen Bischofskonferenz, hatte in einem Schreiben an den US-amerikanischen Außenminister John Kerry Initiativen gefordert, die „Israel zu einer Beendigung der unnötigen Beschlagnahmung von palästinensischen Grundstücken in der besetzten West Bank bewegen.“ — „Als ich gesehen habe, wie schön dieses Agrarland ist, und mit christlichen Familien dort sprechen durfte, deren Unterhalt und diese Traditionen dieses Land sichert, das nun ernsthaft gefährdet ist”, so der Bischof von Des Moines in seinem Schreiben an Kerry, „war ich ganz einfach entsetzt über diese Ungerechtigkeit eines solchen Vorgehens.“ (GV)

(Quelle: Fides 30/1/2014)