Heiligkeit, Disziplin und Authentizität in der Weihe

„Kirche-in-Not“-Interview mit der Generaloberin der „Franziskanerinnen der Unbefleckten Empfängnis“

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KÖNIGSTEIN, 26. Juni 2009 (ZENIT.org/KIN).- 125 Jahre nach der Gründung sind die „Franziskanerinnen der Unbefleckten Empfängnis“ der Schwesternorden mit den meisten Berufungen in ganz Peru. Insgesamt haben sie über 30 Klöster und 37 Einrichtungen wie Schulen und Heimen, und sind inzwischen auch in Kolumbien und Italien präsent. Die nun insgesamt 556 geweihten Schwestern des Ordens lehren der Welt die Liebe Gottes mit ihrer evangelisierenden, apostolischen und brüderlichen Persönlichkeit.



Durch ihr religiöses Gewand und allein schon durch ihre Gegenwart auf den Straßen sind sie ein lebendiges Zeugnis Christi und gleichzeitig eine offene Einladung, sich der Kirche zu nähern.

In diesem Jahr haben die „Franziskanerinnen der Unbefleckten Empfängnis“ 30 Aspirantinnen aufnehmen können. Nach einem Prozess der Beurteilung und Bewertung von Seiten der Ausbilder sind 18 davon als Postulantinnen zugelassen worden. In den zwei Monaten, die dieser Prozess dauert, entscheiden die Aspirantinnen über ihre Berufung. Dabei werden sie ununterbrochen von Psychologen, Priestern und Ausbilderinnen des Ordens begleitet, beobachtet und bewertet, aber auch korrigiert, damit sie das Notwendige zum täglichen Zusammenleben lernen. Wenn das nicht funktioniert, rät man ihnen, nach Hause zurückzukehren.

„Eine Berufung ist eine freie Entscheidung, und nicht Folge von Druck“, bemerkt Schwester María Adelaida, Generaloberin des Ordens. Sie fügt hinzu, dass manch junge Frau in der Weihe einen Weg sieht, aus der Armut auszubrechen, zu studieren und höheres soziales Ansehen zu erlangen, statt einen wahren Dienst an Gott zu tun, und dass deshalb der Prozess der Beurteilung, der persönlichen Gespräche und der Auswahl bei den Postulantinnen so wichtig sei.

Alle Schwestern bekommen eine Hochschulausbildung, meistens in Pädagogik. Unter ihnen gibt es aber auch einige, die ein Verwaltungsstudium absolviert haben; eine weitere hat Rechtswissenschaft studiert, und dieses Jahr hat eine Schwester mit dem Architekturstudium begonnen. „Wir respektieren ihre Fähigkeiten, damit sie glücklich werden mit dem, was sie machen, und später mit ihren Gaben den Orden bereichern“, erklärt Schwester Adelaida.

Dass die Schwestern über eine Berufsausbildung verfügen, hilft ihnen, ihre eigene Ausbildung zu finanzieren, denn sie unterrichten an öffentlichen Schulen und bekommen so einen Lohn vom Staat. Trotzdem reicht ihr Beitrag nicht aus, um die Ausbildungskosten völlig zu decken, denn momentan sind sie für 98 Auszubildende verantwortlich: 18 Postulantinnen, 25 Novizinnen und 55 Juniorinnen.

Im Jahre 2005 brach die finanzielle Hilfe, die sie damals aus dem Ausland bekamen, ab. Ein Jahr später lernten sie „Kirche in Not“ kennen, das einzige Hilfswerk, das gegenwärtig die Ausbildung dieser Schwestern unterstützt. „Für uns als Schwesternorden sind diese Kurse ein Geschenk Gottes, denn sie dienen nicht nur unserer Ausbildung, sondern vor allem unserer spirituellen Entwicklung“, versichert die Generaloberin.

„Kirche in Not“ unterstützt mit 30.000 Euro die Finanzierung von drei Kursen für 300 Ausbilderinnen, Oberinnen und Schwestern des Ordens in Peru. Für die „Franziskanerinnen der Unbefleckten Empfängnis“ ist die Unterstützung von „Kirche in Not“ wesentlich, denn durch diese Kurse werden drei fundamentale Aspekte gefördert: die Wiederbelebung des Sinns der täglichen Heiligkeit; die Notwendigkeit, ein persönliches Projekt zu haben, das es ihnen ermöglicht, durch Disziplin den Geist zu formen, zur Erreichung eines Zieles; die Bedeutung der Askese, des Gefühls des Verzichts, für das Wachstum, die innere Stärkung und die Suche nach höheren Werten.

Mit Blick auf diese Ausbildung bemerkt Schwester Adelaida: „Sie ist ein wahrer Frühling des geweihten Lebens gewesen. Dank ihr hat es gegrünt, und es sind neue Berufungen aufgeblüht.“