Heiligkeit in der Fabrik oder im Büro: "Legat des seligen Escrivá", so der Papst

5.000 Mitglieder des Opus Dei anlässlich des hundertsten Geburtstages in Audienz

| 257 klicks

VATIKAN, 14. Januar 2002 (ZENIT.org).- Ob Fabrik, Büro, Bibliothek, Werkstatt oder Haushalt, all diese Orte sind Orte der Heiligung. Das sagte Johannes Paul II. bei seiner Ansprache über das geistige Erbe des seligen Josemaría Escrivá am Samstag.



Der Papst beging den hundertsten Geburtstag des Gründers des Opus Dei zusammen mit 5.000 Mitgliedern der Personalprälatur in der Audienzhalle des Vatikans. Im Namen der Anwesenden richtete Prälat Javier Echevarría ein Grußwort an den Papst.

Etwa 1.200 Audienzbesucher aus 57 Ländern waren zuvor schon zum Internationalen Kongress anlässlich des hundertsten Geburtstages des Seligen nach Rom gekommen, der am 8. Januar unter dem Leitwort "Die Größe des alttäglichen Lebens" begonnen hatte.

"Seit Beginn seines priesterlichen Dienstes stellte der selige Josemaría Escrivá folgende Wahrheit in den Mittelpunkt seiner Verkündigung: alle Getauften sind zur Fülle der Nächstenliebe und ganz unmittelbar dazu berufen, dieses gemeinsame Ziel zu erreichen, welches in der Normalität des Alltages liegt", so der Heilige Vater.

"Der Herr möchte mit jedem einzelnen seiner Kinder in Liebesgemeinschaft treten, und zwar durch die Bewerkstelligung des Alltages, in dessen Umfeld sich das Dasein abspielt".

"So wird die Arbeit gemäß Escrivá verwandelt durch den Gebetsgeist, wodurch es möglich wird, in ständiger Gotteskontemplation zu stehen, auch bei der Bewerkstelligung des Alltages".

"Für jeden Getauften, der Christus treu nachfolgen will, werden Fabrik, Büro, Bibliothek, Labor, Werkstatt oder Haushalt zu Orten der Begegnung mit dem Herrn, der 30 Jahre lang im Verborgenen leben wollte", so der Papst im Bezug auf die Ideen des Urhebers des Opus Dei.

"Der augenscheinlich graue Alltag mit seiner Monotonie, bestehend aus Gesten, die immer auf dieselbe Weise abzulaufen scheinen, kann gar eine übernatürliche Dimension erlangen und so verwandelt werden".

"Die kleinen Ereignisse des Tages bergen in sich eine unvermutete Größe und werden sie mit der Liebe zu Gott und den Brüdern und Schwestern gelebt, dann kann jegliche Fraktur zwischen Glauben und Alltag im Ansatz überwunden werden. Diese Fraktur hat das Zweite Vatikanum als "einen der größten Irrtümer unserer Zeit" bezeichnet", so der Papst.

"Durch die Heiligung der eigenen Arbeit in Achtung der objektiven moralischen Normen trägt der gläubige Laie wirksam dazu bei, eine menschenwürdigere Gesellschaft zu schaffen und die Schöpfung zu befreien".

Escrivá wird voraussichtlich bald heiliggesprochen. Dies liegt Johannes Paul II. am Herzen. Der Heilige Vater lädt die Gläubigen ein, in seine Fußstapfen zu treten, insbesondere, wenn er dazu aufruft, "die Welt leidenschaftlich zu lieben". Er sagte wörtlich: "Seid Männer und Frauen von Welt, doch seid nicht mondäne Männer und Frauen".