Heiligkeit, nicht Karriere: Benedikt XVI. an zukünftige Diplomaten des Vatikans

Empfang für die Päpstliche Diplomatenakademie

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ROM, 26 Mai 2009 (ZENIT.org).- Es gibt einen „Code“, der es den Christen gestattet, die schwierigen Fragestellungen der Welt zu dechiffrieren: das Evangelium. Auf diesen „Schlüssel“ Bezug zu nehmen, dazu forderte Papst Benedikt XVI. die Schüler der Päpstlichen Diplomatenakademie auf, die am Samstag, dem 23. Mai, zu ihrer jährlichen Audienz mit dem Heiligen Vater im Vatikan empfangen wurden.



Der Heilige Vater ermahnte die Priester, die sich auf den diplomatischen Dienst für den Heiligen Stuhl vorbereiten, eine starke geistliche Identität zu pflegen, um nicht den Verlockungen einer bequemen Karriere zu verfallen oder sich von ihrem Weg abbringen zu lassen.

In der Welt sein, ohne von der Welt zu sein: Wenn es in der Kirche Menschen gebe, auf die die Weisheit, die in diesem Wort liege, wie „maßgeschneidert“ zutreffe, so handle e sich dabei zweifellos um die Priester, die in den Nuntiaturen überall auf der Welt arbeiteten. Papst Benedikt XVI. siehr darin einen Dienst von großer Bedeutung, der allerdings der Gefahr einer Verschmutzung ausgesetzt sei, wenn die geistliche Gefestigtheit mit den Logiken in Konflikt trete, die sich nicht für den geziemten, der Christus gehöre.

Der Dienst in den apostolische Nuntiaturen könne als eine spezifische Priesterberufung angesehen werden, „ein pastoraler Dienst, der eine besondere Eingliederung in die Welt und ihre Fragestellungen mit sich bringt, die oft komplex, sozialer und politischer Natur sind“. Daher sei es wichtig, diese in dem Wissen zu entziffern, dass der „Code“ zur Analyse und zum Verständnis dieser Dynamiken nur das Evangelium und das Lehramt der Kirche sei.

Ein Diplomat des Vatikans müsse für eine aufmerksam Lesung der menschlichen und sozialen Wirklichkeiten ausgebildet sein, die zweite Säule seines Daseins bestehe aber in der „vollen Vertrautheit mit Jesus“. Auf diesen beiden Säulen stütze sich „das Architrav dieses besonderen Einsatzes“. Das Gebet, das Einsamkeit und Unverständnis zu überwinden helfe und das Wesen des Dienstes nicht aus den Augen verlieren lasse.

Die Fähigkeit zum Dialog mit der Moderne sowie zum Kontakt mit den Menschen und den Institutionen erfordern für Benedikt XVI. eine „robuste innere Struktur und eine geistliche Gefestigtheit, die in der Lage sind, die christliche und priesterliche Identität immer besser zu wahren und immer deutlicher erkennen zu lassen“. Nur auf diese Weise sei es für die Diplomaten möglich, den Auswirkungen der modernen Mentalität zu entgehen und sich nicht von den „allzu weltlichen Logiken“ anziehen und verschmutzen zu lassen.

Der Heilige Vater forderte die Schüler der Päpstlichen Diplomatenakademie dazu auf, mit besonderer Intensität das Priesterjahr zu leben, das am kommenden 19. Juni beginnen wird. Sie sollten sich dieser Gelegenheit bedienen, „um Priester nach dem Herzen Christi zu sein, wie der heilige Pfarrer von Ars“.

„Der Herr will, dass wir heilig, das heißt ganz sein Eigen sind, ohne uns darum zu sorgen, eine nach menschlichen Gesichtspunkten interessante oder bequeme Karriere aufzubauen, nicht auf der Suche nach Beifall und Erfolg bei den Leuten, sondern gänzlich auf das Wohl der Seelen ausgerichtet, bereit, bis ins Letzte unsere Pflicht zu tun, in dem Bewusstsein, ‚unnütze Knechte’ zu sein, freudig darüber, unseren armen Beitrag zur Verbreitung des Evangeliums zu leisten.“