Heilungsgottesdienste

Für körperliche Gebrechen, seelisches Leid und geistige Wunden

Rom, (ZENIT.org) Edward McNamara LC | 382 klicks

P. Edward McNamara, Professor für Liturgie am Päpstlichen Athenäum „Regina Apostolorum“ in Rom, beantwortet eine Leserfrage in Bezug auf die Vorschriften, die für Heilungsgottesdienste gelten.

Frage: Könnten Sie bitte erklären, welche kirchlichen Normen es in Bezug auf „Heilungsmessen“ gibt? Kurz gesagt: Ich frage mich, ob durch derartige liturgische Feiern der Unterschied zwischen seelischen und geistigen Wunden verwischt werden könnte oder ganz verloren geht. – P.C., Norwalk, Connecticut, USA.

P. Edward McNamara: Vorschriften, die jenen am nächsten kommen, die auf „Heilungsgottesdienste“ anzuwenden wären, kann man in der „Instruktion über die Gebete um Heilung zu Gott“ finden, die im Jahr 2000 von der Kongregation für die Glaubenslehre herausgegeben worden ist. In dieser knappen, kompakten Instruktion wird zunächst die Ursache erläutert, die zur Entstehung des Texts führte:

„Das Gebet um die Wiedererlangung der Gesundheit ist in jeder Epoche der Kirche zu finden, natürlich auch in der Gegenwart. Neu ist in gewisser Hinsicht, dass die – manchmal mit liturgischen Feiern verbundenen – Gebetsversammlungen zunehmen, bei denen Gott um Heilung angefleht wird. In verschiedenen, nicht ganz seltenen Fällen wird erklärt, dass tatsächlich Heilungen erfolgt sind. Dadurch entstehen Erwartungen, dass dies bei anderen ähnlichen Treffen wiederum geschieht. In diesem Zusammenhang wird manchmal von einem mutmaßlichen Heilungscharisma gesprochen.“

„Es stellt sich die Frage, wie solche Versammlungen, bei denen um Heilung gebetet wird, in liturgischer Hinsicht richtig einzuordnen sind, und vor allem, welche Aufgabe die kirchliche Autorität hat, der es zukommt, über die rechte Ordnung der liturgischen Feiern zu wachen und dafür angemessene Normen zu erlassen.“

„Es schien deshalb angebracht, gemäß Canon 34 des Codex des kanonischen Rechtes eine Instruktion zu veröffentlichen, die vor allem den Ortsordinarien helfen soll, die Gläubigen in dieser Frage besser zu leiten, indem sie fördern, was gut ist, und korrigieren, was vermieden werden soll.“

Um die Normen auf eine solide theologische Basis zu gründen, wird im Dokument zunächst die Lehre über das Gebet um Heilung gemäß der katholischen Tradition in einer Übersicht dargelegt. Dies geschieht in den im Folgenden zitierten fünf Teilen: 1) Krankheit und Heilung: ihr Sinn und Wert in der Heilsökonomie; 2) Die Sehnsucht nach Heilung und das Gebet um Heilung; 3) Das „Heilungscharisma“ im Neuen Testament; 4) Die Gebete um Heilung durch Gott in der Tradition, 5) Das „Heilungscharisma“ im Kontext der Gegenwart.

Erst nachdem diese Basis erläutert ist, geht man in der Instruktion zur Festlegung genauer Vorschriften über. Diese Vorschriften betreffen alle Gebetsformen um Heilung. Wir zitieren sie im Folgenden:

„Art. 1 – Es ist jedem Gläubigen gestattet, in Gebeten Gott um Heilung zu bitten. Wenn solche Gebete in einer Kirche oder an einem anderen heiligen Ort stattfinden, ist es angemessen, dass ein geweihter Amtsträger sie leitet.

Art. 2 – Heilungsgebete gelten als liturgische Gebete, wenn sie in den liturgischen Büchern enthalten sind, die von der zuständigen kirchlichen Autorität approbiert sind; andernfalls handelt es sich um nicht liturgische Gebete.

Art. 3 – § 1. Liturgische Heilungsgebete werden nach dem vorgeschriebenen Ritus und mit den liturgischen Gewändern gefeiert, die im Ordo benedictionis infirmorum des Rituale Romanum angegeben sind.

§ 2. Gemäß den Praenotanda desselben Rituale Romanum können die Bischofskonferenzen im Ritus der Krankensegnungen nach vorausgehender Prüfung durch den Heiligen Stuhl die Anpassungen vornehmen, die sie für pastoral angemessen oder eventuell notwendig halten.

Art. 4 – § 1. Der Diözesanbischof hat das Recht, für die eigene Teilkirche gemäß can. 34 CIC Normen für liturgische Heilungsgottesdienste zu erlassen.

§ 2. Jene, die für die Vorbereitung solcher liturgischer Feiern zuständig sind, haben sich bei ihrer Durchführung an die genannten Normen zu halten.

§ 3. Die Erlaubnis für diese Gottesdienste muss ausdrücklich gegeben sein, auch wenn Bischöfe oder Kardinäle sie organisieren oder daran teilnehmen. Wenn ein gerechter und entsprechender Grund vorliegt, hat der Diözesanbischof das Recht, einem anderen Bischof gegenüber ein Verbot auszusprechen.

Art. 5 – § l. Nicht liturgische Heilungsgebete, die auf Grund ihrer Eigenart von liturgischen Feiern unterschieden werden müssen, sind Zusammenkünfte zum Gebet und zur Lesung des Wortes Gottes, über die der Ortsordinarius gemäß can. 839 § 2 CIC wacht.

§ 2. Es ist sorgfältig zu vermeiden, diese freien, nicht liturgischen Gebete mit liturgischen Gottesdiensten im eigentlichen Sinn zu verwechseln.

§ 3. Es ist darüber hinaus notwendig, darauf zu achten, dass beim Ablauf solcher Feiern – vor allem von Seiten jener, die sie leiten – nicht auf Formen zurückgegriffen wird, die dem Hysterischen, Künstlichen, Theatralischen oder Sensationellen Raum geben.

Art. 6 – Über den Gebrauch der sozialen Kommunikationsmittel, vor allem des Fernsehens, während der liturgischen oder nicht liturgischen Heilungsgebete wacht der Diözesanbischof gemäß can. 823 CIC und den Richtlinien, die von der Kongregation für die Glaubenslehre in der Instruktion vom 30. März 1992 erlassen wurden.

Art. 7 – § 1. Unter Beibehaltung der oben angeführten Bestimmungen von Art. 3 und mit Ausnahme der Gottesdienste für die Kranken, die in den liturgischen Büchern vorgesehen sind, dürfen in die Feier der heiligen Eucharistie, der Sakramente und des Stundengebetes keine liturgischen oder nicht liturgischen Heilungsgebete eingefügt werden.

§ 2. Bei den in § 1 erwähnten Feiern besteht die Möglichkeit, in den Fürbitten besondere Gebetsintentionen für die Heilung von Kranken einzufügen, wenn dies vorgesehen ist.

Art. 8 – § 1. Der Dienst des Exorzismus muss gemäß can. 1172 CIC, dem Schreiben der Kongregation für die Glaubenslehre vom 29. September 1985 und dem Rituale Romanum unter Weisung des Diözesanbischofs ausgeübt werden.

§ 2. Die im Rituale Romanum enthaltenen Exorzismusgebete müssen von den liturgischen und nicht liturgischen Heilungsgottesdiensten unterschieden bleiben.

§ 3. Es ist streng verboten, solche Exorzismusgebete in der Feier der heiligen Messe, der Sakramente oder des Stundengebetes einzufügen.

Art. 9 – Jene, die liturgische oder nicht liturgische Heilungsgottesdienste leiten, müssen sich bemühen, in der Versammlung ein Klima echter Andacht zu bewahren, und die notwendige Klugheit walten lassen, wenn unter den Anwesenden Heilungen erfolgen; nach Beendigung der Feier sollen sie etwaige Zeugnisse mit Einfachheit und Sorgfalt sammeln und der zuständigen kirchlichen Autorität vorlegen.

Art. 10 – Der Diözesanbischof hat pflichtgemäß einzugreifen, wenn bei liturgischen oder nicht liturgischen Heilungsgottesdiensten Missbräuche vorkommen und ein offensichtliches Ärgernis für die Gemeinschaft der Gläubigen vorliegt oder wenn schwerwiegend gegen die liturgischen oder disziplinären Normen verstoßen wird.

Das unter Artikel 7 genannte Verbot, Heilungsgebete in die Feier der Eucharistie einzufügen, gilt offensichtlich auch für die im Römischen Messbuch aufgeführte „Messfeier für Kranke“ oder derartige Votivmessen. Das Verbot will besagen, dass die hl. Messe nicht zweckentfremdet werden darf, selbst wenn dieser Zweck gut und an sich lobenswert ist.

Das Dokument bezieht sich vor allem auf Gebete um Heilung von körperlichen Gebrechen. Seelische oder geistige Leiden, von denen ja viele auch eine biologische Komponente besitzen, könnten als mit einbezogen betrachtet werden.

Seelische Wunden sind nicht direkt Gegenstand dieser Messfeiern. Es gibt aber keine Veranlassung zu glauben, dass so genannte Heilungsgottesdienste Menschen, die hierunter leiden, nichts nützen würden.

Schon seit langem heißt es, dass die große Mehrheit der Wunder, die im Marienwallfahrtsort Lourdes geschehen, sich auf die Heilung von Leid seelischer Art bezieht. Die Bekehrungswunder und die auf wunderbare Weise erlangte Fähigkeit, vergeben zu können, inneren Frieden zu erlangen und Ungemach in Verbundenheit mit Christi Kreuz anzunehmen, sind viel zahlreicher als die relativ seltenen, anerkannten Wunder, die mit der Heilung von körperlichen Gebrechen verbunden sind.

Übersetzt von P. Thomas Fox, LC aus dem englischen Originalartikel  http://www.zenit.org/en/articles/healing-masses