Heirate und sei untertan

Eine Frau ohne Furcht, gut und schön zu sein

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Von Luca Marcolivio

ROM, 9. März 2012 (ZENIT.org). – Costanza Miriano, Journalistin des italienischen Fernsehkanals TG3, befindet sich meilenweit davon entfernt, eine stereotype Feministin zu sein. Sie ist tief katholisch, unterscheidet sich aber dennoch sehr von der typischen jungen Frau, die in der Pfarrjugendgruppe aufgewachsen ist.

Ihr erstes Buch „Heirate und sei untertan“ (Sposati e sii sottomessa,Vallecchi), in dem sie mit allen Klischees über Frauen und Familien von heute aufräumt, war der Renner unter den Neuerscheinungen im letzten Jahr. Im Interview, das sie wenige Tage vor dem Welttag der Frau für Zenit gegeben hat, lässt sie die von ihr behandelten Themen Revue passieren.

ZENIT: Der Welttag der Frau, der alljährlich am 8. März begangen wird und für Feministinnen symbolischen Stellenwert besitzt, ist nun schon ganz nahe gerückt. Andere Frauen hingegen würden ihn gerne abschaffen …

Costanza Miriano: Ich gehöre zur zweiten Kategorie! Heutzutage betrachte ich das Gleichgewicht als zu unseren Gunsten verschoben, insofern als ich nicht so viele Frauen sehe, die über die Maßen diskriminiert würden, abgesehen von Fällen von Misshandlung, die ich nicht herunterspielen möchte. Stattdessen sehe ich, wie die Gestalt des Mannes immer mehr herabgewürdigt wird. Er erscheint geschwächt, sentimental, gezwungen, sich Aufgaben der Fürsorge und Pflege hinzugeben, die nicht eigentlich männlich sind. Wenn man einen Mann als bestimmend, energisch oder stark bezeichnet, ist das fast schon so, als ob man ihn beschimpfen, als anmaßend oder als Chauvinist etikettieren würde. Ich hingegen glaube, dass auf jeden Fall beide Rollen wiederentdeckt und geschätzt werden müssen, weil sie sich gegenseitig ergänzen. Deswegen teile ich die Ansprüche, die die Feministinnen geltend machen, nicht.

Wenn ich das Fernsehen ausschalte, die Zeitungen zusammenlege und die mir bekannten Frauen „aus Fleisch und Blut“ anschaue, dann stelle ich fest, dass die Ansprüche, die sie geltend machen, sich aufs Muttersein, sich auf die Kinder beziehen; sie wollen nicht gezwungen sein, arbeiten zu gehen oder aber sie wollen dies tun und in der Gesellschaft ihren Beitrag leisten, ohne dazu gezwungen zu sein, die eigenen Kinder unverhältnismäßig lang alleine zu lassen. Ich glaube, dass dies die wahre Schlacht ist: die Schlacht der Mütter.

In Sachen „Emanzipation“ ist der Krieg auf breiter Front gewonnen: Denke man nur an die Tatsache, dass der Direktor meines Fernsehkanals, Frau Bianca Berlinguer, und mein Generaldirektor, Frau Lorenza Lei, beide weiblichen Geschlechts sind … Um aber in die Rolle von „Machtpositionen“ zu schlüpfen, welche Zeiten und Umgangsformen verlangen, die männertypisch sind, müssen Frauen die Familie, die menschliche Dimension, hintanstellen.

ZENIT: Wessen Rolle hat sich in den letzten vierzig Jahren ihrem Wesen nach drastischer verändert, die des Mannes oder die der Frau?

Costanza Miriano: Ohne jeden Zweifel die des Mannes. Roberto Marchesini hat hierüber ein Buch geschrieben, „Worüber die Männer schweigen“ (Quello che gli uomini non dicono, Sugarco). Dieser Essay erklärt die Phrasendrescherei, aufgrund derer der Mann sich „verweiblichen“, die Fürsorgerolle übernehmen, sich um die Kinder kümmern und Elternurlaub nehmen müsse. Persönlich stehe ich auf dem Standpunkt des Lehramtes der Kirche und der Bibel, in der es heißt „als Mann und Frau schuf er sie“. Der Geschlechterunterschied ist nicht einfach der einer „äußeren Karosserie“. Vielmehr bezieht er sich auf zwei verschiedene Arten und Weisen, wie die Liebe Gottes Fleisch annimmt. Der Mann sollte die Rolle des Führenden einnehmen: Wenn auch er anfängt, die Windeln zu wechseln oder den Brei zu kochen, kann er nicht mehr bestimmend sein…

ZENIT: Papst Benedikt XVI. hat als Gebetsmeinung für den Monat März vorgeschlagen, dass der Beitrag der Frauen zur Entwicklung der Gesellschaft anerkannt werden möge. Was für eine Art von Anerkennung wünscht sich Ihrer Meinung nach der Heilige Vater?

Costanza Miriano: Sicher nicht die Einhaltung der Mindestquoten bei der Beteiligung von Frauen in politischen Institutionen! Ich glaube, er versteht darunter, dass die Frauen die Schönheit ihrer eigenen Rolle wiederentdecken müssen, vor allem die mütterliche. Wir sind die ersten, die dazu neigen, diese Rolle zu vergessen oder sie auszuklammern. Wie der Papst selbst in seinem Schreiben über die Zusammenarbeit von Mann und Frau ausführt, besteht die edelste Berufung der Frau darin, das Gute im Nächsten zu wecken, sein Wachstum zu fördern. Sie ist diejenige, die zunächst ihrem Kind das Leben schenkt und dann den Menschen in ihrer Umgebung und zwar mit ihrer Fähigkeit, die Talente der anderen zur Geltung zu bringen, Beziehungen herzustellen, Menschen aufzunehmen, zu vermitteln, die Dinge von mehreren Standpunkten aus zu betrachten.

Auch innerhalb der Familie verfügt der Mann über eine Liebe, die mehr nach außen gerichtet ist. Er ist derjenige, der sich in der Arbeitswelt baulich betätigt, der die Erde fruchtbar macht. Der Mann ist ein Jäger und die Frau eine Sammlerin! Ich bin mir sicher, dass der Papst nicht Bezug auf die Schlachten der Feministinnen nimmt, sondern dass er sich wünscht, dass die Frau sich von neuem ihrer eigenen Rolle annimmt, denn das dient, wie alles, was die Kirche uns lehrt, nur zu unserem größeren Glück. Ich sehe so viele Frauen, die auf diesen weiblicheren Teil ihrer Berufung verzichtet haben, die alles auf ihre Arbeit, oder besser auf ihre Karriere gesetzt und auf Kinder verzichtet haben. Am Ende leiden sie darunter.

ZENIT: An welcher Frau haben Sie sich im Leben orientiert?

Costanza Miriano: Ich habe viele solcher Modelle. Frauen, die es verstehen, um sich herum „Leben zu verbreiten“, sind alle tief christlich. Zwei von ihnen sind zufälligerweise jeweils Mutter von sechs Kindern: Eine traf die Wahl, im Haushalt zu bleiben, die andere wollte als Ärztin praktizieren. Der Letzteren ist es aufgrund ihrer privaten, also zeitlich flexiblen Tätigkeit gelungen, Familie und Arbeit gut unter einen Hut zu bringen. Ich denke aber auch an Schwester Elvira von der Gemeinschaft des Zönakels von Saluzzo, die auf andere Weise Mutter von Tausenden von Kindern ist. Ihr sind viele Heilige vorausgegangen: Theresia von Ávila, Theresia von Lisieux, Katerina von Siena, Theresia Benedicta a Cruce (Edith Stein), Gianna Beretta Molla, alles sehr starke und mutige Frauen, die mich inspirieren und denen ich ähnlich sein möchte.

ZENIT: In der Welt des Theaters, Film und Fernsehens wird die weibliche Schönheit besonders betont, oft jedoch nicht auf geschmackvolle und elegante Weise. Können die Kommunikationsmittel dem Image der Frau wieder seine verdiente Würde zurückgeben?

Costanza Miriano: Wenn die Frau sich in rechtem Maße schützt, schadet das nicht. Wir katholischen Frauen täuschen uns vielleicht, wenn wir meinen, dass, wenn man sich schon um den Geist kümmert, man sich nicht mehr so sehr um den Leib kümmern muss. Ich hingegen glaube, dass es für eine verheiratete Frau fast eine Pflicht ist, hübsch zu sein. Ich selbst liebe es, über eine minimale Prise Eitelkeit und „Frivolität“ zu verfügen! Oft werden die Lehrschreiben des Papstes durch meinen Nagellack fleckig … Ich sehe überhaupt keinen Widerspruch zwischen der körperlichen und der geistigen Schönheit. Ich liebe es, Sport zu treiben, und tue es immer noch. Die Schönheit ist ein Geschenk: Man muss sie annehmen, hüten und pflegen, natürlich, ohne „die Perlen vor die Säue zu werfen“, ohne sie auf vulgäre Art und Weise zur Schau zu stellen. Alles in allem betrachten wir im Fernsehen den natürlichen Ausgang der Schlacht um die Sache des Feminismus.

Ich glaube, die Kommunikationsmittel können der weiblichen Schönheit ihre Würde zurückgeben, nicht aber indem man eine Zensur einführt oder sie verdammt, noch dadurch, dass man das Böse besonders hervorhebt, sondern indem man zeigt, dass die wahre Schönheit und das wahre Glück von anderer Art sind. Die Herausforderung, der wir Katholiken gegenüberstehen, besteht darin, nicht als Moralisten oder Menschen aufzutreten, die den Stab brechen: Das überzeugt die Herzen nicht. Wir müssen die größere Schönheit sichtbar machen, indem wir auch mit Nagellack und Glanzmittel im Haar davon Zeugnis geben, dass das wahre Glück woanders liegt. Es steht nirgendwo geschrieben, dass eine kinderreiche Frau, die ihr ganzes Leben mit demselben Mann verbringt, hässlich werden muss. Wir Katholiken stehen vor der Herausforderung, die tiefe Vernunftmäßigkeit des Glaubens aufzeigen zu müssen und aufzeigen zu müssen, dass der Unglaube unweigerlich dazu führt, dass man tief unglücklich wird. Ich glaube nicht, dass man ohne Gott glücklich sein kann; für ihn ist unser Herz geschaffen. Nicht einmal Brad Pitt und Angelina Jolie werden ohne Gott auf irgendeine Weise glücklich werden!

Für Leser mit italienischen Sprachkenntnissen: Costanza Miriano:Sposati e sii sottomessa. Pratica estrema per donne senza paura.

[Übersetzung des italienischen Originals von P. Thomas Fox LC]