"Helft uns, gute Hirten zu sein!"

Die Worte des Papstes beim Regina Caeli

Vatikanstadt, (ZENIT.org) | 422 klicks

Auch heute zeigte sich der Heilige Vater am Fenster seines Arbeitszimmers, um mit den auf dem Petersplatz versammelten Gläubigen und Pilgern wie gewohnt das sonntägliche Regina Caeli zu beten.

Zur Einführung in das Mariengebet sprach der Papst die folgenden Worte, die wir hier in einer eigenen Übersetzung dokumentieren.

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[Vor dem Regina Caeli]

Liebe Brüder und Schwestern!

Am heutigen 4. Sonntag der Osterzeit führt uns der Evangelist Johannes das Bild von Jesus als dem Guten Hirten vor Augen. Die Betrachtung dieses Teils des Evangeliums führt uns zum Verständnis der Beziehung zwischen Jesus und seinen Jüngern: einer Beziehung auf der Grundlage der Zärtlichkeit, der Liebe, dem gegenseitigen Kennen und der Verheißung eines unermesslichen Geschenkes. In diesem Zusammenhang sagt Jesus: „Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben“ (Joh 10,10).Diese Beziehung ist Vorbild für die Beziehungen unter den Christen und für alle menschlichen Beziehungen.

Wie zur Zeit Jesu gibt es auch heute viele, die sich als „Hirten“ unseres Daseins darstellen. Doch allein der Auferstandene ist der wahre Hirte. Ich fordere alle auf, sich dem Herrn anzuvertrauen, der uns führt, uns aber auch begleitet und mit uns geht. Hören wir mit offenem Sinn und Herzen auf sein Wort, um unseren Glauben zu nähren, unser Gewissen zu erhellen und den Lehren des Evangeliums zu folgen.

Der heutige Sonntag steht im Zeichen des Gebetes für die Priester und Bischöfe, einschließlich des Bischofs von Rom; für alle Priester, für alle! Beten wir insbesondere für die Neupriester des Bistums Rom, die ich soeben in der Petersbasilika geweiht habe. Lasst uns diese 13 Priester willkommen heißen! Möge der Herr uns Priestern dabei helfen, dem Meister stets treu zu sein und als weise und erleuchtete Führer des uns anvertrauten Gottesvolkes zu dienen. Auch euch bitte ich darum, uns dabei zu helfen, gute Hirten zu sein. Ich erinnere mich daran, einmal einen Text gelesen zu haben, in dem ganz eindrucksvoll beschrieben wurde, wie das Gottesvolk den Bischöfen und Priestern dabei hilft, gute Hirten zu sein. Es handelt sich dabei um ein Werk des hl. Caesarius von Arles, eines Kirchenvaters der ersten Jahrhunderte seit der Entstehung der Kirche. Er erläuterte, auf welche Weise das Gottesvolk dem Hirten Unterstützung zukommen lassen sollte und nannte dazu folgendes Beispiel: Wenn ein Kalb hungrig ist, geht es zur Mutterkuh, um Milch zu trinken. Die Kuh gewährt dies jedoch nicht sofort: Es scheint, als ob sie die Milch für sich behalten wolle. Was tut das Kalb daher? Es stupst mit dem Maul an den Zitzen der Kuh, worauf die Milch zu fließen beginnt. Welch schönes Bild! Dazu sagt uns der Heilige: „Genau so müsst ihr euch gegenüber den Hirten verhalten: Klopft immer an ihre Türe, an ihr Herz, damit sie euch die Milch der Lehre geben, die Milch der Gnade und die Milch der Führung.“ Ich bitte euch darum, den Hirten lästig zu sein, sie und alle Hirten zu stören, damit wir euch die Milch der Gnade, der Lehre und der Führung geben können. Stört! Denkt an das schöne Bild des Kalbes, das die Mutter stört, damit sie ihm Nahrung gibt.

In Nachahmung Jesu wird sich jeder Hirte „bisweilen an die Spitze stellen, um den Weg anzuzeigen und die Hoffnung des Volkes aufrecht zu erhalten, andere Male wird er einfach inmitten aller sein mit seiner schlichten und barmherzigen Nähe, und bei einigen Gelegenheiten wird er hinter dem Volk hergehen, um denen zu helfen, die zurückgeblieben sind“ (Apostolische Exhortation Evangelii gaudium, 31). Alle Hirten sollten so sein! Ihr sollt die Hirten jedoch stören, damit sie euch die Führung der Lehre und der Barmherzigkeit zuteilwerden lassen.

An diesem Sonntag wird der Gebetstag für geistliche Berufungen begangen. In meiner diesjährigen Botschaft zu diesem Anlass betonte ich, dass „jede Berufung stets ein Herausgehen aus sich selbst erfordert, um das eigene Dasein auf Christus und sein Evangelium auszurichten“ (Nr. 2). Daher ist die Berufung der Nachfolge Jesu immer gleichzeitig begeisternd und anspruchsvoll. Damit sie zur Verwirklichung gelangt, bedarf es der tiefen Freundschaft mit dem Herrn, um mit ihm und für ihn leben zu können.

Beten wir, dass auch in dieser Zeit viele junge Menschen die Stimme des Herrn vernehmen, die immer der Gefahr ausgesetzt ist, gleichsam von den vielen anderen Stimmen erstickt zu werden. Beten wir für die jungen Menschen: Vielleicht ist hier auf dem Platz jemand, der diese Stimme des Herrn hört, die ihn zum Priesteramt beruft; bitten wir für ihn, wenn er hier ist, und für alle berufenen jungen Menschen.


[Nach dem Regina Caeli]

Liebe Brüder und Schwestern,

ich grüße euch, ihr Familien, Gruppen von Pfarrgemeinden, Vereinigungen und einzelnen Gläubigen aus Italien und vielen anderen Ländern. Im Besonderen möchte ich jene aus den Diözesen Campo Grande und Dourados (Brasilien), New York, Las Palmas (Kanarische Inseln) und die Studenten aus Miranda Do Corvo in Portugal sowie die jungen Menschen der im argentinischen Viertel Alta Cordoba gelegenen Schule „Cuore di Maria“ erwähnen.

Einen herzlichen Willkommensgruß richte ich an die Neokatechumenalen Gemeinschaften, die an diesen Sonntagen der Osterzeit in 100 Plätzen Roms und in vielen Städten der Welt Jesu Auferstehung verkünden. Möge euch der Herr die Freude des Evangeliums schenken! Vorwärts! Ihr seid gut!

Einen besonderen Segen spende ich den Kindern und jungen Menschen, die die Erstkommunion und die Firmung bereits empfangen haben oder empfangen werden, sowie den Familienmitgliedern und den Freunden der Neupriester der Diözesen Roms, deren Weihe ich heute Vormittag vollzogen habe.

Ein weiterer Gruß gilt der staatlichen Forstwache Italiens, die das nationale Fest der Naturreserven veranstaltet; den über die Via Francigena nach Rom gekommenen Mitgliedern der alpinistischen Vereinigung „Giovane Montagna“ (junger Berg), dem Network Italiano di Cure di Supporto in Oncologia (italienisches Netzwerk für onkologische Behandlung und supportive onkologische Therapie), das ich in ihrem Einsatz für die Kranken und Angehörigen ermutige; den Zivilschutz Viggiù-Clivio sowie die Motorradfahrer aus San Marino und den Abruzzen.

Heute lade ich euch alle dazu ein, allen Müttern einen lieben Gedanken und ein Gebet zu widmen. Begrüßen wir die Mütter und vertrauen wir sie der Mutter Jesu an. Beten wir zur Gottesmutter für unsere Mutter und für alle Mütter: „Ave Maria …“.

Einen innigen Gruß den Müttern: einen innigen Gruß!

Ich wünsche euch allen einen schönen Sonntag! Gesegnete Mahlzeit und auf Wiedersehen!