Henry Coudray SJ wird erster Apostolischer Vikar von Mongo

Schlüsselfigur des interreligiösen Dialogs im Tschad

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ROM, 4. Juni 2009 (ZENIT.org) – Eine Schlüsselfigur des interreligiösen Dialogs im Tschad hat Papst Benedikt XVI. zum ersten Apostolischen Vikar von Mongo ernannt: Jesuitenpater Henri Coudray (67) verfügt über fundierte Kenntnisse in Arabistik und Islamwissenschaften, die er in Frankreich und mehreren afrikanischen Staaten, unter anderem als Direktor des Ausbildungszentrums für Jesuiten an der Elfenbeinküste, sammelte.

Der Papst hat mit dieser Ernennung gleichzeitig die Apostolische Präfektur von Mongo zum Rang eines Apostolischen Vikariats erhoben. Die Pfarrkirche von Mongo Word erhält jetzt den Status einer Kathedrale. Das neue Vikariat umfasst 1,7 Millionen Einwohner. In der betroffenen Region leben gegenwärtig 6.000 Katholiken. Sie stellen somit 0,35 Prozent der Gesamtbevölkerung und verfgen über sechs Pfarrgemeinden. Neun Priester wirken im Vikariat von Mongo, 18 Ordensleute leben dort in ihren Niederlassungen. Unterstützt wird die Pastoral durch acht Laienmissionare.

Im Jahr 1942 wurde Henry Coudray als Sohn eines Schneiders und einer Sekretärin in Pont-de-Beauvoisin in der französischen Region Rhône-Alpes geboren. Gerade 19 Jahre alt, trat Coudray in den Jesuitenorden in Aix-en-Provence ein. Er studierte in Chantilly, Lyon und Rom. Im Jahr 1974 empfing er die Priesterweihe, und 1980 legte er seine Ewige Profess in der Gesellschaft Jesu ab.

2001 wurde er zum Apostolischen Präfekten von Mongo in den Südosten des Tschad berufen. In dieser Grenzregion zum Sudan haben viele schwarzafrikanische Muslime aus Darfur Zuflucht gesucht. Der Jesuit spricht nicht nur ihre Sprache und kennt ihre Sitten, er weiß auch um die Gefahren, die in der Krisenregion lauern. Seine Islamkenntnisse helfen ihm besonders in seinem Engagement für die sudanesischen Flüchtlinge und für Vertriebene im Tschad.

Den Menschen mit Mitgefühl und Respekt beizustehen, hat für Henry Coudray Priorität in der Flüchtlingshilfe. Er hört zu, was sie ihm erzählen: von den grausamen Geschehnissen, die zu ihrer Flucht führten, und dem nicht immer Willkommensein bei der ortsansässigen Bevölkerung. „Man muss alles tun, um die reine Nothilfe hinter sich zu lassen, die die Menschen passiv und abhängig macht“, erklärte der Ordensmann jüngst gegenüber Mitarbeitern von Missio. Er wolle „die verborgenen Fähigkeiten der Flüchtlinge fördern“, ihnen Beschäftigungsmöglichkeiten eröffnen und das Gefühl der Gemeinschaft wecken.

Rund 230.000 Sudanesen sind in den Tschad geflohen. Sie sind - genauso wie die rund 170.000 tschadischen Binnenflüchtlinge - in Lagern untergebracht. Die katholische Kirche hat die Versorgung für 60.000 Flüchtlinge übernommen. Der Flüchtlingsdienst der Jesuiten organisiert in Zusammenarbeit mit lokalen Behörden in allen Flüchtlingslagern die Schulbildung und Ausbildungsprogramme sowie den Grundschulunterricht für die Kinder. Daneben fördert die katholische Kirche die Resozialisierung der von den Rebellen als Soldaten missbrauchten Kinder.