"Herr, ich höre deinen Ruf und folge"

Das heutige Mittwochsgebet stammt von Dietrich Bonhoeffer

Rom, (ZENIT.org) Maike Sternberg-Schmitz | 332 klicks

Dietrich Bonhoeffer wurde 1906 in Breslau geboren und starb 1945 im KZ Flossenbürg. Er war ein lutherischer Theologe und am deutschen Widerstand gegen den Nationalsozialismus beteiligt. Bonhoeffer war unter anderem Privatdozent für evangelische Theologie in Berlin und Jugendreferent in der Vorgänger-Organisation des Ökumenischen Rates der Kirchen. Er betonte immer wieder die Gegenwart Jesu Christi in der Gemeinschaft der Christen, die Bedeutung der Bergpredigt und die der Übereinstimmung von Glauben und Handeln in der Nachfolge Christi. Während seiner Zeit im Gefängnis entwickelte er in Briefen fragmentarische Gedanken für eine Ausrichtung der Kirche nach außen in Solidarität mit Bedürftigen. Ebenso befürwortete er eine nichtreligiöse Interpretation der Bibel, kirchlicher Tradition und des Gottesdienstes. Bezüglich des Betens sagte er: „Ein Mensch, der betet, kann keine Angst mehr haben und nicht mehr traurig sein. Im Gebet ist Christus, ist Gott uns nahe.“

Das folgende Gebet verfasste er 1943 in Gefangenschaft für seine Mitgefangenen.

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Morgengebet

Gott, zu Dir rufe ich in der Frühe des Tages.
Hilf mir beten
und meine Gedanken sammeln zu Dir;
ich kann es nicht allein.

In mir ist es finster,
aber bei Dir ist das Licht;
ich bin einsam, aber Du verlässt mich nicht;
ich bin kleinmütig, aber bei Dir ist die Hilfe;
ich bin unruhig, aber bei Dir ist der Friede;
in mir ist Bitterkeit, aber bei Dir ist die Geduld;
ich verstehe Deine Wege nicht, aber
Du weißt den Weg für mich.

Vater im Himmel,
Lob und Dank
sei Dir für die Ruhe der Nacht;
Lob und Dank sei Dir für den neuen Tag.
Lob und Dank sei Dir für alle Deine Güte
und Treue in meinem vergangenen Leben.
Du hast mir viel Gutes erwiesen,
lass mich nun auch das Schwere
aus Deiner Hand hinnehmen.
Du wirst mir nicht mehr auflegen, 
als ich tragen kann.
Du lässt Deinen Kindern alle Dinge zum 
Besten dienen.

Herr Jesus Christus,
Du warst arm
und elend, gefangen und verlassen wie ich.
Du kennst alle Not der Menschen,
Du bleibst bei mir,
wenn kein Mensch mir beisteht,
Du vergisst mich nicht und suchst mich,
Du willst, dass ich Dich erkenne 
und mich zu Dir kehre.

Herr, ich höre Deinen Ruf und folge,
hilf mir!

Heiliger Geist,
gib mir den Glauben, der mich vor
Verzweiflung, Süchten und Laster rettet,
gib mir die Liebe zu Gott und den Menschen,
die allen Hass und Bitterkeit vertilgt,
gib mir die Hoffnung, die mich befreit von
Furcht und Verzagtheit.

Heiliger, barmherziger Gott,
mein Schöpfer und mein Heiland,
mein Richter und mein Erretter,
Du kennst mich und all mein Tun.
Du hasst und strafst das Böse in dieser und
jener Welt ohne Ansehen der Person,
Du vergibst Sünden dem,
der Dich aufrichtig darum bittet,
Du liebst das Gute und lohnst es auf dieser
Erde mit einem getrosten Gewissen
und in der künftigen Welt
mit der Krone der Gerechtigkeit.

Vor Dir denke ich an all die Meinen,
an die Mitgefangenen und alle,. die
in diesem Hause ihren schweren Dienst tun.
Herr, erbarme Dich!
Schenke mir die Freiheit wieder,
und lass mich derzeit so leben, 
wie ich es vor Dir und vor den Menschen
verantworten kann.
Herr, was dieser Tag auch bringt, -
Dein Name sei gelobt!

Amen