"Herr Pfarrer, segnen Sie mich!" (per Telefon)

Wirksamkeit und Rechtmäßigkeit von Segnungen per Telefon

Rom, (ZENIT.org) Edward McNamara LC | 446 klicks

P. Edward McNamara, Professor für Liturgie und Studiendekan der Theologischen Fakultät am Päpstlichen Athenäum „Regina Apostolorum“ in Rom, beantwortet eine Leserfrage zur Wirksamkeit und Rechtmäßigkeit von Segnungen per Telefon.

Frage: Handelt man korrekt, wenn man per Telefon für jemanden betet? Darf man einen Neupriester am Telefon darum bitten, einem seinen Segen zu spenden? – O.C., Avezzano, Italien

P. Edward McNamara: Ich wüsste nicht, warum ein solches Gebet nicht möglich sein sollte. Da wir für jemanden beten können, ohne ihm körperlich oder durch virtuelle Verbindung nahe zu sein – wie wenn wir zum Beispiel ein Gesätz des Rosenkranz für einen Freund oder Verwandten, der des Gebets bedarf, aufopfern – so kann eine Begleitung im Gebet per Telefon oder über ein anderes technisches Kommunikationsgerät die Wirkung in der subjektiven Wahrnehmung des Einzelnen durchaus positiv beeinflussen.

Im Falle des priesterlichen Segens müsste man wahrscheinlich gewisse Aspekte unterscheiden. Insoweit als der Segen ein Gebet ist, glaube ich, kann ein einfacher Segen mit elektronischem Gerät direkt übertragen werden – insofern als der Priester nämlich die Absicht hat, Gottes Segen für die zu Segnenden zu erbitten.

Einige sind anderer Meinung und glauben, dass die Erteilung eines solchen Segens dem Heiligen Vater vorbehalten ist. Jedenfalls geht aus den Dokumenten klar hervor, dass der Papst die Gewalt besitzt, einen solchen Segen zu erteilen. Andere Fälle sind dort nicht erwähnt.

Wenn der Heilige Vater den Segen „urbi et orbi“ spendet, dann wird jeder, der diesen Segen mittels direkter Übertragung empfängt, wahrhaftig vom Papst gesegnet. Er erwirbt auch den vollkommenen Ablass, der mit dem päpstlichen Segen verbunden ist. Dieser Ablass ist mit dem Segen, den nur der Papst erteilen kann, unmittelbar verbunden.

Wer den Segen zu einem anderen Zeitpunkt verfolgt, erhält den Ablass nicht. So steht es nämlich im Handbuch der Ablässe (enchiridion indulgentiarum): „Den Ablass erwerben diejenigen Gläubigen, die begründeterweise bei einem Päpstlichen Segen nicht anwesend sind, dem Ritus aber andächtig über Fernsehen oder Radio folgen‚ dum peraguntur‘, d.h. ‚während man [die Riten] durchführt‘.“

Meiner Meinung nach darf man dieses Prinzip, nachdem keine aufgenommenen Segensformeln zu verwenden sind, auch auf andere Kleriker anwenden, die also per Telefon, über Radio oder andere Kommunikationsmittel lediglich einen einfachen Fürbittsegen sprechen können. Obwohl nämlich ein Priester Segnungsgewalt besitzt, ist doch der Segen selbst in seiner einfachsten Form immer ein Ritus der Kirche und als solcher bedarf er irgendeiner Art unmittelbarer Teilnahme.

Eine Segensformel, die aufgenommen wurde, kann eine Gnadenquelle sein, genauso wie ein Gebet oder ein Rosenkranz, die aufgenommen wurden, uns zum Beten anregen können. Dieser Segensspruch ist dann aber kein Ritus der Kirche und so kann man ihn, genau genommen, nicht zu den Sakramentalien zählen.

Weiterhin muss man solche Segnungen von Segnungen mit bleibender Wirkung [oder Weihen] unterscheiden, deren Voraussetzung die physische Gegenwart der Person oder des zu segnenden Gegenstands ist. Segen dieser Art sind solche, die Personen mitbeinhalten, wie zum Beispiel die Verleihung eines Dienstes, die Ordensprofess und Ähnliches, oder auch Gegenstände wie Kelche und Rosenkränze.

Eine Ausnahme gibt es manchmal, wenn der Heilige Vater seine Absicht, Andachtsgegenstände wie Medaillen und Rosenkränze zu segnen, sogar auf diejenigen ausdehnt, die mit ihm direkt über Radio, Fernsehen und Internet verbunden sind. Davon darf man jedoch nicht bei der Übertragung jeder Papstmesse (was in der Internetära immer häufiger geschieht) ausgehen. Außerdem müsste der Papst unter normalen Umständen diese seine Absicht ausdrücklich nennen.

Aus ähnlichen Gründen würde ich auch behaupten, dass die liturgischen Segnungen, die im Benediktionale enthalten sind, nicht notwendigerweise als Segen wirksam sind, und zwar dann, wenn der Ritus die physische Gegenwart der zu segnenden Person von sich aus erfordert.

Diese Segensformeln könnten aber immerhin noch als Gebete für diejenigen benutzt werden, die sich in der Ferne befinden.

Übersetzt von P. Thomas Fox, LC aus dem englischen Originalartikel  http://www.zenit.org/en/articles/blessings-over-the-phone