Heute die Hoffnung kommunizieren, um das Europa von morgen zu erbauen

Zehn Jahre nach dem Apostolischen Schreiben "Ecclesia in Europa", hat sich der CCEE Gedanken über die Herausforderungen im Alten Kontinent gemacht

Sankt Gallen, (CCEE) | 440 klicks

Jesus Christus, der in seiner Kirche lebt, ist die Quelle der Hoffnung für Europa. Heute mehr denn je, zeigt sich die Botschaft der Hoffnung des Apostolischen Schreibens als prophetisch und aktuell für Europa. Der Kontinent scheint, nämlich, eine Zeit der Verwirrung und der Trübung der Hoffnung durchzumachen. In dieser Zeit der Krise fühlen sich viele Bürger orientierungslos und enttäuscht von den Institutionen und jenen Anhaltspunkten, denen es bislang gelungen war die Gesellschaft des alten Kontinents zu tragen. Das Europa des 2013 scheint eher von einer Welle der Unsicherheit erfasst zu sein als von der Sehnsucht nach Zukunft. Diese Krise, die nicht nur wirtschaftlicher sondern auch kultureller, anthropologischer, ethischer und spiritueller Art ist, stellt aber auch eine Gelegenheit für Europa dar, sich vom praktischen Agnostizismus und der religiösen Gleichgültigkeit zu befreien und erneut die Zukunft zu bestimmen in der Begegnung mit der Person und der Botschaft Jesu Christi (vgl. Ecclesia in Europa, 2). Die Hauptherausforderung ist also jene, zu verstehen, wer heute der Mensch in Europa ist und wohin er sich bewegt. Wie kann ihn die katholische Kirche dabei begleiten, indem sie ihm hilft die Botschaft des Evangeliums in seine Alltagserfahrungen einfließen zu lassen und indem sie mit neuen Worten und modernen Mitteln, auch im Bereich der Kommunikation, die Person Jesu und die Werte, die in seinem Evangelium enthalten sind, vorstellt.

Europa im 2013

Durch die Beiträge von Experten, wie Prof. Andrea Pin, Forscher und Professor auf Zeit für Verfassungsrecht (Universität Padua – Italien), Mgr. Piotr Mazurkiewicz, Offizial des Päpstlichen Rates für die Familie (Vatikan) und Prof. Manfred Spieker, Dozent für Sozialwissenschaften an der Universität Osnabrück (Deutschland), haben sich die Teilnehmer mit den Fragen zu den gegenwärtigen Umwälzungen in Europa beschäftigt. 

In den letzten Jahren haben verschiedene Elemente auf die stattfindenden Veränderungen im Bereich der Politik, der Wirtschaft und des Rechts hingewiesen. Die sogenannten ‚neuen Rechte’ – Individualrechte -  die eben einer Gesellschaft entspringen, in welcher der Individualismus herrscht, in welcher alles was möglich ist, durch das Recht auch erlaubt werden soll. Diese neuen Rechte scheinen sich parallel zur Ausbreitung der Wirtschaftslogik in unserer Gesellschaft entwickelt zu haben. In der Tat, die gegenwärtige Wirtschaftskrise und ihre Antworten zeigen klar wie sehr die Wirtschaft oft sich zum Wertemaßstab der Normen entwickelt hat und den Menschen (die Demokratie) seines Entscheidungsfreiraums beraubt hat. Oft ist das Zünglein auf der Waage bei politischen Wahlen das wirtschaftliche Programm (und nicht die gesellschaftlichen Fragen). Die Wirtschaft ist also zur Autobahn geworden durch welche die Individualrechte eintreten, die sich auf ein Ethos beziehen, das sich nicht die Frage stellt, was Wahrheit denn ist. Gleichzeitig zeigt dieses System schon jetzt seine Grenzen. Die tägliche Erfahrung zeigt, dass es diesen Rechten nicht gelingt, das zu halten, was sie versprechen. 

Gendertheorie, Euthanasie und Kultur des Todes

Im Laufe des Treffens wurden einige aktuelle Themen erörtert: Gendertheorie, Euthanasie und die Sprache der Kultur des Todes. Es ist besonders bedeutsam zu erkennen, dass oft eine Sprache verwendet wird, die vom Recht hergeleitet wird – das Recht auf die reproduktive Gesundheit, um die Abtreibung zu rechtfertigen oder das Recht auf Selbstbestimmung oder auf Freitodbegleitung, um die Euthanasie zu rechtfertigen – um damit eine bestimmte Praxis durchzusetzen, eine Kultur des Todes, die letztlich nichts anderes ist als der Versuch des Menschen, sich an den Platz Gottes zu stellen um Herr über das Leben zu sein, anstatt dessen einfachen Verwalters.

Es wurden auch, vom Gesichtspunkt der Kommunikation aus gesehen, einige Initiativen in diesen Bereichen betrachtet, wie „manif pour tous“ und die Oppositionskampagne der englischen Bischofskonferenz zur gleichgeschlechtlichen Eheschließung. Das Bild, das hervortritt, ist ein klarer „Bruch“, der in diesen Ländern entstanden ist zwischen der repräsentativen Demokratie (die Gewählten) und der partizipativen Demokratie (die Bevölkerung, die sich nicht vertreten fühlt), und zeigt somit wie notwendig in diesen Bereichen  eine soziale Auseinandersetzung und Diskussion sind und gleichzeitig vor welchen Herausforderungen die Kirche steht.

Generell ist aus den Reflektionen und den Diskussionen im Saal klar hervorgegangen, dass die Angelegenheit letztlich anthropologischer Natur ist: welche Idee des Menschen will Europa der Zukunft übergeben?

Copyright und Privacy

Dank dem Beitrag von  Frau Dr. Elvana Thaçi, Verantwortlich für “Internet Governance” – Direktion der Informationsgesellschaft und Aktion gegen die Kriminalität (Europarat) - konnten der Stand der Überlegungen zu Themen der Copyright und Privacy und ihre Auswirkungen auf das Leben der Kirche (als Institution) und der Gläubigen erörtert werden. Die Herausforderung liegt in der Regulierung der Beziehung zwischen den beiden Grundrechten: das Recht auf geistiges Eigentum und das Recht auf freie Meinungsäußerung. In nicht wenigen Fällen, nämlich, besonders mit dem Auftreten des Internets, treten diese Rechte in Kollision. Insbesondere wurde dann auf den Schutz und die Benutzung von privaten Daten eingegangen.

News.va und PopeApp

Während dem Treffen hat Dr. Thaddeus Milton Jones des Päpstlichen Rates für die sozialen Kommunikationsmittel (Vatikan) den Gruß des Präsidenten der römischen Behörde, Erzbischof Claudio Maria Celli, überbracht und die zahlreichen Aktivitäten des Päpstlichen Rates vorgestellt, insbesondere im Bereich der neuen Medien (PopeApp, Twitter-Account des Papstes...) und das mehrsprachige Portal www.news.va, jenes Werk welches die verschiedenen Kommunikationsmittel des Vatikans vereint.

Rumänien

Die Teilnehmer wurden über die Situation der Christen in Rumänien informiert und über die Bemühungen der Kirche in Rumänien im Bereich der sozialen Kommunikationsmittel durch den Priester Eduard Mihai Cosa, Generalsekretär der Bischofskonferenz Rumäniens, den Weihbischof von Bukarest, Mgr. Cornel Damian, und durch  den Priester Francisc Dobos, Mediensprecher der Bischofskonferenz Rumäniens und Ko-Organisator des Treffens. Rumänien, ein Land das eine Brücke bildet zwischen Ost und West, stellt ein sehr spezifisches und kompliziertes Bild dar. Dort leben, nicht ohne Spannungen, verschiedene christliche Konfessionen (Katholiken, Orthodoxe und Reformierte) und sprachliche Minderheiten (Ungarisch und Deutsch) nebeneinander. In den letzten Jahren haben die katholischen Diözesen sehr viel in die Kommunikation investiert, auch Dank der neuen sozialen Kommunikationsmittel und Internet. Fast jede Diözese hat ein Pressebüro eingerichtet und besitzt einen Internetauftritt.

Die Bischofskonferenz Rumäniens, die mit Bischöfen des lateinischen und des griechisch-katholischen Ritus, bi-rituell ist, bereitet sich gerade auf die Seligsprechung (am kommenden 31. August) des verehrungswürdigen Vladimir Ghika (im Jahr 1954 verstorben), Priester und Intellektueller aus Rumänien, der unter dem kommunistischen Regime das Martyrium erlitten hat. Mgr. Mihai Fratila, griechisch-katholischer Bischof von Bukarest und der Priester Francisc Ungureanu, Postulator für das Seligsprechungsverfahren des verehrungswürdigen Ghika, haben die Zeugnisse der zahlreichen Ordensmänner und –frauen und Laien, die während den dunklen Jahren des Kommunismus die Verfolgung erlitten haben, vorgestellt. Das Zeugnis der Männer und Frauen hat es ermöglicht, dass die Kirche während dem totalitären Regime überleben konnte und dies soll eine Anregung sein, auf dass die Masken des Verdachts, die im Land noch sehr präsent sind, heute fallen mögen.

Das Treffen endete mit einer freien Diskussionsrunde über die Ereignisse, die im Leben der Kirche in den letzten Monaten besonders bedeutsam waren (Vatileaks, Rücktritt von Papst Benedikt XVI und die Wahl von Papst Franziskus) und einer Vorstellung der Aktivitäten von ComECE und CCEE.