Hilferuf aus Simbabwe: Bischöfe und Priester im Visier der staatlichen Sicherheitskräfte

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HARAE/KÖNIGSTEIN, 3. Mai 2007 (ZENIT.org).- Die dramatische Situation in Simbabwe spitzt sich nach Angaben eines Priesters, der anonym bleiben will, auch für die Seelsorger dramatisch zu.



Im Zuge der Veröffentlichung des „historischen Hirtenbriefs“ der nationalen Bischofskonferenz mit dem Titel „God hears the cry of the oppressed” (“Gott hört den Ruf der Unterdrückten”) würden Bischöfe und Priester von den staatlichen Sicherheitskräften ins Visier genommen, heißt es in dem Schreiben eines namentlich nicht genannten Priesters, dessen Inhalt vom internationalen pastoralen Hilfswerk Kirche in Not heute, Donnerstag, verbreitet wurde.

„Ich hatte Gelegenheit, an der Vollversammlung der katholischen Bischofskonferenz von Simbabwe teilzunehmen, bei der jede Diözese von den Erfahrungen berichtet hat, die nach der Verlesung des Hirtenbriefs in unseren Pfarreien gemacht wurden. Es war traurig, von diesen Diözesen hören zu müssen, dass einige Priester schon bald, nachdem sie den Brief ihren Gemeindemitgliedern vorgelesen hatten, verhaftet wurden. Einer wurde sogar aus der Messe gezerrt, ehe diese beendet war.“

Nach Angaben des simbabwischen Seelsorgers sind einige Priester vom staatlichen Geheimdienst auf die schwarze Liste gesetzt worden. „Wir leben jetzt in der Furcht, verhaftet, gefoltert oder getötet zu werden“, fügt er hinzu. „Beten Sie bitte weiterhin für uns, während wir darum kämpfen, unsere Stimme für das stimmlose Volk von Simbabwe zu erheben.“

Die katholischen Hirten von Simbabwe gehen in ihrem gemeinsamen Pastoralschreiben auf die Ursachen der gegenwärtigen nationalen Krise ein, die in ihren Augen eine „Krise der Staatsführung“, eine „Krise der moralischen Führerschaft“ und eine „geistige und moralische Krise“ ist. Nach einer ausführlichen Analyse sprechen sie sich unmissverständlich für eine „moralisch legitimierte politische Autorität“ aus. Zugleich verurteilen sie aber ebenso nachdrücklich jede Herrschaft, die „auf Gewalt, Unterdrückung und Einschüchterung“ beruht.

„Wir rufen die Bevölkerung von Simbabwe zu Frieden und Zurückhaltung auf, wenn es darum geht, ihre berechtigten Beschwerden zu äußern und für die Menschenrechte zu demonstrieren.“

Die Mitglieder der „Southern African Catholic Bishops“ (Bischofskonferenz des südlichen Afrikas) hatten die Regierung Mugabes in einer gemeinsamen Erklärung zu einem Sinneswandel aufgerufen (vgl. Warnung vor einem Bürgerkrieg). Sichtbare Zeichen für einen solchen Schritt seien die Aufnahme von Gesprächen mit allen Teilen der Gesellschaft, die gemeinsame Ausarbeitung einer neuen Verfassung und die Abhaltung freier Wahlen.

„Wir, die Bischöfe der südafrikanischen Bischofskonferenzen, glauben an Simbabwe“, heißt es in dem Dokument. „Wir glauben an seine Bevölkerung und ihr Potential. Wir glauben, dass dieses Potential von denen, die die Amtsgewalt innehaben, noch erkannt werden kann, wenn sie sich mit Vertretern aller Sektoren der Gesellschaft Simbabwes im selben Raum zusammensetzen, um eine neue Verfassung auszuarbeiten. Diese Verfassung wird die Grundlage für eine neue Demokratie bilden. Vollkommen freie und klar erkennbar gerechte Wahlen werden dann möglich sein. Wir unterstützen mit Nachdruck die Hirten der Kirche in Simbabwe in ihrem Bemühen, Dialog, Verhandlungen und Versöhnung zustande zu bringen.“

Damit das geschehen könne, sei bei der Führungsschicht allerdings „ein radikaler Sinneswandel“ vonnöten. Diesbezüglich schreiben die Bischöfe: „Wir bitten unseren Gott, dass er dieses Wunder für sein Volk in Simbabwe wirken möge.“