Hilferuf eines Bischofs aus dem Sudan

Ohne internationale Hilfe gibt es keine Entspannung

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LONDON/WIEN, 21. September 2009 (ZENIT.org).- Die Angriffe auf unschuldige Zivilisten durch die Lords Resistence Army (LRA) könnten nicht ohne die Hilfe von außen gestoppt werden, bekräftigt Bischof Eduardo Hiiboro Kussala, Hirte der sudanesischen Diözese Tombura-Yambio.



In einem Interview mit dem internationalen katholischen Hilfswerk Kirche in Not nimmt der Bischof auf einen Angriff auf die Kirche von Unserer Lieben Frau, Königin des Friedens, in der Stadt Ezo Bezug, beim dem 17 vor allem junge Menschen entführt worden sind. Kurz nach dem Anschlag, den eine große Gruppe von LRA-Soldaten verübt hatte, wurde einer der verschleppten Männer verstümmelt und an einem Baum gebunden tot aufgefunden. Am folgenden Tag tauchten drei Männer unversehrt auf, die restlichen 13 werden auch ein Monat nach dem Angriff weiterhin vermisst. Die Diözese grenzt an die beiden Nachbarstaaten Zentralafrikanische Republik und die Demokratische Republik Kongo.

Bei einem weiteren Anschlag eine Woche später wurden in der Nähe der Stadt Nzara sechs Menschen überfallen und getötet, nachdem man sie auf Holzteile genagelt hatte. Jene, die die Leichen einige Tage später entdeckten, verglichen die Tat mit einer grotesken Kreuzigungsszenerie. Weitere zwölf Menschen wurden einige Zeit später ebenfalls nahe Nzara entführt. Die LRA ist für ihre Grausamkeit gegenüber ihren Opfern berüchtigt. Kurz vor den Attacken war noch ein Team von „Kirche in Not“ auf Projektreise in den erwähnten Städten unterwegs.

Als Antwort auf die Angriffe in Ezo und Nzara rief Bischof Hiiboro zu einem dreitägigen Gebetstreffen auf, zu dem Christen aller Konfessionen eingeladen wurden. Am Höhepunkt der Begegnung nahmen 20.000 Leute barfuß und in Sack und Asche gekleidet an einem Schweigemarsch teil. Der Protest galt der angeblichen Tatenlosigkeit der Regierung; die Teilnehmer forderten die Verstärkung der Sicherheit in der Region. Zwei lokale Minister aus Yambio und Juba nahmen am Gebetstreffen teil und versprachen, mehr für eine stärkere Polizeipräsenz in der Region zu unternehmen.

Wie Bischof Hiiboro bekräftigt, handelt es sich beim Angriff in Ezo um einen Aspekt einer größeren Spirale der Gewalt, die nur durch internationale Kooperation durchbrochen werden könne. „Die Regierung hier kann das LRA-Problem nicht lösen. Sie versicherten uns mehrmals, dass sie die Angelegenheit unter Kontrolle hätten, aber jetzt sehen wir die Realität. Niemand kommt uns zur Hilfe“, beklagt der Bischof. „Wir bitten jene, die in der internationalen Gemeinschaft Verantwortung tragen, etwas dagegen zu unternehmen.“

Während des Gebets am Hochfest der Aufnahme Mariens in den Himmel seien Ezo Hunderte von Menschen von der LRA angegriffen worden, berichtet der Bischof. Die Soldaten zerrissen die Altartücher, entweihten die Hostien und beschädigten Kircheneigentum. „Die Angreifer wollten eindeutig den Menschen Leid zufügen, weil sie wussten, dass sie gerade im Gebet versammelt waren. Die Kämpfer verfolgten den Priester, Pater Justin, der um sein Leben rannte und zur Sicherheit die Nacht im Wald verbringen musste.“

Was im August passiert sei, „war ein großer Schock für uns. Die Gläubigen kamen mit ihrem großen Leid zu mir und baten mich, etwas gegen die Situation zu tun – um ihnen ihre Kinder und Enkel zurückzubringen, die verschwunden sind“.

Der Sudan erhielt als Prioritätsland von „Kirche in Not“ im Jahr (2008) 1,17 Millionen Euro an Hilfsgeldern.