Hinter Gittern - Strafvollzug in Mittel- und Osteuropa

Neue Ausgabe von "OST-WEST. Europäische Perspektiven" erschienen

Freising, (Renovabis) | 234 klicks

In der Zeit des Kommunismus wurde in vielen osteuropäischen Ländern der Strafvollzug immer wieder zur Unterdrückung systemkritischer Personen missbraucht. Mit der politisch-gesellschaftlichen Wende vor 25 Jahren wurden das Justizwesen und damit auch der Strafvollzug grundlegend reformiert. Doch bis heute ist zu beobachten, dass die Praxis dabei der Theorie oft hinterherhinkt. Das aktuelle Heft der Zeitschrift „OST-WEST. Europäische Perspektiven“ (OWEP) widmet sich diesem Themenfeld und zeigt historische Aspekte des Strafvollzugs in Mittel- und Osteuropa auf. Zusätzlich werden aber auch gegenwärtige Entwicklungen sowie Anstrengungen für einen menschenwürdigen Strafvollzug thematisiert.  

Zu Beginn des Hefts werden die historischen und juristischen Hintergründe herausgearbeitet. Der Beitrag von Dr. Matthias Stadelmann (Universität Erlangen-Nürnberg) setzt sich mit dem System des „GULag“ in der Sowjetunion auseinander. Von 1929 bis 1953 wurden rund 18 Millionen Menschen zur Zwangsarbeit unter härtesten Bedingungen verurteilt, die Mehrheit aus politischen Gründen. Prof. Dr. Caroline von Gall (Universität Köln) untersucht im Anschluss die aktuelle Gesetzgebung zum Strafvollzug in Russland und zeigt, dass trotz erheblicher Verbesserungen grundlegende Vorgaben des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte noch immer kaum Beachtung finden.

In den folgenden Beiträgen liegt der Fokus auf dem Schicksal der Häftlinge. Prof. Dr. Sascha Feuchert (Universität Gießen), Vizepräsident der deutschen Schriftsteller Organisation PEN und „Writers-in-Prison“-Beauftragter, schildert, wie sich der Schriftstellerverband für verfolgte und inhaftierte Autoren einsetzt. Diakon Heinz-Peter Echtermeyer, bereits seit 25 Jahren in der Gefangenenseelsorge tätig, befasst sich mit biblischen und pastoralen Aspekten des Strafvollzuges. Aus seiner Arbeit im Verein „Art and Prison e.V.“ stammen auch das Titelbild und einige weitere Bilder der aktuellen OWEP-Ausgabe – Werke von Inhaftierten, die Erfahrungen des Gefängnisalltags reflektieren.

Hilfe zur Resozialisierung: Beispiele aus fünf Ländern

Abgeschlossen wird das Heft mit fünf Fallbeispielen aus Albanien, Lettland, Rumänien, Russland und der Republik Moldau. Hier werden zum einen konkrete Versuche sichtbar, die Zustände in den Gefängnissen menschenwürdig zu gestalten, zum anderen wird deutlich, welche Schwierigkeiten und Hindernisse es immer noch zu überwinden gilt, um den Strafgefangenen nach ihrer Entlassung einen Weg zurück in die Gesellschaft zu eröffnen.