Hirtenwort von Kardinalpräfekt Daoud an den katholischen Episkopat zugunsten der Kollekte "Pro Terra Sancta"

"Die Präsenz der Christen im Heiligen Land ist notwendiger denn je"

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ROM, 15. März 2006 (ZENIT.org).- In seinem Hirtenbrief zur Fastenzeit 2006 an die Bischöfe der ganzen Welt erinnert Kardinal Ignace Moussa Daoud, Präfekt der Kongregation für die Orientalischen Kirchen, daran, dass es allen Katholiken aufgetragen ist, "die christlichen Gemeinschaften im Heiligen Land durch ihr Gebet und ihre konkrete Solidarität zu begleiten". In diesem Sinn appelliert er an die Spendenbereitschaft der Gläubigen und erläutert die aktuelle Situation im Mittleren Osten. Das Heilige Land werde von einer Krise heimgesucht, "die Tag für Tag unsägliches Leid mit sich bringt".



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Exzellenz,

zu Beginn der Fastenzeit wendet sich diese Kongregation, der im ausdrücklichen Auftrag der Päpste die Verantwortung übertragen wurde, die Initiativen und Maßnahmen zugunsten der Heiligen Stätten ins Bewusstsein zu rufen und zu fördern, an die Bischofskonferenzen und an die einzelnen Bischöfe, um ihnen mit Nachdruck die traditionelle Kollekte "Pro Terra Sancta" ans Herz zu legen.

Seit jeher haben die Päpste jenen christlichen Gemeinschaften ihre größte Aufmerksamkeit entgegengebracht. Dies beweist deutlich die lange Reihe von Dokumenten, die im Lauf der Jahre veröffentlicht wurden. In denkwürdiger Erinnerung bleiben die zahlreichen Ansprachen und Botschaften des Dieners Gottes Johannes Paul II. zur Situation im Mittleren Osten, vor allem im Heiligen Land, das von einer Krise heimgesucht wird, die Tag für Tag unsägliches Leid mit sich bringt.

Das Land des Herrn bleibt nämlich weiterhin Schauplatz eines Konflikts, der seit Jahrzehnten andauert und der die katholischen Gemeinschaften und Institutionen jener Mittel beraubt, die für die Durchführung und Förderung der religiösen, humanitären und kulturellen Aktivitäten notwendig sind. Diese schmerzliche Situation führt zu Armut und Arbeitslosigkeit mit allen schwerwiegenden Folgen für die Familien und die gesamte Bevölkerung. Zudem verstärkt sie das besorgniserregende Phänomen der ständigen Abwanderung von Christen, insbesondere junger Paare, denen keine sichere und würdige Zukunft in Aussicht gestellt ist.

Die Präsenz der Christen im Heiligen Land ist jedoch notwendiger denn je für eine friedvolle Zukunft in jener Region und für das Wohl der gesamten Weltkirche, die an den Heiligen Stätten lebendige Gemeinschaften vorfinden muss, die ihren Glauben an das Evangelium bekennen.

Der Heilige Vater Benedikt XVI. hat am 23. Juni 2005 in einer Audienz anlässlich der "Jahresversammlung der Union der Hilfswerke für die Orientalischen Kirchen" (ROACO) betont, dass "einige positive Signale, die uns in den letzten Monaten erreichen, unsere Hoffnung stärken, dass der Tag der Wiederversöhnung zwischen den verschiedenen im Heiligen Land lebenden Gemeinschaften bald näherrücken wird; daher hören wir nicht auf, vertrauensvoll zu beten". Diese Verantwortung trägt also die Kirche im Hinblick auf die Mutterkirche von Jerusalem, "gegenüber der alle Christen eine nicht zu vergessende Schuld tragen", so die Worte des Papstes.

2. Bei jeder denkbaren Gelegenheit bekundete der Heilige Vater seine Zuneigung und rief zu Gebeten für Jerusalem und für das ganze Heilige Land auf.

Bei der Generalaudienz am Mittwoch, dem 12. Oktober 2005, kommentierte der Papst den Psalm 121 mit den Worten der Kirchenväter, für die das alte Jerusalem Zeichen der endgültigen universalen Eintracht war. Dabei unterstrich er die besondere ökumenische und interreligiöse Mission der Heiligen Stadt: "Damit wächst die Kirche als wahres Jerusalem, als Stätte des Friedens. Wir wollen aber auch für die Stadt Jerusalem beten, dass sie immer mehr ein Ort der Begegnung zwischen den Religionen und Völkern, dass sie wirklich ein Ort des Friedens sei." Und in der Botschaft "Urbi et Orbi" zu seinem ersten Weihnachtsfest als Papst, flehte er das Kind von Bethlehem an, es "möge den Menschen guten Willens, die im Heiligen Land, in Irak und im Libanon wirken, Mut einflößen; dort fehlen zwar die Zeichen der Hoffnung nicht, warten aber auf Bestätigung durch ein von Aufrichtigkeit und Weisheit bestimmtes Verhalten".

Allen Katholiken der Welt ist es aufgetragen, die christlichen Gemeinschaften im Heiligen Land durch ihr Gebet und ihre konkrete Solidarität zu begleiten. Besonderen Sinn macht daher ein eigenes Hirtenwort, um an die Spendenbereitschaft der Gläubigen zu appellieren.

Ihnen, Ihren engsten Mitarbeitern, allen Priestern, Ordensleuten und Gläubigen, die sich für ein gutes Gelingen der Karfreitagskollekte engagieren, übermittle ich mit Freude die Empfindungen tiefer Wertschätzung von Seiten des Heiligen Vaters Benedikt XVI. zusammen mit meiner persönlichen Dankbarkeit und dem Dank der Kongregation für die Orientalischen Kirchen.

Auf Sie und die Ihnen anvertrauten kirchlichen Gemeinschaften rufe ich den reichen Segen Gottes herab und verbleibe mit vorzüglicher Hochachtung

Ihr im Herrn ergebener

Ignace Moussa Kardinal Daoud
Emeritierter Patriarch von Antiochia, Präfekt

Antonio Maria Vegliò
Sekretär

[Von der Kongregation für die Orientalischen Kirchen zur Verfügung gestellte deutsche Übersetzung]