Historische Begegnung: Benedikt XVI. empfängt erstmals den König von Saudi-Arabien

König Abdallah bin Abdulaziz Al Saud würdigt „positive und arbeitsame Präsenz“ der Christen

| 1202 klicks

ROM, 6. November 2007 (ZENIT.org).- Heute Mittag empfing Papst Benedikt XVI. in einer historischen Audienz den König von Saudi-Arabien, Abdallah bin Abdulaziz Al Saud. Es handelte sich um den ersten Besuch des saudischen Monarchen und Hüters der heiligen Stätten des Islams im Vatikan.



Wie das vatikanische Presseamt mitteilte, fanden die Gespräche in einer „herzlichen Atmosphäre“ statt, die es erlaubte, jene Kernthemen zu besprechen, an denen beiden Seiten gelegen sind. Hauptthemen waren demnach der interreligiöse und interkulturelle Dialog für ein friedliches und fruchtbares Zusammenleben zwischen Menschen und Völkern sowie der Wert der Zusammenarbeit unter Christen, Muslimen und Juden im Hinblick auf die Förderung des Friedens, der Gerechtigkeit sowie der geistlichen und moralischen Werte, mit besonderer Berücksichtigung der Familie. Außerdem kam es zu einem Meinungsaustausch über den Nahen Osten und die Notwendigkeit, eine gerechte Lösung für die Konflikte zu finden, die die Region in Mitleidenschaft ziehen. Insbesondere wurde in diesem Zusammenhang der israelisch-palästinensische Konflikt angesprochen.

Im Königreich Saudi-Arabien gibt es keine Religionsfreiheit. Die öffentliche Praxis nichtislamischer Religionen ist verboten. Der Besuch des Königs in Rom und beim Papst fand in den arabischen Medien große Resonanz. Es wurden insbesondere die Impulse für den Dialog zwischen Moslems und Christen hervorgehoben.

Die herzliche Atmosphäre des Besuchs war beiden Seiten wichtig. Papst Benedikt XVI. ging König Abdallah in der „Sala del Tronetto“ entgegen, und gab dem wahabitischen Souverän beide Hände. Abdallah war mit dem traditionellen Gewand gekleidet: einer blauen Tunica mit einer weißen und goldenen Mantella. Der König überreichte Papst Benedikt XVI. ein mit Edelsteinen bestücktes Goldschwert sowie ein Kunstwerk aus Gold und Silber, das einen Mann mit einem Kamel unter einer Palme darstellt.

Während der Begegnung wurde die „positive und arbeitsame Präsenz“ der Christen im Königreich besonders hervorgehoben. Zum ersten Mal wurde in einer öffentlichen Erklärung zu einem Besuch eines hohen saudiarabischen Vertreters, in diesem Fall des Königs selbst, über die Anwesenheit von Christen in einem Land gesprochen, das offiziell zu 100 Prozent islamisch ist.

In Wirklichkeit halten sich in Saudi-Arabien ungefähr 2,5 Millionen Christen auf. Ihnen ist es verboten, ihre heiligen Bücher oder Bilder, Rosenkränze oder Kruzifixe bei sich zu haben. In Saudi-Arabien gibt es weder Kirchen noch Priester, da laut der offiziellen Version ganz Saudi-Arabien als „eine einzige Moschee“ zu betrachten ist. Mit dieser Begründung wurde bisher sogar der Bau einer Kapelle abgelehnt: Dies käme dem Bau einer Moschee im Vatikan gleich, hieß es von den offiziellen Stellen. Deshalb erklärte der Vatikan in der Vergangenheit Saudi-Arabien zu einem der Länder, in denen die Religionsfreiheit am wenigsten geachtet wird.

Papst Benedikt XVI. hat in der Vergangenheit mehrmals gefordert, dass vor allem in den muslimischen Ländern mehr Toleranz gegenüber religiösen Minderheiten geübt werde. Gerade diese Toleranz ist in Saudi-Arabien nicht zu Hause.