Historisches interreligiöses Arbeitstreffen in Amman

Die Religionen im Dienst des Gemeinwohls

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ROM, 20. Mai 2009 (ZENIT.org).- Das Thema „Religion und Zivilgesellschaft“ stand im Mittelpunkt einer historischen Begegnung, die vom 18. bis zum 20. Mai auf gemeinsame Initiative des Jordanisch-Königlichen Instituts für Interreligiöse Studien („Royal Institute for Inter-Faith Studies“, RIIFS) und des Päpstlichen Rates für den Interreligiösen Dialog in der jordanischen Hauptstadt Amman stattfand.



Wie das Pressebüro des Heiligen Stuhls heute berichtete, wurde die Delegation des RIIFS von Botschafter Hasan Abu Numah angeführt, der zugleich der Vorsitzende des jordanischen Instituts ist. Der Delegation des Vatikans stand Kardinal Jean-Louis Tauran, Präsident des Päpstlichen Rates, vor.

Am Ende ihrer ersten Zusammenkunft verwiesen die Teilnehmer unter anderem auf die integrative Bedeutung der Religionen im gesellschaftlichen Leben, die Notwendigkeit der Werteerziehung (gegenseitiger Respekt) und die verantwortlichen Ausübung von Freiheit hin.

Innerhalb von zwei Jahren soll es ein Folgetreffen in Rom geben, dem ein Vorbereitungstreffen vorausgehen wird, bei dem das Thema und die Modalitäten festgelegt werden.

Wir veröffentlichen eine eigene Übersetzung der gemeinsamen Erklärung über die Punkte, in denen Einigkeit erzielt wurde:

„1. Der Begriff 'Zivilgesellschaft' wurde eingehend besprochen, und die Teilnehmer charakterisierten ihr Wesen als Träger eines offenen Austausches von Erfahrungen und Sichtweisen mit dem Ziel der Förderung des Gemeinwohls. Die Teilnehmer stimmten darin überein, dass die Zivilgesellschaft im Hinblick auf eine gründliche und ganzheitliche Entwicklung des Individuums und der Gemeinschaften von großer Bedeutung ist, und sie erkannten den besonderen und unerlässlichen Beitrag an, den die Zivilgesellschaft als wertvolles Dialogforum im Hinblick auf die verantwortliche Ausübung der Freiheit leisten kann.

2. Die Teilnehmer bekräftigten, dass es wichtig ist, die Jugend in den Werten der gegenseitigen Achtung und der Dialogkultur zu erziehen, Gewalttätigkeit zurückzuweisen und friedliche Koexistenz auf der Grundlage voller Bürgerrechte zu fördern.


3. Sie bekräftigten die Bedeutung, die Demokratie und Rechtsstaatlichkeit in einem Staat haben, der ethnische, kulturelle und religiöse Vielfalt respektiert und Gleichberechtigung unter seinen Bürgern verwirklicht – basierend auf der Achtung vor der menschlichen Würde und der Gewährleistung der grundlegenden Menschenrechte, insbesondere Freiheit und Gerechtigkeit.


4. Religionen haben in der Zivilgesellschaft eine ganz klar umrissene Aufgabe zu spielen, indem sie Beweggründe liefern, damit die Bürger ihren Beitrag zum Gemeinwohl leisten, der im Glauben an Gott wurzelt und über politisches Kalkül und Machtstreben hinausgeht.

5. Die Teilnehmer hoben die Rolle hervor, die den Religionen bei der Stärkung der gesellschaftlichen Beteiligung und des sozialen Zusammenhalts zukommen kann. Dadurch unterstützen sie auf der Grundlage des Subsidiaritätsprinzips ganz konkret den Aufbau eines stabilen und wohlhabenden Staates.“

Von Dominik Hartig