Hl. Birgitta von Schweden: „der Welt die Schönheit einer Ehe zeigen"

Alle Facetten weiblicher Existenz im Leben dieser großen europäischen Heiligen

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ROM, 27. Oktober 2010 (ZENIT.org).- Papst Benedikt XVI. hat bei der Generalaudienz eine weitere mittelalterliche Frauengestalt vorgestellt: die hl. Birgitta von Schweden, von Papst Johannes Paul II. im Jahr 2000 zur Ko-Patronin Europas erklärt. Die Tochter einer adligen Familie lebte alle Spielarten weiblicher Existenz in christlicher Vollkommenheit: Ehefrau, Mutter, Witwe, Ordensgründerin, Mystikerin.Aus ihrer glücklichen Ehe mit Ulf Gudmarsson gingen acht Kinder hervor. Eines davon, Karin, wird ebenso wie die Mutter als Heilige verehrt. Dies zeigt, wie sehr es Brigitta gelang, eine „ Hauskirche" zu formen und ihre Familie auf dem Weg des gelebten Glaubens voranzubringen. Auch ihr Gatte lernte, seinen Charakter zu verbessern und sein christliches Leben zu vervollkommnen.

„Nicht selten, wie auch im Leben der hl. Brigitta und Ulfs, ist es die Frau, die mit ihrer religiösen Sensibilität, mit Zärtlichkeit und Sanftmut den Ehemann auf den Weg des Glaubens bringt. Im Übrigen wurde ihr pädagogisches Wissen so berühmt, dass der König von Schweden, Magnus, sie eine Zeit lang an den Hofe holte, um seine junge Gemahlin, Bianca von Namur, in der schwedischen Kultur zu unterweisen", so der Papst. Zusammen mit ihrem Mann lebte sie dann nach der Regel der Franziskaner-Tertiaren. Großzügig leistete sie Werke der Nächstenliebe und gründet ein Krankenhaus.

„Bei der Rückkehr nach einer langen Pilgerreise nach Santiago di Compostela, auf die sie sich 1341 zusammen mit anderen Familienmitgliedern begeben hatten, reifte bei den Eheleuten das Vorhaben, in Enthaltsamkeit zu leben; kurze Zeit später, im Frieden eines Klosters, in das er sich zurückgezogen hatte, beschloss Ulf sein irdisches Leben. Damit beginnt die zweite Phase ihres Lebens. Sie lehnt eine Wiederverheiratung ab, verteilt ihre Güter an die Armen und beginnt ein Leben des Apostolats, des Gebetes und der Buße. Pilgerreisen führen sie nach Rom, in italienische Heiligtümer und nach Assisi, der Stadt des von ihr hochverehrten Franz v. Assisi, und schließlich ins Heilige Land.

„Schließlich 1371 ging ihr größter Wunsch in Erfüllung: die Reise ins Heilige Land, wohin sie sich in Begleitung einer Gruppe von geistlichen Kindern, die sie „die Freunde Gottes" nannte, begab." Wie alle großen Frauen dieser Zeiten wurde sie Mahnerin der Regierenden und Mächtigen.

Sie richtete „oft sehr strenge Ermahnungen an die Gläubigen ihrer Zeit einschließlich der religiösen und politischen Autoritäten, die sie aufforderte, ihr christliches Leben konsequent zu leben; aber immer machte sie dies in einer Haltung des Respektes und voller Treue zur Lehre der Kirche, besonders zum Nachfolger des Apostels Petrus." Einen dringenden Appell, nach Rom zurückzukehre, richtete sie auch an den Papst, der zu dieser Zeit in Avignon lebte.

Die Rückkehr der Päpste durfte sie allerdings zu Lebzeiten nicht mehr erleben. Sie starb 1373, noch bevor Papst Gregor XI. endlich nach Rom zurückkehrte.

Der Papst hob hervor: „In der großen Tradition des Christentums wurde der Frau in der Tat eine eigene Würde zuerkannt und - nach dem Beispiel Mariens, der Königin der Apostel - ein eigener Platz in der Kirche eingeräumt, der, ohne mit dem geweihten Priestertum gleichgestellt zu sein, eine ebenso wichtige Rolle für das geistliche Wachstum der Gemeinschaft hat".

In dem von ihr gegründeten Orden lebten Ordensfrauen und -männer unter einer einzigen Regel und der Leitung einer Äbtissin. „Dies ist ein Element, dass nicht verwundern darf: Im Mittelalter existierten viele Klostergründungen mit einem männlichen und weiblichen Zweig, aber mit einer Praxis derselben Klosterregel, die der Leitung einer Äbtissin unterstanden."

Ihre Offenbarungen sind von zwei großen Themen geprägt: der Passion Christi und der schmerzvollen Mutterschaft Mariens.

Im Jahre 1391 wurde sie von Papst Benedikt IX. feierlich heilig gesprochen

[JB]