Hl. Juliana von Lüttich, Urheberin des Fronleichnamsfestes

Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt"

Vatikanstadt, (ZENIT.org) | 1132 klicks

Von Jan Bentz

Die weniger bekannte hl. Juliana von Lüttich (oder Cornillon), geboren 1191 oder 1192, gestorben 1258, stand heute als große Gestalt des Mittelalters im Zentrum der Generalaudienz von Papst Benedikt XVI. mit über 12.000 Pilgern. Ihr verdankt die Kirche das Fronleichnamsfest, das jeweils am Donnerstag nach Pfingsten gefeiert wird.

Das früh verwaiste Mädchen wurde nach dem Tod ihrer Eltern im Alter von nur fünf Jahren bei Augustinerinnen aufgenommen. Die lernbegierige Schülerin zeigte eine besondere Vorliebe für Schriften der Kirchenväter, besonders für den hl. Augustinus, den sie auf Lateinisch las. Aber gleichzeitig mit besonderen mystischen Gnaden beschenkt, hatte sie im Alter von 16 Jahren ihre erste Vision.

„In der Vision zeigte sich der Mond in seinem vollen Glanz mit einem dunklen Streifen, der ihn diametral durchzog". Mit Hilfe des Herrn konnte sie dieses Bild deuten:

„Der Mond repräsentierte das Leben der Kirche auf der Erde, die dunkle Linie stand für das Fehlen eines liturgischen Festes". Somit erlangte sie die Gewissheit, dass es ein Fest geben müsse, in dem die Heilige Eucharistie besonders verehrt würde.

Nachdem sie ihre Offenbarungen 20 Jahre lang geheim gehalten hatte, vertraute sie sie den kirchlichen Autoritäten an, die deren Authentizität bestätigten.

„Es war der Bischof von Lüttich selber, Robert von Thourotte, der nach anfänglichem Zögern den Vorschlag Julianas und ihrer zwei Gefährtinnen aufnahm und zum ersten Mal das Fronleichnamsfest in seiner Diözese einsetzte. Später machten es ihm andere Bischöfe nach und setzten das gleiche Fest in den ihren Hirtenherzen anvertrauten Territorien ein."

Wie viele Heilige war sie auch großen Prüfungen ausgesetzt. Der Widerstand gegen sie war so groß, dass sie ihr Kloster verließ und die letzten zehn Jahre ihres Lebens bei Zisterzienserinnen unterkam.

Niemals aber führte dies bei ihr zu Bitterkeit oder Kritik.

„Indem sie alles auf Demut aufbaute, fand sie niemals kritische oder beleidigende Worte für ihre Gegner, sondern fuhr fort, mit Eifer den eucharistischen Kult weiter zu verbreiten."

Papst Urban IV. beauftragte den größten Theologen der Zeit, den hl. Thomas von Aquin,  mit dem Verfassen der Texte für das liturgische Offizium. So entstand der Hymnus „Adoro te devote", der die gesamte Lehre über die Realpräsenz Christi enthält und eine der größten kirchlichen Dichtungen darstellt. Er wird bis zum heutigen Tag in der Kirche gesungen.

[Die deutschsprachigen Pilger grüßte der Papst mit folgenden Worten:]

„Von Herzen grüße ich alle Pilger und Besucher deutscher Sprache; besonders heiße ich heute die internationale Chorgemeinschaft der Franz-Liszt-Gesellschaft Eschweiler willkommen. Die Liebe der hl. Juliana zur Eucharistie hat uns das Fest Fronleichnam geschenkt. Auch wir wollen unseren Glauben an die Gegenwart Christi zum einen natürlich in der Mitfeier, aber gerade auch in der Anbetung der heiligen Eucharistie vollziehen, in der wir tiefer in das Geheimnis Christi hineinwachsen, ihn wirklich empfangen lernen, um so von ihm inwendig geformt zu werden. Die Begegnung mit Christus in der Anbetung soll uns allen Freude schenken und uns immer mehr in den Herrn hinein verwandeln. Gott segne euch alle."

[JB]