Hl. Katharina von Siena

Patronin Italiens und Roms: Mystikerin, Ratgeberin, Kirchenlehrerin

Vatikanstadt, (ZENIT.org) Jan Bentz | 5249 klicks

Rom, 30. April 2012 (ZENIT.org). - Die hl. Katharina von Siena (1347-1380), deren liturgischer Gedenktag gestern gefeiert wurde, ist eine der größten Frauengestalten des Mittelalters. Das Jahrhundert, in dem sie lebte es war das vierzehnte, war eine mühselige Epoche für das Leben der Kirche und im Inneren der Gesellschaften Italiens und Europas. Die als 24. Kind in eine Wollfärberfamilie hineingeborene Mystikerin hat sich unermüdlich für eine innere Reform der Kirche eingesetzt. Eindringlich hat sie Papst Gregor XI. gemahnt, nach Rom zurückzukehren.

In jedem Zeitalter schenke Gott den Menschen Heilige, die Herz und Verstand aufrütteln, so Papst Benedikt XVI. in einer Katechese über diese große Frau und Kirchenlehrerin. (ZENIT berichtete). Wie viele Heilige sei Katharina zu Lebzeiten auch auf Unverständnis und Misstrauen gestoßen und hatte viel zu leiden, was soweit ging, dass sie 1374 vor das Generalkapitel des Dominikanerordens bestellt wurde, wo sie Rede und Antwort stehen musste.

Schon als Kind mit Visionen ausgezeichnet, trat sie im Alter von 16 Jahren nach einer Vision des hl. Dominikus in den Frauenzweig des Drittordens der Dominikaner ein, genannt „die Mantellaten". Bereits als Jugendliche weihte sie ihr Leben ganz allein der Hingabe an ihren himmlischen Bräutigam, der in einer ersten Vision gesagt hatte: „Ich, dein Schöpfer und Erlöser, nehme dich als Braut im Glauben, den du immer bewahren sollst, bis du mit mir im Himmel deine ewige Hochzeit feiern wirst."

Später hatte sie die Vision des Austauschs der Herzen: Jesus nahm ihr das Herz aus der Brust und gab ihr seins. Somit wurde in ihr das Pauluswort konkrete Wirklichkeit: „Nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir" (Gal 2,20). Auch Katharina gehöre zu der Schar eucharistischer Heiliger, hob Benedikt XVI. hervor.

In dieser außergewöhnlichen Episode erfasst man das lebendige Zentrum der Religiosität Katharinas und jeder authentischen Spiritualität: die „Christozentrik." In dieser tiefen Einheit mit Christus wurde sie fähig, zu den Menschen zu gehen, ihnen zu dienen und Frieden zu stiften. Ein anderer Aspekt der Spiritualität Katharinas ist mit der Gabe der Tränen verbunden. Tränen drücken eine edle und tiefe Sensibilität aus, eine Fähigkeit zur Ergriffenheit und zur Zärtlichkeit. Nicht wenige Heilige hatten die Gabe der Tränen.

Um eine solch starke und authentische Persönlichkeit bildete sich auch eine eigene wahre und geistliche Familie. Es handelte sich um Personen, die von dem moralischen Ansehen dieser jungen Frau von höchstem Lebensniveau fasziniert und auch von den mystischen Phänomenen wie den häufigen Ekstasen beeindruckt waren, die ihr halfen. Viele stellten sich in ihren Dienst und empfanden es darüber hinaus als Privileg, von Katharina geistlich geleitet zu werden. Sie nannten sie „Mama", weil sie als ihre geistlichen Kinder von ihr die geistliche Nahrung erhielten.

Als sich der Ruf ihrer Heiligkeit weiter ausbreitete, entwickelte sie eine intensive Tätigkeit als spirituelle Ratgeberin für Menschen aller Art: Adlige und Politiker, Künstler und Menschen aus dem Volk, geweihte Personen, Geistliche einschließlich Papst Gregor XI., der zu dieser Zeit in Avignon residierte. Katharina ermahnte ihn energisch und eindringlich, nach Rom zurückzukehren. Trotz ihres Wissens um die menschlichen Schwächen der Priester empfand sie für sie immer die größte Verehrung: Sie spenden durch die Sakramente und das Wort die erlösende Kraft des Blutes Christi. Die Heilige aus Siena hat immer die heiligen Amtsträger, auch den Papst, dazu eingeladen, den sie „süßer Christus auf Erden nannte", treu zu ihrer Verantwortung zu stehen, die sich immer und ausschließlich in einer tiefen und standhaften Liebe zur Kirche zeige.

Sie reiste viel, um auf eine innere Reform der Kirche hinzuwirken und den Frieden zwischen den Ländern zu fördern. Auch aus diesem Grund wollte der sel. Johannes Paul II. sie zur Ko-Patronin Europas erklären: damit der alte Kontinent niemals seine christlichen Wurzeln vergesse, die seinem Weg zugrunde liegen.

Katharina las mühsam und lernte erst als Erwachsene schreiben. Dennoch sind die Werke „Dialog der göttlichen Vorsehung" oder das „Buch der göttlichen Lehre" Meisterwerke der geistlichen Literatur, ebenso wie ihre Sammlung von 380 Briefen und eine Sammlung von Gebeten. Ihre Lehre ist so fruchtbar, dass sie von Paul VI. im Jahr 1970 zur Kirchenlehrerin erhoben wurde.

Katharina starb im Alter von nur 33 Jahren bereits im Ruf der Heiligkeit. Sie hatte sich als Wohltäterin vor allem für die Kranken, als Ratgeberin und als Missionarin in einem verzehrenden Dienst aufgeopfert.

Sie wurde 1461 heiliggesprochen und 1939 zur Schutzpatronin Italiens erklärt. 1999 erhob Papst Johannes Paul II. sie zur Ko-Patronin Europas, neben der hl. Brigitta von Schweden und der hl. Teresia Benedicta vom Kreuz (Edith Stein).

Ihr Grab liegt in der römischen Kirche „Santa Maria sopra Minerva“, wo sie unter dem Hochaltar bestattet wurde. Ihr Haupt wurde nach Siena gebracht und befindet sich in der Basilika San Domenico.[jb]