Hoffnungsschimmer für Kubas Christen

Interview mit Castros Botschafter beim Heiligen Stuhl

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Michaela Koller

ROM, 11. Februar 2010 (ZENIT.org).- Der Botschafter Kubas beim Heiligen Stuhl, Eduardo Delgado Bermúdez, hat in einem Gespräch mit ZENIT Hoffnungen auf Religionsfreiheit in seinem Land geweckt. Die Regierung unter Staatschef Raúl Castro sei bereit, sich mit einer "wachsenden Zahl konkreter Zeichen der Offenheit" zu bewegen, sagte der Diplomat. Papst Benedikt XVI. hatte im vergangenen Dezember anlässlich Bermúdez' Akkreditierung eine Öffnung eingefordert.

„Sie fragen mich, ob die Hoffnung des Papstes erfüllt werde. Ich kann das kategorisch bejahen, dass die Regierung Kubas bereit ist, sich vorwärts zu bewegen wie Seine Heiligkeit es ausgedrückt hat. Ich sagte dies auch in meiner Ansprache, die keine persönliche war, sondern im Namen der kubanischen Regierung gehalten und von dieser bewilligt wurde", sagte der Botschafter in dem Interview.

Eines dieser konkreten Zeichen der Offenheit könne eine größere Präsenz der Kirche in den Medien sein. Bei Besuchen von hochrangigen Vatikan-Vertretern in der Vergangenheit, wie des Kardinalstaatssekretärs Tarcisio Bertone sowie des Präsidenten des Päpstlichen Rates für die Sozialen Kommunikationsmittel, Erzbischof Claudio Celli, haben diese eine größere Präsenz angemahnt.

Die katholische Kirche habe inzwischen einen Zugang zur Presse, ebenso wie es mittlerweile Weihnachtsfeiertage gebe und zahllose religiöse Prozessionen gesetzlich ermöglicht worden seien.

Derzeit haben dem Botschafter zufolge katholische Bischöfe Zugang zu den nationalen, staatseigenen Medien, den ihnen die Regierung ermöglicht hat. Auf diese Weise haben bereits öffentliche Gespräche zwischen Vertretern der Ortskirche und der kubanischen Regierung stattgefunden. „Es werden weitere Möglichkeiten für einen häufigeren Zugang eröffnet. Das ist positiv", sagte der Diplomat.

Generell seien die Beziehungen zwischen Kuba und dem Heiligen Stuhl zunehmend positiv, die 2010 bereits seit 75 Jahren bestehen. Delgado Bermúdez meinte, dass heutzutage alle Themen zwischen der Kirche und Kuba diskutiert werden könnten, in einer Atmosphäre des Respekts und eines positiven und konstruktiven Austausches. Es gebe derzeit kein Thema, dass Grund für eine Auseinandersetzung liefere. „Das ist für mich die wichtigste Errungenschaft."

Der Botschafter bezeichnete auch die Vorbereitung auf die Errichtung eines Seminars in der kubanischen Hauptstadt Havanna als „Zeichen sich bessernder Beziehungen", ebenso wie die Rückgabe von Immobilien an die Kirche und die Restaurierung weiterer Gebäude. „Wir haben viel gemeinsam mit der Kirche, die eine positive Rolle spielen kann", sagte Bermúdez. Er hob dabei die Bedeutung, Geschwindigkeit und Effizienz der kirchlichen Katastrophenhilfe hervor, etwa bei Zyklonen. „Ich meine, das muss zu den besten Ergebnissen gerechnet werden."

In der kubanischen Verfassung wird zwar die Religionsfreiheit garantiert, jedoch sehen sich Menschenrechtsorganisationen wie die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte in Frankfurt weiterhin gezwungen, diese einzufordern. Beobachter der kirchlichen Entwicklung bestätigen aber, dass sich seit dem Amtsantritt von Raúl Castro immerhin eine Beziehung zur Kirche entwickelt habe, in der Katholiken und andere Christen nicht gleich als Staatsfeinde angesehen werden.

[Silvia Gattas hat zu diesem Bericht beigetragen.]