Hollywoods moralischer Relativismus: Homo-Ehe, für Abtreibung und die Liberalisierung von Drogen

Millionen Anhänger im Internet

Rom, (ZENIT.org) | 763 klicks

Die europäische Organisation Jugend für das Leben hat sich kritisch mit den Kampagnen von Hollywood-Stars zugunsten der "Homo-Ehe"auseinandergesetzt. Es heißt:

Die R&B-Sängerin Beyoncé verkaufte weltweit über 75 Millionen Platten. Mit 16 Grammy-Auszeichnungen, den Oscars der Musikbranche, gehört Beyoncé zu den erfolgreichsten Künstlern der schnelllebigen Musikwelt. Sie füllt ganze Stadien mit jungen Menschen, aber auch die Klatschseiten des Boulevards. Denn die Sängerin äußerte sich in der Vergangenheit immer wieder zu politischen und gesellschaftlichen Themen: So rief sie zuletzt nicht nur ihre Fans auf, die Vereinten Nationen bei ihrem Kampf gegen den wachsenden Hunger in der Sahelzone zu unterstützen, sondern trommelte auch im amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf im letzten Jahr unablässig für die Wiederwahl des amtierenden Präsidenten Barack Obama. Mit Erfolg.

Jetzt sorgte die verheiratete Schauspielerin erneut für Schlagzeilen. „Es ist Zeit! Gleichheit!“, ließ Beyoncé vergangene Woche zum Auftakt der Verhandlungen über die Homo-„Ehe“ am Obersten Gerichtshof in Washington via Facebook verlautbaren. Wenig später veröffentlichte sie ein Foto, mit dem sich die Sängerin für die Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare einsetzt: Auf einem roten Zettel steht die handschriftliche Notiz „If you like it, then you should be able to put a ring on it“ (wörtlich: Wenn dir etwas gefällt, dann sollte man fähig sein, ihm einen Ring aufzusetzen). Die Botschaft der Sängerin, die 44 Millionen Facebook-Nutzer weltweit lesen konnten, ist eindeutig: Die Ehe soll nicht länger exklusiv auf Beziehungen zwischen Männern und Frauen beschränkt sein. Über 40 000 Mal wird ihr Foto „geteilt“ und von Nutzer zu Nutzer weitergereicht. 44 Millionen Menschen wollen wissen, was Beyoncé denkt und sagte, eine gewaltige Menschenmasse.

Derzeit läuft in den sozialen Netzwerken eine virale Kampagne für die Homo-„Ehe“. Viral deshalb, weil Nutzer selbstständig die Botschaft über die sozialen Netzwerke verbreiten. Über 100 000 Menschen sollen nach Angaben der Bürgerrechtsorganisation „Human Rights Campaign“ bereits kurz nach dem Start der Kampagne am vergangenen Dienstag das eigene Profilbild für ein Logo der Bürgerrechtsbewegung ausgetauscht haben – ein mathematisches „Gleich“-Zeichen auf rotem Grund. Mit dem Logo wollen sie für die gleichen Rechte von Schwulen und Lesben protestieren. Mittlerweile dürfte die Zahl gewaltig gestiegen sein. Bemerkenswert dabei: Selbst deutsche Facebook-Nutzer solidarisierten sich mit dem US-Protest und tauschten ihr Profilbild aus. Dass die Kampagne international schnell an Fahrt gewonnen hat, liegt auch an Stars wie Beyoncé. Sie hatten das Logo beworben und auf die Kampagne hingewiesen. Nationale Grenzen stellen für die Botschaften im Internet keine Hürde da. Der Protest für die Homo-„Ehe“ in den USA schwappt bis nach Europa.

Die Sängerin, die auf Facebook populärer als der wohl mächtigste Mann der Welt, US-Präsident Barack Obama (35 Millionen Nutzer haben bei Obama den „Gefällt mir“-Button angeclickt und können damit die Beiträge des Präsidenten lesen) ist, ist längst nicht der einzige Promi, der sich für auf katholischer Perspektive äußerst fragwürdigen gesellschaftspolitische Reformen wie die Homo-„Ehe“, Abtreibung oder die Legalisierung von Drogen einsetzt. Laut der „Huffington Post“ hatten sich unter anderem zahlreiche Schauspieler wie Patrick Stewart („Star Trek“) oder Ben Affleck („Argo“) über den Kurznachrichtendienst Twitter für die Gleichbehandlung homosexueller Paare ausgesprochen. Bekannte Sportler wie der Basketball-Star Steve Nash, der für die Los Angelos Lakers Körbe erzielt und 2012 zum achten Mal in die Riege der Allstars der „National Basketball Association“ (NBA) gewählt wurde, gehören ebenso zu den Befürwortern wie musikalische Größen wie Madonna, Ricky Martin oder der Rapper Jay Z. Der Ehemann von Beyoncé hatte bereits im Mai 2012 gegenüber dem Nachrichtensender CNN Stellung bezogen: Jeder könne selbst entscheiden, wen er lieben wolle. „Das ist ihre Angelegenheit“, sagte Jay Z in einem Interview. Homosexuellen Partnerschaften die Ehe zu verweigern, sei ebenso Diskriminierung wie die Diskriminierung Schwarzer.

Dank unablässiger Stimmungsmache vieler Show-Biz-Größen aus der glitzernden Hollywoodwelt bestimmen die Befürworter der Homo-„Ehe“ die mediale Diskussion. Und sie erhöhen den Druck auf den US-Supreme Court, der derzeit in zwei Fällen über die Rechte schwuler und lesbischer Paare entscheiden soll. Die neun Richter des Obersten Gerichtshofs in Washington urteilen zum einen über den kalifornischen Verfassungszusatz „Proposition 8“: Nachdem ein Gericht in Kalifornien die verschiedengeschlechtliche Definition der Ehe gekippt hatte, sprach sich bei einem Volksentscheid im November 2008 eine knappe Mehrheit der Kalifornier, nämlich 52 Prozent, dafür aus, dass die Ehe nur einem Mann und einer Frau vorbehalten sein sollte. Genau dieser Volksentscheid, der nach der Legalisierung für einige Monate zu einem erneuten Verbot der Homo-„Ehe“ im bevölkerungsreichen Westküstenstaat führte, steht jetzt auf dem Prüfstand.

In einem zweiten Fall urteilen die Richter über den 1996 unter dem demokratischen Präsidentin Bill Clinton eingeführten „Defense of Marriage Act“ (DOMA). DOMA untersagt Bundesstellen, Partnern in Homo-„Ehen“ die gleichen Vorteile zu gewähren wie Partnern in traditionellen Ehen. Dazu gehören finanzielle Privilegien etwa durch die Zusammenlegung der Steuererklärung oder einer gemeinsamen Krankenversicherung. Geklagt hatte die 83-jährige Edith Windsor aus New York. Windsor erbte nach dem Tod ihrer Partnerin ein beträchtliches Vermögen, musste darauf aber höhere Erbschaftssteuern zahlen als Partner in traditionellen Ehen. Die Bundesbehörden hatten die Eheschließung in Kanada wegen DOMA nicht anerkannt.

Gerade das Urteil im Fall „Proposition 8“ könnte Signalwirkung haben. Kippt der Supreme Court das Verbot in Kalifornien, könnte dies auch zu Klagen in anderen Bundesstaaten führen. Denn in rund 30 der 50 US-Bundesstaaten ist die Ehe per Gesetz als Bund zwischen Mann und Frau definiert und damit die Homo-„Ehe“ verboten. In zahlreichen weiteren Bundesstaaten gibt es Kompromisslösungen wie die „civil union“, die der deutschen eingetragenen Lebenspartnerschaft gleicht, oder die „domestic partnership“ (häusliche Partnerschaft). Die renommierte New York Times stellt fest, dass sich die Gesetzeslage, die die traditionelle Ehe schützt, nicht mit dem sich veränderten gesellschaftlichen Meinungsbild deckt. Allen Umfragen aus dem Jahr 2013 zufolge wünscht sich eine Mehrheit der Amerikaner die Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare. In der aktuellste Umfrage des Nachrichtensenders „CBS News“ (Ende März) sprechen sich 53 Prozent für die Homo-„Ehe“ aus. 39 Prozent sind dagegen.

Die Vereinigten Staaten sind dabei nicht nur geografisch gespalten – so lehnen besonders die Staaten im Mittleren Westen die Öffnung der Ehe klar ab –, sondern auch unter den Generationen. Der CBS-Umfrage zufolge wünschen sich drei von vier jungen Amerikanern im Alter von 18 bis 29 Jahren gleiche Rechte für homosexuelle Paare. Bei den über 65-Jährigen sind es nur 35 Prozent. Inwieweit dabei Stars die Meinung der jungen Leute beeinflussen, lässt sich freilich nicht genau beziffern.

Gegen den moralischen Relativismus der Stars und der hedonistischen Glitzerwelt Hollywoods kommt die katholische Kirche nur schwer an. Für sie ist es trotz guter Argumente schwieriger geworden, ihr „Nein“ zur Homo-„Ehe“ zu verteidigen. Der New Yorker Kardinal Timothy Dolan unterstrich in einem am Ostersonntag vom Nachrichtensender ABC ausgestrahlten Interview, dass die Ehe ein von Gott gewollter Bund zwischen Mann und Frau sei. Zugleich ging der US-Kardinal in bemerkenswerter Weise auf homosexuelle Menschen zu. Dolan warnte entschieden davor, gleichgeschlechtliche Paare zu diskriminieren. „Wir müssen die Ehe stärker verteidigen; das darf allerdings nicht auf einen Angriff gegen gleichgeschlechtliche Paare reduziert werden“, sagte Dolan. Die Kirche sei in der Vergangenheit gerade beim Umgang mit Schwulen und Lesben nicht sonderlich gut gewesen.

Hollywood-Stars äußern sich aber nicht nur bei der Homo-„Ehe“, sondern auch bei einem anderen Streitthema, das die amerikanische Gesellschaft spaltet: Abtreibung. Schauspieler wie Meryl Streep, Kevin Bacon, Lisa Kudrow oder Sarah Silverman – alle waren bereits im deutschen Fernsehen zu sehen – sind derzeit in einem Spot für eine Kampagne des „Center for Reproductive Rights“ zu sehen. Jeden Tag verabschiedeten die Gegner von Abtreibung Gesetze, die Frauen das fundamentale Recht auf Abtreibung rauben, behauptet Streep in dem Werbefilm, der zur Unterstützung einer Petition an den US-Kongress aufruft. Das „Center for Reproductive Rights“ setzt sich US-weit für den freien und legalen Zugang zu Kontrazeptiva und Abtreibung als fundamentales Frauenrecht ein. Die Organisation kritisierte auch das jüngste Anti-Abtreibungsgesetz im Bundesstaat North Dakota (DT, 28. März), das Abtreibung ab etwa der sechsten Woche, dem Zeitpunkt, an dem das Herz des Fötus selbstständig zu schlagen beginnt, verbietet. Das Gesetz sei ein Akt „extremer Feindlichkeit“ gegenüber den Rechten der Frau.

Dass sich Hollywood-Größen für Frauenrechte und damit für Abtreibung stark machen, hat eine lange Tradition: Die Schauspielerinnen Scarlet Johansson oder Gwyneth Paltrow warben 2011 für die angeblichen Gesundheitsvorsorgeleistungen der Abtreibungsorganisation Planned Parenthood. Lebensschützer aus den USA riefen zu einem Boykott dieser Schauspieler auf und wiesen damals darauf hin, dass Planed Parenthood derartige Leistungen gar nicht anbieten würde. Und als 2004 die „National Organization for Women“ zu einem Marsch aufrief, mit dem rücksichtslos und einseitig ein angebliches Recht der Frau auf Abtreibung propagiert wurde, waren die Stars aus Hollywood stark vertreten: Whoopi Goldberg, Susan Sarandon, Kirstin Dunst, Demi Moore, Sharon Stone und Charlize Theron sind nur einige auf einer langen Liste von Unterstützern dieser „Kultur des Todes“.