Homosexualität in der Bibel

Interview mit den Autoren eines bibelexegetischen Werkes

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ROM, 23. Februar 2007 (ZENIT.org).- In einem vor kurzem veröffentlichten Buch ziehen ein evangelischer und zwei katholische Bibelexegeten einen eindeutigen Schluss: Die Bibel lehrt unmissverständlich, dass homosexuelle Praktiken sündhaft sind.



Die drei Autoren des Buchs „Klarstellungen über Homosexualität in der Bibel“ („Clarifications sur l'Homosexualité dans la Bible“) sind Dominikanerpater Adrian Schenker vom Institut „Johannes Paul II.“, P. Jean-Baptiste Edart von der „Gemeinschaft Emmanuel“ und der evangelische Pastor Innocent Himbaza von der Schweizer Universität Fribourg.

ZENIT: Wie kamen Sie auf die Idee, ein solches Buch zu schreiben?

-- Pastor Himbaza: Das Thema der Homosexualität wird in einer ganzen Reihe von Publikationen erwähnt, die auf die Bibel Bezug nehmen. Ich muss dazu sagen, dass ich diese Veröffentlichungen genau untersuche, weil ich mich vor allem für die Art und Weise interessiere, in denen gesellschaftliche Probleme und biblische Aussagen miteinander in Verbindung gebracht werden.

Jedenfalls stellte ich dabei fest, dass beim Thema Homosexualität die biblische Aussageabsicht oft von den persönlichen Meinungen der Autoren überlagert wird. Ich habe den Eindruck, dass die Intention der Bibel in einigen Fällen aus Voreingenommenheit gewaltsam verbogen wird. Und von diesen persönlichen Meinungen lassen sich dann die Leser, darunter auch Theologen, beeinflussen.

Das ist der Grund, warum ich – um die Auseinandersetzung auf eine breitere Basis zu stellen – zunächst Adrian Schenker den Vorschlag machte, sich mit mir zusammen die biblischen Texte vorzunehmen und sie „voll Ehrfurcht“ (vgl. Vorwort zu Dei verbum) nochmals zu lesen. Da wir beide Alttestamentler sind, dachten wir, es könnte interessant sein, einen Neutestamentler hinzuzuziehen, um so die ganze Bibel zu erfassen.

Also kontaktierte Pater Schenker Jean-Baptiste Edart, der gerne bereit war, an diesem Projekt mitzuarbeiten. Unser Ziel war es, uns auf die Bibel zu beschränken und darauf zu schauen, was sie wirklich über die Homosexualität sagt.

-- Pater Schenker: Ich hatte bei mehreren Gelegenheiten ein wenig Zeit, mich mit dem Problem der Homosexualität zu befassen, das sich den christlichen Kirchen stellt. Es waren persönliche Kontakte und Publikationen, die mir zeigten, dass die biblischen Fakten oft nicht mit der nötigen Seriosität behandelt werden.

Deswegen stimmte ich zu, als Innocent Himbaza, der die Idee zu diesem Buch hatte, mich zur Mitarbeit einlud. Denn man muss dem gerecht werden, was tatsächlich in der Bibel steht, auch wenn das Thema natürlich auch andere Aspekte hat als die biblischen.

ZENIT: Könnten Sie kurz etwas über den Inhalt Ihres Buchs sagen?

-- P. Edart: Vor allem muss man zuallererst den genauen Wortsinn des biblischen Textes über das Thema Homosexualität klären. Dazu analysierten wir die biblischen Texte mit Hilfe der Methoden der modernen Bibelanalyse, ohne auf die je eigene Interpretationstradition der christlichen Konfessionen zurückzugreifen.

Pater Schenker befasste sich in dem Buch mit den Gesetzestexten in Levitikus 18,22 und 20,13, indem er dabei zunächst einmal seine eigene Auffassung über die Berechtigung des biblischen Textes, was das eindeutig zum Ausdruck gebrachte Verbot der Homosexualität angeht, hinterfragt. Pastor Himbaza behandelt die Berichte des Alten Testaments über Sodom und Gomorrha (Gen 19), die Schandtat von Gibea (Richter 19) und die Beziehung zwischen Jonathan und David (1 Sam 18,21 und 2 Sam 1). Er untersucht, was für eine Stellung die Homosexualität in diesen Texten einnimmt oder einnehmen könnte.

Ich befasste mich mit den Texten des heiligen Paulus, die von diesem Thema handeln (Röm 1,8-32; 1 Tim 1,10 und 1 Kor 6,9), indem ich die Bedeutung bestimmter schwieriger, rätselhafter Stellen im Einzelnen zu bestimmen und zu verstehen versuche, warum Paulus im Römerbrief den Götzendienst mit der Homosexualität in Verbindung bringt. Am Schluss versuche ich mir ein Bild darüber zu verschaffen, inwieweit die vier Evangelien diese Thematik ansprechen.

ZENIT: Das Buch wurde von zwei Katholiken und einem Protestanten geschrieben. Glauben Sie, dass es dazu wird beitragen können, die Ökumene voranzubringen?

-- Pastor Imbaza: Dieses Buch hat zwar nicht die Ökumene zum Thema, aber es kann die Leser daran erinnern, dass Katholiken und Protestanten in der Tat wieder zum gemeinsamen Gespräch über dieselbe, immer gleich bleibende Bibel zusammenkommen können. Es zeigt, dass Initiativen zu verschiedensten Themen möglich sind und dass sie in ökumenischem Rahmen ins Auge gefasst werden können.

-- P. Edart: Dieses Buch ist in sich eine ökumenische Arbeit. Jeder Autor ist zwar nur für seinen eigenen Teil verantwortlich, aber wir haben uns während der Arbeit gegenseitig sehr intensiv zugehört. Dies mündete dann in eine gegenseitige Korrektur der einzelnen Arbeiten, nicht nur, was die Form angeht, sondern manchmal auch hinsichtlich des geistigen Hintergrunds.

Wir haben uns besondere Mühe gegeben, jeden Interpretationsversuch zu vermeiden, der über das, was wörtlich dasteht, hinausgeht; über das, was ja schon Wort Gottes ist, wie in der Konstitution Dei verbum unterstrichen wird.

So machten wir die Erfahrung eines gemeinsamen Lesens der Schriften möglich. Wir hoffen sehr, dass dieses Buch den Christen der verschiedenen Konfessionen helfen wird, über ein besonders heikles und wichtiges Thema ins Gespräch zu kommen.

ZENIT: Wie lautet die Botschaft Ihres Werks?

-- Pastor Imbaza: Wenn man die biblischen Texte, die sich auf das Thema der Homosexualität beziehen, in ihrem jeweiligen Kontext liest, kommt man nicht umhin zu erkennen, dass die Einstellung der Bibel sich eindeutig gegen homosexuelle Praktiken richtet. Die rechte Lektüre des Alten und des Neuen Testamentes kommt um diese Tatsache nicht herum.

Im Gegensatz zu gewissen Publikationen sind wir davon überzeugt, dass man sich auf die oben erwähnten Passagen, von denen in diesen Publikationen behauptet wird, dass sie auf ein aktives homosexuelles Leben hinweisen würden (Jonathan und David, Jesus und der Lieblingsjünger usw.), in keiner Weise berufen kann.