Homosexuelle Aktivisten verstärken Druck, um Eherechte zu erlangen

Kämpfe toben um Prozesse, die eine grundlegende Institution umdefinieren sollen

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BOSTON, Massachusetts, den 15. MÄRZ, 2003 (ZENIT.org).- Verfechter homosexueller Rechte lassen nicht nach, auf eine gesetzliche Parität zwischen der heterosexuellen Ehe und gleichgeschlechtlichen Vereinigungen zu dringen. In den Vereinigten Staaten wurden am Anfang dieses Monats im Staat Massachusetts Gerichtsverfahren über dieses Thema eingeleitet.



Eine Rechtsanwältin, die sieben gleichgeschlechtliche Paare vertritt, hofft, dass Massachusetts der erste Staat im Land sein wird, der eine ‚Ehe’ zwischen gleichgeschlechtlichen Partnern genehmigt, berichtete der “Boston Globe” am 5. März. Während des ersten Tages der Anhörungen erklärte Anwältin Mary Bonauto vor dem Gericht: “Der Ausschluss der Kläger von der Ehe ... verletzt das grundlegende Recht, das diese Kläger zusammen mit allen anderen in diesem Staat genießen.”

Der Prozess in Massachusetts ist kein isoliertes Ereignis. Der “Globe” bemerkte am 10. März in einem Bericht, dass zurzeit fünf Staaten über Gesetzentwürfe debattieren, die in verschiedenen Formen eine rechtliche Anerkennung gleichgeschlechtlicher Paare beantragen. Und in New Jersey läuft ein ähnliches Verfahren wie in Massachusetts.

Hinter diesen Aktivitäten steht eine minutiös geplante Offensive auf nationaler Ebene, die zum Ziel hat, die Rechte Homosexueller auszuweiten, hieß es im “Globe”. Der erste Schritt bestehe darin, die gleichen gesetzlichen Rechtsansprüche durchzusetzen, die heterosexuelle Paare besitzen. Der zweite Schritt solle dann darin bestehen, das US-Bundesgesetz zum Schutz der Ehe aus dem Jahr 1996 anzufechten, das besagt, dass eine Ehe nur zwischen einem einzelnen Mann und einer einzelnen Frau bestehen kann, und das es einem Staat erlaubt sich zu weigern, eine homosexuelle Partnerschaft anzuerkennen, die in einem anderen Staat anerkannt wird.

Eine Pressemitteilung des Vorsitzenden des ‚Family Research Council,‘ Ken Connor, bemerkt dazu, dass, während homosexuelle Aktivisten in Massachusetts öffentliche Unterstützung für ihren Fall beanspruchten, es die Legislative dieses Staates versäumt habe, Gesetze zu Gunsten heterosexueller Vereinigungen zu verabschieden. Und gerade erst im letzten Jahr hätten mehr als 60 Prozent der Bevölkerung von Massachusetts einen Gesetzesantrag für das Verbot einer homosexuellen ‚Ehe‘ unterstützt.

In anderen Ländern haben homosexuelle Aktivisten politischen Erfolg gehabt. Im Januar erkannte Belgien offiziell ‚Ehen‘ zwischen Homosexuellen mit einer beträchtlichen Mehrheit von 91 zu 22 Stimmen im Unterhaus des nationalen Parlaments an, berichtete die “Associated Press” am 31. Januar. Die Maßnahme war schon vom Senat gebilligt worden. Belgien trat damit in die Fußstapfen der Niederlande, welche diesen Schritt vor zwei Jahren getan hatten. Aber, im Gegensatz zu den holländischen Parlamentariern, stimmten die belgischen Gesetzgeber nicht für ein Adoptionsrecht für gleichgeschlechtliche Paare.

In der Schweiz stimmte im vergangenen Jahr der Kanton Zürich für eine zivile Registrierung gleichgeschlechtlicher Paare, wie die “Associated Press” am 22. September des vergangenen Jahres berichtete. Die Wähler in dem volkreichsten Kanton des Landes stimmten mit 63 zu 37 Prozent der Stimmen zu Gunsten des Antrags, dass gleichgeschlechtlichen Paaren Rechte zugestanden werden, die früher Ehepaaren vorbehalten waren. Sie werden jetzt die gleichen Steuer-, Erbschafts- und Sozialversicherungsvorteile haben wie Ehepaare.

Und in Schweden gab Außenministerin Anna Lindh vor kurzem öffentlich bekannt, dass sie möchte, dass schwedische Botschaften gleichgeschlechtliche Paare registrieren. Von Schwedens ungefähr 100 Botschaften sind 21 ermächtigt, Männer und Frauen zu trauen, wenn ein Partner schwedischer Bürger ist, schrieb “Reuters” am 7. März. Jetzt will die Regierung, dass diese Botschaften ihre Vollmacht auf homosexuelle Vereinigungen ausdehnen.

Schweden erlaubt gleichgeschlechtliche Vereinigungen in der Form von “registrierten Partnerschaften”, durch die sie die gleichen gesetzlichen Rechtsansprüche wie verheiratete Heterosexuelle haben. “Sobald wir feststellen, dass ein Land die Registrierung von Partnerschaften akzeptiert, werden wir beginnen, unsere Staatsbeamten an diesen Botschaften zu autorisieren, sagte Frau Lindh. Frankreich, Israel und Portugal seien wahrscheinliche Spitzenreiter, fügte sie hinzu.

Kanadische Überlegungen

In Kanada informiert sich ein Parlamentsausschuss über verschiedene Anträge , welche die Gewährung der gesetzlichen Anerkennung gleichgeschlechtlicher Vereinigungen betreffen. Justizminister Martin Cauchon hat ein Diskussionspapier vorgelegt, das vier Optionen skizziert, berichtete der “Globe and Mail” am 7. November.

Die vier Optionen sind:
· die Definition der Ehe zu modifizieren, damit sie gleichgeschlechtliche Paare mit umfasst;
· die föderative Regierung jeglicher administrativen Rolle bei der ‚Eheschließung’ zu entheben und die Verantwortung kirchlichen Behörden zu übertragen;
· föderative zivile Vereinigungen zu schaffen;
· oder den Status-quo beizubehalten.

Zu diesem Schritt kam es, nachdem Gerichte in einigen Provinzen sich zu diesem Thema eingeschaltet hatten, wobei die Stellungnahmen auseinander gingen. Ein Gericht in British Columbia bestätigte in seiner Entscheidung, dass es sich bei der Ehe um die Vereinigung von Menschen verschiedenen Geschlechts handelt, aber die Gerichte in Ontario und Quebec entschieden, dass diese Norm diskriminierend sei. Die zuletzt genannten Gerichte stellten jedoch die Rechtswirksamkeit ihrer Entscheidungen für zwei Jahre zurück, um es dem Parlament zu ermöglichen, sich mit dem Thema auseinander zu setzen.

Die Anhörungen sind vor dem ständigen Ausschuss für Gerechtigkeit und Menschenrechte des House of Commons im Gange. Homosexuelle Gruppen haben versprochen, dass sie die Kirchen nicht unter Druck setzen würden, gleichgeschlechtliche Paare zu trauen, wenn die Regierung die gesetzliche Anerkennung für solche Vereinigungen gewährt, berichtete die “National Post” am 5. Februar.

Vor dem Ausschuss bekundeten die Führer der ‚Ontario-Menschenrechts-Kommission‘ und der Gruppe ‚Equality for Gays and Lesbians Everywhere‘ (Gleichheit für Schwule und Lesbierinnen überall), dass sie auch dann ein neues Ehegesetz unterstützen würden, wenn es eine Klausel enthielte, die es den Kirchen ermöglichen würde, sich zu weigern Trauungszeremonien (für Homosexuelle) abzuhalten.

Zur Verteidigung der Ehe

Am 13. Februar hat die kanadische katholische Bischofskonferenz dem Parlamentsausschuss eine Vorlage unterbreitet. Zu Beginn dieses Dokuments weisen die Bischöfe auf die ausgedehnte Erfahrung der Kirche in Eheangelegenheiten hin. Katholische Geistliche in Kanada nehmen über 35.000 Trauungen pro Jahr vor und sind zusammen mit Laien an Ehevorbereitungs- und Eheweiterbildungskursen und auch an Eheberatungen beteiligt, so die Bischöfe.

In der Vorlage heißt es wörtlich: “Die Ehe beruht auf anthropologischen Voraussetzungen, die im personalen Sein von Mann und Frau fest begründet und tief verwurzelt sind.” Ein Teil dieser Voraussetzungen beinhaltet “die Tatsache, dass die beiden Geschlechter einander ergänzen und wechselseitig aufeinander bezogen sind, und die Liebe für den anderen, der sexuell verschieden und ergänzend ist.”

Die Bischöfe fahren fort: “Die Tatsache, dass die Menschen als Mann und Frau geschaffen sind und die Existenz der schöpferischen (neues Leben schaffenden) Kraft, die aus dieser Realität herrührt, unterscheiden heterosexuelle Ehepaare von gleichgeschlechtlichen Partnern”.

Die heterosexuelle Ehe schafft auch die besten Voraussetzungen für die psychologische und emotionale Stabilität, die zum Aufziehen der Kinder nötig ist, heißt es in dem Dokument weiter.

Die Vorlage räumt ein, dass die traditionelle Rolle der Ehe auf vielfältige Weise in Frage gestellt wird. Neue Technologien gestatten es gleichgeschlechtlichen Vereinigungen, Kinder zu haben, eine wachsende Zahl von Menschen lebt in eheähnlichen Vereinigungen und Scheidungen sind weiter verbreitet. In der Tat bemerkt das vom Justizminister vorgelegte Diskussionspapier, dass einige wegen dieser Veränderungen behaupten, dass der Zweck der Ehe sich von einem “Instrument für soziale Stabilität” zu einem “Symbol eines feierlichen Versprechens” entwickelt hat.

Die Bischöfe widerlegen diese Auffassung, indem sie darauf hinweisen, dass die jüngste Statistiken zeigen, dass die überwiegende Mehrheit der Menschen heiraten will. Außerdem sei bei eheähnlichem Zusammenleben die Wahrscheinlichkeit des Auseinandergehens doppelt so hoch wie bei Ehen.

“Es gibt absolut keinen Beweis dafür, dass der ursprüngliche Zweck der Ehe sich zu etwas anderem entwickelt hat”, bekräftigen die kanadischen Bischöfe.”, was sich entwickelt hat, ist der Wunsch einiger gleichgeschlechtlicher Partner, die Definition der Ehe zu verändern, um Zugang zu dieser Institution zu haben.”

Dann geht die Vorlage der Bischöfe auf die Bedeutung der sozialen und gesellschaftlichen Dimension der Ehe ein: “Die Ehe zwischen einem Mann und einer Frau ist die Ursprungszelle der Gesellschaft, der soziale Kernbereich, in dem die meisten Kinder geboren und aufgezogen werden.” Diese Funktion hat eine “unersetzliche Rolle” in der Gesellschaft, und als Gegenleistung für diesen Beitrag, den die Ehe liefert, wird sie von der staatlichen Autorität anerkannt und geschützt. “Diese Reziprozität hat demographische, wirtschaftliche, gesellschaftliche und sich auf das Verhältnis der Generationen auswirkende Konsequenzen. Wenn wir als Gesellschaft diese außer Acht lassen, bringen wir uns selbst in Gefahr,” warnen die Bischöfe.

Die Bischöfe verschweigen nicht, dass es unvollkommene Ehen gibt und sie streiten auch nicht ab, dass man sich um Kinder auch außerhalb traditioneller Ehen kümmern kann. Aber sie stellen fest: “Die Ehe hat jedoch seit Jahrhunderten Bestand und bietet weiterhin die zuverlässigste und stabilste Grundlage für die Zukunft der Gesellschaft.” Es bleibt abzuwarten, ob das Parlament diese klugen Worte beherzigen wird.