Homosexuelle Partnerschaften und Kirche

Vatikansprecher dementiert Interpretation der Worte des Papstes

Rom, (ZENIT.org) Maike Sternberg-Schmitz | 331 klicks

In Italien ist zurzeit die Haltung der Kirche zur staatlichen Anerkennung homosexueller Partnerschaften in der Öffentlichkeit ein vieldiskutiertes Thema. Nachdem Ministerpräsident Enrico Letta von der regierenden Demokratischen Partei (PD) einen Vorstoß für die Eheschließung gleichgeschlechtlicher Partner unternommen hatte, gerieten auch einige Äußerungen von Papst Franziskus bezüglich des Themas in den Fokus der Aufmerksamkeit.

Der Pontifex hatte am 9. November in einem Gespräch an die Generaloberen katholischer Orden appelliert, sich den Herausforderungen einer wachsenden Zahl schwieriger familiärer Situationen zu stellen. In diesem Zusammenhang verwies er auf ein ihm bekanntes Mädchen in Argentinien, das ihm gesagt habe, es sei traurig, weil die Partnerin ihrer Mutter ihm gegenüber nicht wohlgesonnen sei. Daraufhin hatten italienische Medien die Worte von Papst Franziskus so interpretiert, der Pontifex befürworte die Eheschließung von homosexuellen Partnern.

Wie Radio Vatikan berichtet, wies Vatikansprecher Pietro Lombardi diese Spekulationen nun als „widersprüchlich“ zurück. In einer Erklärung sagte er: „In der Unterhaltung mit den Ordensoberen vermerkt der Papst, dass die Lage, in der sich die Erziehung von Kindern und Jugendlichen heute ansiedelt, sich stark unterscheidet von der Vergangenheit. Vielfach leben sie heute in schwierigen Familiensituationen, etwa wenn die Eltern getrennt sind und in neuen, atypischen Verbindungen leben, manchmal auch gleichgeschlechtlichen. Die Erziehung und die Verkündigung des Glaubens können nicht über die Realität hinwegsehen. Sie müssen auf das Wohl der neuen Generationen achten und die Kinder und Jugendlichen mit Zuneigung begleiten, ausgehend von der Lage, in der sie sich befinden, um nicht in ihnen negative Reaktionen hervorzurufen, die die Aufnahme des Glaubens selbst behindern.“

Lombardi betonte, die Worte des Papstes hätten das Thema allgemein beleuchten wollen. Die Interpretation der italienischen Medien sei auf eine unzulässige Weise mit dem politischen Vorstoß Lettas in Verbindung gebracht worden. Er sprach von einer „Instrumentalisierung“ der Worte des Papstes und fügte hinzu: „Von einer ,Öffnung für homosexuelle Paare‘ zu sprechen, ist widersprüchlich, weil die Ansprache des Papstes ganz allgemein war und weil sogar sein kleines konkretes Beispiel – ein Mädchen, das traurig ist, weil die Partnerin ihrer Mutter es nicht liebt – genau das Leid der Kinder in den Blick nimmt. Der Papst hat sich natürlich nicht zu einer Debatte geäußert, die in Italien erst ein Monat später ausgebrochen ist. Und wer sich daran erinnert, wie er sich früher bei ähnlichen Debatten in Argentinien eingebracht hat, weiß, dass seine Haltung ganz verschieden war von jener, die einige ihm jetzt unterzuschieben trachten.“