Honduras: Bischofskonferenz setzt auf Friedens- und Dialogbereitschaft

Angriff auf Verfassung durch Zelaya als auch Vertreibung verurteilt

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TEGUCIGALPA, 7. Juli 2009 (ZENIT.org).- In Honduras soll die Überwindung der schweren politischen Krise des Landes durch Dialog zwischen den Parteien gefördert werden. Das schlug die katholische Bischofskonferenz des Landes am Wochenende als Lösung vor.

In einer Fernsehbotschaft verurteilte am Samstag, dem 4. Juli, Kardinal Oscar Andrés Rodríguez Maradiaga, Erzbischof von Tegucigalpa und Vorsitzender der Bischofskonferenz von Honduras, sowohl den Angriff auf die Verfassung durch den abgesetzten Präsidenten des Landes, Manuel Zelaya, als auch die Verantwortlichen für dessen Vertreibung.

Die Bischofskonferenz von Honduras hat dem abgesetzten Präsidenten Manuel Zelaya geraten, im Ausland zu bleiben, um kein weiteres Blutvergießen zu provozieren. Damit haben die Oberhirten erstmals seit dem Putsch von vergangener Woche ihr Schweigen zum Staatsstreich gebrochen.

In einer Erklärung zur gegenwärtigen Krisensituation riet Kardinal Rodriguez Maradiaga Zelaya eindringlich von der Rückkehr in sein Land ab. Damit stellten sich der Kardinal und seine Amtsbrüder indirekt hinter das Vorgehen des Übergangspräsidenten Roberto Micheletti.

Das Kommuniqué der Bischöfe wurde nach Rücksprache mit den zuständigen staatlichen Autoritäten (dem Obersten Gerichtshof, dem Kongress, der Staatsanwaltschaft, der Exekutive, dem Obersten Wahlausschuss) und vieler gesellschaftlicher Einrichtungen veröffentlicht.

Die Bischöfe erklären darin das Vorgehen der verfassungsrechtlichen Organe, die Zelaya am 28. Juni entmachtet hatten, indirekt für rechtmäßig. Die Bischofskonferenz sei nach der Prüfung aller ihr vorliegenden Dokumente zu dem Schluss gekommen, dass die staatlichen Institutionen nach demokratischem Recht und im Einklang mit der Verfassung gehandelt hätten.

„Jedes der Dokumente, die uns erreichen, beweisen, dass die demokratischen Institutionen des Staates Honduras in der Tat ihre Arbeit tun können“, so die Bischöfe wörtlich. Außerdem bekräftigte sie, „dass ihre Entscheidungen, was die Gesetzgebung angeht, unter Wahrung der Gesetzgebung gefällt wurden".

Zelayas Rückkehr nach Honduras könne ein „Blutbad“ auslösen, warnte Maradiaga. Der Kardinal sprach sich gegen „übereilte Aktionen“ aus und erklärte: „Ich weiß, Sie lieben das Leben. Ich weiß, Sie respektieren das Leben. Bis zum heutigen Tag ist noch kein Honduraner ums Leben gekommen. Denken Sie daran, denn später könnte es zu spät sein!“

Die Bischöfe fordern aber auch eine Untersuchung der genauen Umstände von Zelayas unfreiwilliger Ausreise nach Costa Rica. „Wir glauben, dass wir alle eine Erklärung verdienen, für das was am 28. Juni geschah“, schreiben sie.

Vor dieser öffentlichen Erklärung war Kardinal Rodriguez Maradiaga mit dem Generalsekretär der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS), Jose Miguel Insulza, zu einer Unterredung hinter verschlossenen Türen zusammengetroffen. Die OAS hatte noch am Samstag bei einer Sondersitzung in Washington mit der Zustimmung von 33 ihrer 34 Mitglieder Honduras aus dem amerikanischen Staatenbund ausgeschlossen. Möglichen Sanktionen seitens der OAS oder der internationalen Staatengemeinschaft für den Fall, dass Honduras den gewählten Präsidenten Zelaya nicht wieder einsetze, erteilen die Bischöfe in ihrer Erklärung eine Absage.

Die Staatengemeinschaft solle ihren Blick nicht nur auf den Sturz Zelayas richten, sondern auf alles, was sich in der Vergangenheit außerhalb der Legalität abgespielt habe. Boykotte, welcher Art auch immer, träfen nur die Ärmsten der Armen.

Die Bischöfe schließen ihre gemeinsame Erklärung mit einem Aufruf zu Friedens- und Dialogbereitschaft. Die aktuelle Situation biete auch eine Chance, ein neues Honduras zu bauen.