Honduras: Kirche ergreift nicht Partei

Kardinal Rodríguez Maradiaga ruft zum Dialog auf

| 1712 klicks

ROM, 15. JULI 2009 (ZENIT.org).- Der Präsident der hondurasischen Bischofskonferenz hat nachdrücklich darauf hingewiesen, dass die Kirche für keine politische Seite Partei ergreife. In Honduras herrscht seit der Zwangsausweisung von Präsident Manuel Zelaya am 28. Juni eine große Krise. Zelaya wird vorgeworfen, die Verfassung gebrochen zu haben, da er versucht hatte, seine Amtszeit zu verlängern.



Kardinal Óscar Rodríguez Maradiaga, Erzbischof von Tegucigalpa, der Hauptstadt von Honduras, brachte in einem Gespräch mit Radio Vatikan seinen Dank gegenüber Papst Benedikt XVI. zum Ausdruck, der vergangenen Sonntag nach dem Angelusgebet die gespannte Lage in Honduras angesprochen und zum Dialog als Weg zum Frieden aufgerufen hatte. „Der Heilige Vater hat uns mit seinen weisen Worten viel Kraft gegeben!”, so Kardinal Rodríguez Maradiaga, der auch internationaler Caritas-Präsident ist.

Der Kardinal erwähnte, dass unter den „Anhängern des alten Regimes auch viele Katholiken in gutem Glauben agiert haben, da sie nicht über alles informiert gewesen waren“, fügte aber zugleich hinzu: „Die Kirche ergreift nicht Partei für irgendjemanden. Sie strebt die Versöhnung, den Frieden und die Suche nach gegenseitigem Verständnis durch den Dialog an.“

Rodríguez Maradiaga verwies auf die Evangeliumsstelle, wo vom Haus die Rede ist, das in sich gespalten und deshalb keinen Bestand haben kann, und bekräftigte: „Wir müssen nach Einheit in den notwendigen Dingen suchen. Politische Parteien können berechtigt sein, können unterschiedliche Denkweisen haben, aber das rechtfertigt in keinster Weise einen Gesetzesverstoß.“
 
Eine Woche nach dem Putsch versuchte Präsident Zelaya zurückzukehren und wieder die Kontrolle des Landes zu übernehmen, was ihm aber nicht gelang. Am 7. Juli traf Zelaya die amerikanische Außenministerin Hillary Clinton und willigte ein, dass der Präsident von Costa Rica, Óscar Arias Sánchez, zwischen den Konfliktparteien als Vermittler fungiert. Arias ist für frühere erfolgreiche Vermittlungsmissionen in Lateinamerika mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet worden.
 
Die ersten Verhandlungsrunden zur Lösung der Krise in Honduras brachten keine Fortschritte. Zelaya stimmte zwar einer zweiten Verhandlungsrunde am kommenden Sonntag zu, drohte aber, den Dialog abzubrechen, sollte der Leiter der Übergangsregierung, Roberto Micheletti, ihm nicht unverzüglich das Präsidentenamt zurückgeben. Micheletti erklärte seinerseits, er sei zum Rücktritt bereit, wenn Zelaya ebenfalls auf das Präsidentenamt verzichten würde.
 
Die internationale Gemeinschaft – und vor allem die Verbündeten von Zelaya, allen voran Venezuelas Präsident Hugo Chávez – bekundeten öffentlich ihre Unterstützung für Zelaya.

Kardinal Rodríguez Maradiaga ermutigte die Politiker und alle Bewohner von seiner Heimat, „zu Gott zurückzukehren, der unsere Herzen erforscht, um sie von Hass und Gewalt zu befreien, damit wir als Brüder und Schwestern die besten Wege für die Zukunft dieses Landes finden können“.