Hongkong: Kardinal Zen verteidigt Recht auf Demokratie

Gebetsvigil und Protestmarsch anlässlich des zehnten Jahrestages der Rückkehr zu China

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HONGKONG, 4. Juli 2007 (ZENIT.org).- Kardinal Joseph Zen Ze-kiun, der amtierende Bischof von Hongkong, nahm am 1. Juli aus Anlass des zehnten Jahrestages der Rückgabe der ehemaligen britischen Kronkolonie Hongkong an China an einer Großdemonstration teil. Nach Auskunft der Organisatoren schlossen sich dem Marsch mehr als 64.000 Menschen an. Hauptforderung war der Respekt der Hongkonger Verfassung und die Einführung des freien Wahlrechts seitens der chinesischen Regierung.



Der Protestmarsch folgte auf eine Ansprache des chinesischen Staatspräsidenten Hu Jintao, die als indirekte Warnung an die Befürworter von mehr Demokratie gewertet wurde. Hu Jintao hatte sich am Sonntag an die 6,9 Millionen Bewohner Hongkongs gewandt und erklärt, dass die nationale Einheit der Volksrepublik China über den Einzelinteressen der heutigen Sonderverwaltungsregion stehe.

Kardinal Zen verteidigte bei einer Gebetsvigil, an der rund 60.000 Menschen teilnahmen, das Recht der Bürger auf freie Demokratie. Er griff in seiner Rede den erhobenen Vorwurf auf, dass Demokratie mit einem weniger angenehmen Lebensstil gleichzusetzen wäre. Wie AsiaNews berichtete, wies er diesen Einwand entschieden zurück: „Das ist absurd und steht gegen die Erfahrung der ganzen Welt: Nur Demokratie kann bessere Lebensbedingungen für die Menschen garantieren.“

In Hongkong seien gegenwärtig die Resultate einer Demokratie zu erleben, die in eine Sackgasse geraten sei, fuhr der Kardinal fort. Der Beweis dafür liefere „der gewaltige und wachsende Abstand zwischen den Reichen und den Armen“.

Kardinal Zen beschwor die Hoffnungen zu „einer Rückkehr zu unserer traditionellen Kultur“, die vor zehn Jahren mit der „politischen Rückkehr zum Mutterland“ verbunden waren. „Die traditionellen Werte des Anstands, der Gerechtigkeit, der Ehrlichkeit und der Selbstachtung sind zugunsten einer neuen Kultur der Bevorzugung der Leistungsfähigen und der Unterdrückung der Schwachen gewichen.“ Vor diesem Hintergrund ermutigte er, das „Gefühl der Hilflosigkeit“ abzuschütteln, wieder neuen Mut zu fassen und so den Marsch für Demokratie weiter fortsetzen. „Möge der Herr uns am Ende der Reise eine gerechtere und friedvollere Gesellschaft schenken.“

Liu Bainian, Vorsitzender der chinesischen patriotischen Vereinigung, verurteilte Kardinal Zen wegen dessen Teilnahme am Marsch für die Demokratie. Besagter politischer Aktivismus sei einer der Gründe, „warum Peking sich nur widerstrebend dem Recht auf Ernennung der chinesischen Bischöfe seitens des Vatikans beugen will“, erklärte er nach einem Bericht von „Associated Press“, der gestern, Dienstag, veröffentlicht wurde.