Hongkong: Kirche wehrt sich gegen staatliche Kontrolle

Katholiken wollen ihre Schulen selbst verwalten

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Michaela Koller

HONGKONG, 24. November 2009 (ZENIT.org).- Die katholische Kirche in Hongkong wehrt sich erneut gegen Versuche der örtlichen Regierung, Kontrolle über katholische Bildungseinrichtungen zu erlangen. Angeführt durch den vormaligen Bischof, Kardinal Joseph Zen Ze-kuin, will eine Delegation der Diözese derzeit die Aufhebung eines Urteils erreichen, demzufolge die Leitungsgremien katholischer Schulen mit 40 Prozent Externen besetzt werden sollen. Die Ortskirche, die gegen entsprechende politische Vorgaben versucht, auf dem Rechtswege vorzugehen, fürchtet um die Unabhängigkeit kirchlicher Einrichtungen.

Das Verfahren ist derzeit vor einem Berufungsgericht anhängig. Informationen der katholischen asiatischen Nachrichtenagentur Ucanews zufolge wird es möglicherweise noch mehrere Monate dauern, bis eine Entscheidung bekannt wird. Kardinal Zen schätzt die Chancen, vor diesem Gericht zu gewinnen, fünfzig zu fünfzig ein. Die Ortskirche sei aber entschlossen, notfalls bis zur höchsten Instanz zu gehen, um für ihr Recht zu kämpfen.

Martin Lee Chu-ming, der das Bistum im Verfahren als Partei vertritt, beruft sich auf das Hongkonger Basic Law, einer Art Grundgesetz der ehemaligen britischen Kronkolonie. Darin sei das Recht religiöser Gruppierungen verankert, Schulen unabhängig zu leiten. Joseph Fok, der Vertreter der Regierung, hält dem entgegen, dass die Regierung die Leitung der Schulen, die staatliche Zuschüsse erhielten, regeln müsse, um Transparenz zu bewahren und der Rechenschaftspflicht nachzukommen.

Im gesellschaftlichen Leben der Sonderverwaltungszone Hongkong ist die katholische Kirche überproportional präsent. Während die Bevölkerung von rund sieben Millionen dort überwiegend taoistisch, konfuzianisch und buddhistisch geprägt ist, beträgt der Anteil der Christen, darunter 400.000 Katholiken, etwas mehr als zehn Prozent. Infolge des chinesischen Bürgerkriegs und des Siegs der Kommunisten kamen in den fünfziger und sechziger Jahren viele Flüchtlinge in die damalige britische Kronkolonie. Die Kirche half angesichts der Situation im sozialen und medizinischen Bereich und bot ihre Bildungsarbeit an. Die Kolonialverwaltung nahm das Angebot dankbar an.

Inzwischen gibt es 300 katholische Einrichtungen in Hongkong sowie einen entsprechenden jahrzehntelangen Erfahrungsschatz. Das Engagement erregt das Missfallen Pekings, vermuten Hongkonger Demokratieverfechter. Die Befürchtungen seitens der Ortskirche, ganz oder teilweise die Kontrolle über ihre Schulen zu verlieren, nähren sich auch aus einem weiteren Faktum. Neue bildungspolitische Regelungen sehen eine Schulzeitverkürzung vor, die auf Kosten des Religionsunterrichts gehen könnte.