„Humane, globale Entwicklung nur gemeinsam mit den Armen“

MISEREOR-Hauptgeschäftsführer Josef Sayer kommentiert neue Enzyklika

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AACHEN, 8. Juli 2009 (ZENIT.org).- „Aus dem christlichen Menschenbild heraus gilt es, die strukturellen Ursachen von Hunger und Armut zu beseitigen. In einer globalen menschlichen Gesellschaft müssen auch die Armen ihren Platz haben, wenn nicht Stabilität, Frieden und Demokratie gefährdet werden sollen.“ Mit diesen Worten fasste gestern, Dienstag, Josef Sayer, Hauptgeschäftsführer von MISEREOR, wesentliche Grundanliegen der Enzyklika Caritas in veritate („Liebe in Wahrheit“) von Papst Benedikt XVI. zusammen.



„Unter dem für uns zentralen Stichwort der Nächstenliebe stellt der Papst die beiden entscheidenden Dimensionen echter menschlicher Entwicklung heraus: Gerechtigkeit als Anerkennung der Würde aller Menschen und darüber hinaus unentgeltliche Solidarität als Ausdruck der Dankbarkeit für das Geschenk des Lebens“, so Sayer. „Zu Recht beklagt der Papst, dass diese Dimensionen in einer zunehmend an kurzfristigem Gewinn ausgerichteten globalisierten Wirtschaft unter die Räder zu geraten drohen.“

Nächstenliebe, so heißt es in der Enzyklika, zeige sich nicht nur in der unmittelbaren Zuwendung zu den Bedürftigen. Der „politische Weg der Nächstenliebe“ schließe den Einsatz für das Gemeinwohl mit ein. Gerade unter den Bedingungen der Globalisierung müsse die Ausrichtung der Wirtschaft und des gesellschaftlichen Lebens am Gemeinwohl erfolgen, damit die gesamte Menschheitsfamilie einbezogen werde.

Angesichts der aktuellen Finanz- und Wirtschaftskrise sei es dringend notwendig, den Aufruf des Papstes aufzugreifen, bekräftigte der Hauptgeschäftsführer des Bischöflichen Hilfswerks, der in Übereinstimmung mit dem Papst eine Revision des gängigen Entwicklungsmodells forderte.

Nach „Caritas in veritate“ erfordert der global gewordene Markt eine ebenfalls globale Rückbesinnung auf die Grundwerte. Es gehe nicht darum, innerhalb des Wirtschaftslebens ethische Nischen zu schaffen, sondern die gesamte Wirtschaft ethisch zu gestalten. So prangert Papst Benedikt zum Beispiel das Aufkaufen von natürlichen Ressourcen in den armen Ländern als Ausbeutung an und sieht darin eine Ursache von Konflikten, Zerstörung und Tod.

Diesbezüglich hielt Sayer fest: „Hier sehen wir auch für die Entwicklungszusammenarbeit eine unverzichtbare Rolle: Denn eine humane, globale Entwicklung wird nur gemeinsam mit den Armen möglich sein. Oder wie der Papst es betont: Die Armen dürfen nicht als eine Last angesehen werden. In unserer Entwicklungszusammenarbeit sind die Armen Partner mit einer unveräußerlichen Würde.“

Das dritte Lehrschreiben Papst Benedikts ist als Fortführung der katholischen Soziallehre im Kontext der Globalisierung gedacht. Der Papst macht hier die ganzheitliche Entwicklung des Menschen zum Kriterium.