Hunger und Unterernährung trotz ausreichender Nahrungsmittelvorkommen - ein "Skandal"

Abschlussbericht des UNO-Sonderberichterstatters Olivier de Schutter

Rom, (ZENIT.org) Britta Dörre | 212 klicks

Weltweit leiden 842 Millionen Menschen Hunger. Intensiv mit der Thematik, wie man dem weltweiten Problem Abhilfe schaffen könne, befasste sich der UNO-Sonderberichterstatter Olivier de Schutter, dessen Mandat Anfang 2014 endete. In seinem Abschlussbericht erklärte de Schutter, dass es durchaus möglich sei, Hunger und Unterernährung wirksam zu bekämpfen. Erforderlich sei jedoch ein Umdenken von seiten der Industrie, Wirtschaft, Politik und der Konsumenten, so humanrights.ch.

Papst Franziskus hatte im Juni 2013 die Tatsache, das weltweit Millionen von Menschen trotz ausreichender Nahrungsmittelvorkommen Hunger leiden als Skandal bezeichnet und vor den Teilnehmern der 38. Konferenz der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) gefordert: „Es muss ein Weg gefunden werden, der es jedermann ermöglicht, die Früchte der Erde zu genießen, und das nicht nur, um die Kluft zu überbrücken, die zwischen den Reichen und denen besteht, die sich mit den Brosamen begnügen müssen, sondern vor allem, um den Erfordernissen der Gerechtigkeit, der Fairness und Achtung für jeden Menschen Genüge zu tun.“ Er betonte, wie wichtig es sei auf internationaler Ebene solidarisch zu handeln und gemeinsam nach überzeugenden Lösungen zu suchen.

In dieselbe Richtung zielt auch der UNO-Sonderberichterstatter Olivier de Schutter in seinem Bericht. Das komplette Ernährungssystem bedürfe auf lokaler und nationaler Ebene einer grundlegenden Revision. Auf internationaler Ebene müssten zusätzlich Strategien entwickelt werden, die in den Bereichen Handel, Ernährungshilfe, Schuldenerlass und Entwicklungszusammenarbeit Weichen in die richtige Richtung stellten. De Schutter fordert ferner eine sog. Nahrungssouveränität, d.h. jeder Staat könne sein Ernährungssystem autonom wählen. Das diene vor allem dazu, dass lokalen Bedürfnissen und Bedingungen wesentlicher besser Rechnung getragen werden könne. Wie de Schutter darlegt, litten 80 Prozent der Landbevölkerung unter Hunger, 50 Prozent zählten zur Gruppe der Kleinbauern. Mit Investitionen müsse man den Betroffenen Zugang zu Land, Technologie, Saatgut und dem nötigen Wissen verschaffen.

De Schutter formulierte außerdem einen Katalog mit Empfehlungen, die der Stärkung lokaler Ernährungssysteme, dem Zugang zu Technologie, Wissen und Investitionen dienen sollen. Er fordert: die „Stärkung herkömmlicher Besitzsysteme; keine Zulassung von Patenten auf Pflanzen; Bereitstellung von öffentlichen Einrichtungen wie Lagermöglichkeiten, Beratung und Zugang zu Krediten und Versicherungen; Erhöhung der Budgets für die Forschung ökologischer Landwirtschaft; die Unterstützung von landwirtschaftlichen Genossenschaften; Erlass von gesetzlichen Regelungen über die Vermarktung von Lebensmitteln; Abgaben auf Soft Drinks und ähnlichen Lebensmitteln; Maßnahmen gegen Spekulation auf den Agrarrohstoff-Terminmärkten; Verringerung der Anreize für die Produktion pflanzenbasierter Biotreibstoffe sowie die Förderung des Rechts auf Nahrung als eine Priorität in der Entwicklungszusammenarbeit.“

Das katholische Hilfswerk Misereor begrüßte den Abschlussbericht des UNO-Sonderberichterstatters. 

„Es ist unsere Pflicht, im derzeitigen internationalen Kontext weiterhin darauf zu bestehen, dass Mensch und Menschenwürde nicht bloße Schlagwörter sind, sondern die Pfeiler zur Aufstellung von gemeinsamen, über rein pragmatische oder technische Ansätze hinausgehenden Regeln und Strukturen, die dazu in der Lage sind, bestehende Trennungen zu überwinden und existierende Unterschiede zu überbrücken. Hierzu ist es erforderlich, den kurzsichtigen wirtschaftlichen Interessen und dem Machtdenken einiger weniger entgegenzuwirken, die die Mehrheit der Völker der Erde ausschließen, Armut und Ausgrenzung hervorrufen und den Zerfall der Gesellschaft bewirken. Analog dazu ist es erforderlich, die Korruption zu bekämpfen, die einigen wenigen Privilegien verschafft und vielen anderen Ungerechtigkeit zufügt.“ (Papst Franziskus am 20. Juni 2013)