Hungerkrise: Österreichische Bischöfe fordern engagierte Armutsbekämpfung

Ergebnisse der Sommervollversammlung der österreichischen Hirten in Mariazell

| 1196 klicks

MARIAZELL, 18. Juni 2008 (ZENIT.org).- „Hunger raubt den Menschen die Lebenschancen und den Lebensmut. Hunger ist eine weltweite, große Wunde, die niemand unberührt lassen kann“, bekräftigen die österreichischen Bischöfe in einer heute veröffentlichten Erklärung.



Bei ihrer Sommervollversammlung – die Hirten trafen sich vom 16. bis zum 18. Juni im Wallfahrtsort Mariazell – standen neben dem Thema der weltweiten Hungerkrise, die Besorgnis erregende Entwicklung im Irak, das österreichische Lebenspartnerschaftsgesetz und Fragen der Seelsorge im Vordergrund.

Weltweite Hungerkrise - Politik ist gefordert

Angesichts der dramatischen Zuspitzung der weltweiten Hungerkrise – nach Angaben der Vereinten Nationen sollen (noch vor der Nahrungsmittelkrise!) weltweit rund 850 Millionen Menschen von Hunger bedroht gewesen sein – appellieren die Bischöfe an die österreichische Bundesregierung, „ihren Beitrag der Menschlichkeit zu leisten und die europaweite Verpflichtung einzuhalten, die Mittel für die Entwicklungszusammenarbeit bis 2010 auf 0,51 Prozent des Bruttonationalprodukts und bis 2015 auf 0,7 Prozent zu erhöhen. Diese zusätzlichen Mittel müssen für die Armutsbekämpfung eingesetzt werden. Nur so kann erreicht werden, dass die Millenniumsziele der Vereinten Nationen (Halbierung des Hungers bis 2015) Wirklichkeit werden.“

Die Erfahrungen der kirchlichen Hilfsprojekte bestätigten, „dass Hilfe in den Hungerregionen ankommt, dass diese Hilfe wirkt und Leben rettet“, heben die Hirten hervor.

Hilfe für den Irak
Mit Blick auf das „unermessliche Leid“ der irakischen Bevölkerung ersuchen die Bischöfe die österreichische Bundesregierung, „für Flüchtlinge aus dem Irak – insbesondere für Angehörige der religiösen Minderheiten – eine Aufnahmemöglichkeit in Österreich zu schaffen“, wie sie in mehreren EU-Staaten, etwa in Frankreich und Deutschland, diskutiert werde. „Ein Vorbild könnte die Aufnahme der vietnamesischen 'Boat people' in den achtziger Jahren sein“, fügen die Bischöfe hinzu, die außerdem dafür eintreten, dass ein Hilfsprogramm für irakische Flüchtlinge in Syrien und Jordanien entwickelt wird. Zudem erscheine es angebracht, für die vielen christlichen Inlandsflüchtlinge im nordirakischen Kurdengebiet Vorsorge zu treffen, damit sie Unterkunft und Arbeit finden könnten.

„Die katholische Kirche in Österreich kann angesichts dieser Tragödie nicht schweigend zuschauen.“

Entwurf zum Lebenspartnerschaftsgesetz bedroht die Ehe
Während der Vollversammlung haben sich die österreichischen Bischöfe auch eingehend mit dem vom Justizministerium vorgelegten Entwurf zur zivil- und strafrechtlichen Regelung von Lebenspartnerschaften befasst. Nach dem Studium dieses Dokuments bekräftigen sie die vom Generalsekretariat der Österreichischen Bischofskonferenz bereits abgegebene, den Entwurf insgesamt ablehnende Stellungnahme und betonen:

„Die Bischöfe warnen eindringlich vor einer De facto-Gleichstellung homosexueller Lebenspartnerschaften mit Ehe und Familie. Aus guten Gründen steht die Institution Ehe, die auf Familiengründung ausgerichtet ist und mit der Zeugung und Erziehung der Kinder gesellschafts- und staatserhaltend wirkt, seit jeher unter besonderem rechtlichen Schutz des Staates. Eine rechtliche Gleichstellung homosexueller Lebensgemeinschaften mit der Ehe würde eine Bagatellisierung der Ehe und ihre Diskriminierung bedeuten, weil homosexuelle Partnerschaften die Zielsetzungen der Ehe nicht zu erfüllen vermögen.“

Die Hirten befürchten eine Aushöhlung des Eherechts und vermuten, dass es dazu kommen könne, „dass dann doch gleichgeschlechtlichen Paaren sogar das Adoptionsrecht und die Möglichkeit zur künstlichen Befruchtung eingeräumt wird. Man darf Kindern nicht von vornherein verunmöglichen, Mutter und Vater zu haben.“

Zum uneingeschränkten so genannte „Diskriminierungsverbot“ für Lebenspartnerschaften, das im Entwurf zur Sprache kommt, melden die Hirten „schwerwiegende verfassungsrechtliche Bedenken“ an. „Eine solche Bestimmung würde einen Eingriff in die von der Verfassung garantierte innere Freiheit der katholischen Kirche und der anderen, vom Staat anerkannten Kirchen und Religionsgesellschaften bedeuten. Die katholische Kirche lehrt den Respekt vor jedem Menschen, unabhängig von der sexuellen Orientierung, sie muss aber in der Auswahl von Personen für bestimmte Aufgaben und Ämter die Möglichkeit haben, die Bedingungen und Voraussetzungen frei festzulegen und dementsprechend vorzugehen.“

Seelsorge
Im Hinblick auf mögliche strukturellen Veränderungen im Bereich der Seelsorge halten die Bischöfe an zwei Prinzipien fest: „Es sollen – soweit es sinnvoll möglich ist – alle Pfarrgemeinden erhalten bleiben; zugleich soll die pastorale Zusammenarbeit über die Pfarrgrenzen hinweg verstärkt werden.“ Dabei gelte immer: „Alle Anpassungen in der Struktur der Seelsorge dienen dem Ziel, den Menschen das Evangelium zu bringen.“ Eine Inspiration sei diesbezüglich die Gestalt des Völkerapostels Paulus, „dessen Wirken die Kirche mit dem Paulusjahr heuer besonders in den Blick nimmt“.

Zur Taufspendung durch Laienchristen, zu denen es in der Diözese Linz gekommen war, erklären die Bischöfe, „dass die Mitwirkung der Pastoralassistenten und -assistentinnen bei der sorgsamen Vorbereitung auf die Taufe ein sehr bedankenswerter Beitrag im Ganzen der Seelsorge einer Diözese ist. Die Taufspendung ist aber in der katholischen Weltkirche grundsätzlich Bischöfen, Priestern und Diakonen vorbehalten, dies gilt – wie schon bisher in allen anderen Diözesen Österreichs – auch für Linz. Die Österreichische Bischofskonferenz sieht – ebenso wie die Deutsche Bischofskonferenz – nicht die Notwendigkeit, dass Laien mit der Leitung von Tauffeiern beauftragt werden. Ausgenommen ist die Nottaufe im Fall von Todesgefahr.“

Von Dominik Hartig