Hungersnot am Horn von Afrika: Die internationale Gemeinschaft hat zu spät reagiert

Flüchtlingslager völlig überfüllt

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ADDIS ABEBA, 20. September 2011 (ZENIT.org/KIN). - Die internationale Gemeinschaft hat zu spät auf die Anzeichen einer großen Hungersnot am Horn von Afrika reagiert. Zu diesem Ergebnis kommen die Salesianer Don Boscos in Äthiopien, die Hilfsaktionen für Flüchtlinge aus Somalia und für die ebenfalls von der Dürre betroffene lokale Bevölkerung organisieren. Bereits im Dezember 2010 sei vor einer Hungerkatastrophe gewarnt worden. Damals habe „niemand darauf gehört“, erklärte Mattia Grandi, einer der Projektkoordinatoren vor Ort, gegenüber dem internationalen katholischen Hilfswerk KIN.

Grandi berichtete, der größte Bedarf an Hilfe bestehe zur Zeit in dem Durchgangslager von Dolo Odo, in dem die aus Somalia geflohenen Menschen einige Tage verbringen müssen, um sich registrieren zu lassen. Solange sie nicht registriert seien, hätten sie nicht den offiziellen Status von Flüchtlingen, so dass sie aus den Versorgungsprogrammen der UNO herausfielen. Das Transitlager sei für 5.000 Personen erbaut, es hielten sich dort jedoch zur Zeit 15.000 Menschen auf. Die meisten davon seien Frauen, Kinder und ältere Menschen, da die meisten Männer in Somalia von den Al-Shabaab-Milizen entführt oder getötet worden seien. Auch die vier Flüchtlingslager, in denen die Menschen nach ihrer Registrierung Unterkunft finden, seien überfüllt, jedoch funktioniere dort die Versorgung besser als in dem Transitcamp.

Der Zustrom halte weiterhin an, und jeden Tag kämen 1800 – 2000 weitere Hilfesuchende über die Grenze. Viele davon seien in Somalia von den islamistischen Al-Shabaab-Milizen aufgehalten worden und hätten wieder umkehren müssen. Um an einer anderen Stelle weiter nördlich die Grenze zu passieren, seien sie einen Monat lang zu Fuß unterwegs gewesen. Sie benötigten vor allem eine sofortige medizinische Versorgung, berichtete Grandi.

Es sei jedoch nicht nur wichtig, den Flüchtlingen aus Somalia zu helfen, sondern ebenso auch der einheimischen Bevölkerung, die ebenfalls unter der Dürre zu leiden habe, unterstrich er.

Unter der Hungersnot am Horn von Afrika leiden zurzeit ca. 12,4 Millionen Menschen.

Nach Angaben der UNO sind 750.000 vom Tode bedroht.