Ich bitte um die Gnade, weinen zu können

Die Predigt des Papstes vor den Missbrauchsopfern

Rom, (ZENIT.org) Maike Sternberg-Schmitz | 416 klicks

Während der morgendlichen Messe in Santa Marta richtete Papst Franziskus die Worte seiner Predigt direkt an die anwesenden Missbrauchsopfer, sechs Personen, die aus Deutschland, Irland und England angereist waren. Zu Beginn seiner auf Spanisch gehaltenen Predigt sagte er:

„Ich sehe den Blick Jesu und bitte um die Gnade, weinen zu können, die Gnade für die Kirche, weinen zu können und wiedergutmachen zu können, wo ihre Söhne und Töchter ihre Aufgabe verraten haben und unschuldige Menschen missbraucht haben.“

Er fuhr fort, er habe seit langem einen tiefen Schmerz und ein verborgenes Leiden in seinem Herzen. Er sprach von einer Mitschuld, die erst verständlich werde, wenn man realisiere, dass Jesus seinen Blick auf einen richte. Erst dann finde man den Mut, dies zu sehen.

„Das ist meine Beklemmung und mein Schmerz darüber, dass einige Priester und Bischöfe durch den Missbrauch Minderjähriger deren Unschuld und ihre eigene priesterliche Berufung verletzt haben.“

Papst Franziskus nannte den Missbrauch an Mädchen und Jungen ein „Sakrileg“, da sie Priestern anvertraut gewesen seien und der Wollust geopfert worden seien. Damit sei das von Gott geschaffene Bild des Menschen geschändet worden. Im Anschluss ging er auf die Narben ein, die die Missbräuche hinterlassen haben und bat um die Gnade weinen zu können und die der Wiedergutmachung. Auf die Kirche habe der Missbrauch „giftige Wirkungen“, auf den Glauben und die Hoffnung auf Gott. Diesbezüglich sagte er: 

"Ihre Anwesenheit hier spricht vom Wunder der Hoffnung, welche die tiefste Dunkelheit überwunden hat. Ohne Zweifel, es ist ein Zeichen der Barmherzigkeit Gottes, dass wir heute die Möglichkeit haben, uns zu begegnen, den Herrn anzubeten, uns in die Augen zu schauen und die Gnade der Versöhnung zu erbitten.“

Anschließend bat Papst Franziskus um Vergebung:

„Vor Gott und seinem Volk bitte ich demütig um Vergebung. Ich bitte um Vergebung auch für die Sünden der Unterlassung von Seiten der Leitung der Kirche, die nicht auf angemessene Weise auf die Anzeigen von Missbrauch durch Familien und durch diejenigen, die Opfer von Missbrauch geworden waren, reagiert hat. Das hat das Leiden derer, die missbraucht wurden, noch vermehrt und die Gefahr für andere Minderjährige, die dem Risiko ausgesetzt waren, erhöht.“

Dann gebrauchte er deutliche Worte bezüglich seiner eigenen Einstellung zum Missbrauch in den Reihen der Kirche. Er sagte:

„Es gibt im Dienst der Kirche keinen Platz für Menschen, die missbrauchen, und ich verpflichte mich dazu, keinerlei an einem Minderjährigen angerichteten Schaden zu tolerieren, sei er Kleriker oder nicht. … Für uns alle gilt die Ankündigung, die Jesus denen gibt, die Skandal erregen, mit einem Mühlstein um den Hals ins Meer geworfen zu werden“.

Die Aufgabe der Bischöfe sei - und man messe sie daran - ihr Amt so auszuüben, dass der Schutz gewährleistet sei. Eine wichtige Rolle spiele dabei die Ausbildung zum Priestertum beim Schutz Minderjähriger, die so angelegt sein müsse, dass Grundsätze umgesetzt werden könnten. Man müsse alles dafür tun sicherzustellen, dass sich diese Sünden in der Kirche nicht wiederholen. Abschließend sagte Papst Franziskus:

 „Ich bedanke mich für diese Begegnung und bitte darum, für mich zu beten, dass meine Augen immer klar den Weg der barmherzigen Liebe Gottes sehen und mir den Mut schenken, ihn zum Wohl der Minderjährigen weiter zu gehen.“