"Ich habe mir sie lebhaft gemerkt"

Verbindendes zwischen Christen und Muslimen in philippinischer Unruheprovinz

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Michaela Koller

MANILA, 10. November 2009 (ZENIT.org).-Der Vizegouverneur der muslimischen Autonomen Region von Mindanao auf den Philippinen hat sich in einem Interview zu seiner katholischen Erziehung bekannt. Wie Asianews berichtet, sieht der Politiker Nabil Tan sein gesamtes bisheriges Leben unter dem Einfluss der Werte, die ihm auf einer katholischen Schule vermittelt wurden. „Ich habe sie mir sehr lebhaft gemerkt, um mit meiner Arbeit ein gerechtes Leben führen zu können und den Menschen zu dienen sowie den Armen im Lichte des Glaubens an Gott zu helfen", sagte Tan. In der von Islamisten umkämpften Region hat es immer Verbindendes zwischen Christen und Muslimen gegeben.

In der Notre Dame Catholic School, die der 1959 im Süden der Philippinen geborene Muslim besuchte, seien die jungen Menschen zur Achtung vor dem religiösen Bekenntnis des anderen erzogen worden. Der Austausch zwischen den Religionen habe eine Schlüsselrolle gespielt. „Ich erinnere mich an unseren Lehrer, einen Amerikaner, der sowohl christliche als auch muslimische Schüler dazu brachte, Morgengebete zu sprechen, jeder gemäß seines jeweiligen Bekenntnisses. In seinem Dorf, so erinnert sich Tan, haben seine Eltern an Weihnachtsfeierlichkeiten teilgenommen, mit christlichen Nachbarn sogar Geschenke ausgetauscht. Um umgekehrt haben die Christen mit den Muslimen im Ramadan gefeiert.

Die Situation habe sich aber nach 1974 geändert, als die muslimischen Rebellen der Moro National Liberation Front den Unabhängigkeitskampf gegen den philippinischen Staat begonnen hatten. Die Mehrheit der ausländischen Investoren zog aus der Region ab, was Arbeitslosigkeit und Armut stark ansteigen ließ. Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten heizten in der Folge natürlich die kriegerischen Auseinandersetzungen an. Junge Männer zogen es vor zu kämpfen, als sich auf eine Zusammenarbeit mit einem Staat einzulassen, von dem sie sich vernachlässigt sahen. Tan, der selbst 17 Jahre im Friedensprozess zwischen philippinischem Staat und muslimischen Separatisten vermittelt hat, empfiehlt der Regierung in Manila ein stärkeres Engagement in die wirtschaftliche Entwicklung seiner Heimatregion. Sie sollte das menschliche und spirituelle Kapital der Christen und Muslime fördern, das die Region präge. Dies sei der einzige Weg, einen dauerhaften Frieden in Mindanao zu schaffen.

Auf der muslimisch geprägten Insel Mindanao existierte bis ins 19. Jahrhundert das Sultanat von Maguindanao. In den fünfziger Jahren siedelte die Regierung in Manila immer mehr Christen dort an, bis die Muslime in der Minderheit waren. In den siebziger Jahren entbrannte ein bewaffneter Konflikt, bei dem offiziellen Schätzungen zufolge rund 120.000 Menschen umkamen. Ein Friedensabkommen von 1996 brachte keine dauerhafte Ruhe in die Region. Die einstigen Rebellen der Moro National Liberation Front stellen zwar nun die Regierung in der Autonomen Region, aber islamistische Gruppierungen wie die Moro Islamic Liberation Front setzen den Kampf fort, weil sie einen unabhängigen Muslimstaat errichten wollen.

Dazu kommen noch die Terrorakte der Abu Sayyaf, die auf Entführungen und Anschläge setzt. Im Süden der Insel wurde am 11. Oktober der irische Priester Michael Sinnott verschleppt. Seine Entführer, deren Identität weiter im Dunkeln bleibt, verlangen umgerechnet 1,35 Millionen Euro Lösegeld. Christen wie Muslime der Region setzen sich gemeinsam für die Freilassung des 78-Jährigen ein, der seit 1954 als Priester der Missionsgesellschaft St. Columban auf den Philippinen arbeitet und zuletzt stark den interreligiösen Dialog gefördert hat.