Ich komme als Pilger

Papst Benedikt XVI. in Kroatien eingetroffen

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ZAGREB, 4. Juni 2011 (ZENIT.org). - Papst Benedikt XVI. ist zu seiner 19. Apostolischen Reise in Kroatien eingetroffen. Auf dem Flughafen in Zagreb wurde er von Präsident Ivo Josipovic und den Bischöfen des Landes begrüßt. Der Präsident des Landes hatte dem Papst in seiner Ansprache Kroatien als „modernen demokratischen Staat“ vorgestellt und den christlichen Hintergrund der Einigung Europas gewürdigt. In einem Interview kurz vor dem Eintreffen hatte Josipovic erklärt, er persönlich sei zwar Agnostiker, habe aber großen Respekt vor dem Papst und der katholischen Kirche.

Benedikt XVI. betonte in seiner ersten Rede auf kroatischem Boden, dass er als „Pilger im Namen Jesu Christi“ gekommen sei. Er knüpfte auch an die zwei Pastoralreisen seines Vorgängers Johannes Paul II. nach Kroatien an.

Wir veröffentlichen die offizielle deutsche Übersetzung seiner Ansprache im Wortlaut:

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Sehr geehrter Herr Präsident der Republik, verehrte Mitbrüder im Bischofsamt, werte Vertreter des öffentlichen Lebens, liebe Brüder und Schwestern!

Mit großer Freude komme ich als Pilger im Namen Jesu Christi in Ihre Mitte. Ich richte meinen ganz herzlichen Gruß an das geliebte Land Kroatien, und als Nachfolger des Apostels Petrus schließe ich alle seine Bewohner in meine Arme ein. Im Besonderen grüße ich die katholische Gemeinde: die Bischöfe, die Priester, die Ordensleute und die gläubigen Laien, speziell die Familien dieses Landes, das durch die Verkündigung des Evangeliums – der Hoffnung auf Leben und Heil für jeden Menschen – fruchtbar gemacht worden ist. Einen ehrerbietigen Gruß richte ich an Sie, Herr Präsident der Republik, und an die hier versammelten zivilen und militärischen Autoritäten. Ich danke Ihnen, Herr Präsident, für die freundlichen Worte, die Sie an mich gerichtet haben, und entbiete meine besten Wünsche für das Ihnen anvertraute hohe Amt sowie für den Frieden und das Wohlergehen der ganzen Nation.

In diesem Augenblick möchte ich in Gedanken an die drei Pastoralbesuche anknüpfen, die mein lieber Vorgänger, der selige Papst Johannes Paul II., in Kroatien abgehalten hat, und dem Herrn für die lange Geschichte der Treue danken, die Ihr Land mit dem Heiligen Stuhl verbindet. Wir können auf dreizehn Jahrhunderte starker und besonderer Bande zurückblicken, die in zuweilen schwierigen und schmerzlichen Umständen gelebt und gefestigt wurden. Diese Geschichte ist ein beredtes Zeugnis für die Liebe Ihres Volkes zum Evangelium und zur Kirche. Von Anfang an gehörte Ihre Nation zu Europa und leistete ihm in besonderer Weise den Beitrag an geistigen und moralischen Werten, die jahrhundertelang das tägliche Leben und die persönliche wie nationale Identität ihrer Söhne und Töchter geprägt haben. Die Herausforderungen, die sich aus der heutigen Kultur ergeben, die gekennzeichnet ist durch die soziale Differenzierung, die geringe Stabilität und durch einen Individualismus, der eine Sicht des Lebens ohne Verpflichtungen und die ständige Suche nach „Räumen des Privaten" begünstigt, erfordern ein überzeugtes Zeugnis und eine unternehmungsfreudige Dynamik zur Förderung der moralischen Grundwerte, auf denen das gesellschaftliche Leben und die Identität des Europas basieren. Zwanzig Jahre nach der Erklärung seiner Unabhängigkeit und am Vorabend der vollen Aufnahme Kroatiens in die Europäische Union kann die frühere wie die jüngste Geschichte Ihres Landes ein Grund zur Reflexion für alle anderen Völker des Kontinentes sein und jedem von ihnen sowie dem gesamten Gefüge helfen, das unschätzbare gemeinsame Erbe an menschlichen und christlichen Werten zu bewahren und neu zu beleben. Möge so diese werte, in ihrer reichen Tradition starke Nation dazu beitragen, dass die Europäische Union diesen geistigen und kulturellen Schatz vollends zur Geltung bringt.

Unter dem Motto „Gemeinsam in Christus" komme ich zu Ihnen, liebe Brüder und Schwestern, um den I. Nationalen Familientag der kroatischen Katholiken zu feiern. Dieser wichtige Augenblick soll eine Gelegenheit sein, die Werte des Familienlebens und des Gemeinwohls wieder vor Augen zu stellen, die Einheit zu stärken, die Hoffnung neu zu beleben und zur Gemeinschaft mit Gott zu führen, dem Fundament brüderlichen Miteinanders und gesellschaftlicher Solidarität. Schon jetzt danke ich aufrichtig allen, die an der Vorbereitung und der Organisation meines Besuches mitgearbeitet haben. Angesichts der Herausforderungen, die heute auf die Kirche und die Zivilgesellschaft eindringen, rufe ich auf dieses Land und alle seine Bewohner die Fürsprache und die Hilfe des seligen Alojzije Stepinac herab, des geliebten und verehrten Hirten Ihres Volkes. Möge er die jungen Generationen anleiten, in jener Liebe zu leben, die den Herrn Jesus Christus dazu drängte, sein Leben für alle Menschen hinzugeben. Der heilige Joseph, der fürsorgliche Beschützer des Erlösers und der himmlische Patron Ihrer Nation, erwirke Ihnen, gemeinsam mit der Jungfrau Maria, der Fidelissima Advocata Croatiae" (der „Allertreuesten Anwältin der Kroaten"), heute und allezeit Frieden und Heil. Danke!