Ich will dich kennen, Unbekannter

Das heutige Mittwochsgebet stammt von Friedrich Nietzsche

Rom, (ZENIT.org) Maike Sternberg-Schmitz | 365 klicks

Friedrich Nietzsche wurde am 15. Oktober 1844 in Röcken geboren und starb am 25. August 1900 in Weimar nach schwerer Krankheit. Nietzsche arbeitete als klassischer Philologe, und erreichte erst nach seinem Tod als Philosoph zu Weltruhm. Neben seiner philologischen Tätigkeit schuf er Gedichte und komponierte. Bereits mit 24 Jahren lehrte er an der Universität von Basel klassische Philologie, musste die Professur jedoch bereits nach zehn Jahren niederlegen, da er unter großen gesundheitlichen Problemen litt. Nachdem er mit 45 Jahren aufgrund einer schweren psychischen Krankheit zu einem Pflegefall geworden war, lebte er zunächst bei seiner Mutter und dann bei seiner Schwester, bei der er im Alter von nur 55 Jahren starb. Das heutige Gebet verfasste er im Alter von ungefähr 19 Jahren. Eigentlich ungläubig, nimmt er hier Zuflucht zu einem „unbekannten Gotte“, dem nach biblischer Überlieferung ein Altar in Athen geweiht war (Apostelgeschichte 17,23).

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Noch einmal, eh ich weiter ziehe

Und meine Blicke vorwärtssende,

heb ich vereinsamt meine Hände

zu dir empor, zu dem ich fliehe,

den ich in tiefster Herzenstiefe

Altäre feierlich geweiht,

dass allezeit

mich seine Stimme wieder riefe.

Darauf erglühet tiefeingeschrieben

Das Wort: Dem unbekannten Gotte.

Sein bin ich, ob ich in der Frevler Rotte

Auch bis zur Stunde bin geblieben:

Sein bin ich – und ich fühl die Schlingen,

die mich im Kampf darniederziehn

und, mag ich fliehn,

mich doch zu seinem Dienste zwingen.

Ich will dich kennen, Unbekannter,

du tief in meine Seele Greifender,

du Unfassbarer, mir Verwandter!

Ich will dich kennen, selbst dir dienen