Ideologische Christen haben eine schwere Krankheit

Predigt des Papstes in Santa Marta

Rom, (ZENIT.org) Maike Sternberg-Schmitz | 615 klicks

Wenn ein Christ zum Anhänger einer Ideologie werde, habe er den Glauben verloren. In der heutigen Predigt in Santa Marta richtete der Papst sein Augenmerk auf die Christen, die „den Schlüssel bei geschlossener Tür in der Tasche“ tragen, und unterstrich, dass derjenige, der nicht bete, seinen Glauben verliere und der Ideologie sowie dem Moralismus verfalle.

Papst Franziskus bezog sich in seinen Ausführungen auf das heutige Evangelium (Lk 11,47-54) und zitierte: „Weh euch Gesetzeslehrern! Ihr habt den Schlüssel zur Erkenntnis weggenommen.“ Er fuhr fort, dass es einen merkwürdigen Eindruck mache, wenn man an einer verschlossen Kirche vorbeikomme, denn eine verschlossene Kirche verstehe man nicht. Manchmal gebe es Erklärungen, die aber Ausreden, Rechtfertigungen seien, aber die Realität sei, dass in eine verschlossene Kirche keine Menschen hineinkommen könnten. Es sei sogar noch schlimmer. „Der Herr, der in der Kirche ist, kann nicht herauskommen. Jesus spreche heute vom Bild der Verschlossenheit, von den Christen, die in ihrer Hand den Schlüssel hielten und die Tür nicht öffneten — schlimmer noch, auch sie selbst gingen nicht hinein. Wenn es sich zudem um einen Priester, Bischof oder Papst handle, sei dies noch gravierender. Papst Franziskus stellte die Frage, wie es dazu kommen könne, dass ein Christ in diese Verhaltensweise verfalle, den Schlüssel in der Tasche zu tragen und die Tür verschlossen zu halten.

„Der Glauben passiert, sozusagen, durch einen Destillierkolben und wird zu Ideologie. Und die Ideologie ruft nicht zusammen. Jesus ist nicht in den Ideologien: seine Zärtlihckeit, Liebe, Milde. Und Ideologien sind streng, immer. In jeder Form: streng. Und wenn ein Christ zum Jünger einer Ideologie wird, hat er den Gauben verloren: Er ist kein Jünger Jesu mehr, er ist Jünger dieses Gedankens… Und deswegen sagt Jesus zu ihnen: ‚Ihr habt den Schlüssel der Erkenntnis weggenommen.‘ Die Erkenntnis von Jesus ist in die Erkenntnis einer Ideologie und eines Moralismus umgewandelt worden, denn diese haben die Tür mit vielen Vorschriften geschlossen.“

Der Papst führte weiter aus, Jesus habe gesagt, sie läden den Menschen viele Dinge auf, aber nur eine sei nötig. Dies sei der spirituelle und geistige Prozess derjenigen, die den Schlüssel in der Tasche haben wollten und die Tür verschlössen.

„Der Glaube wird zu einer Ideologie, und Ideologien erschrecken, Ideologien vertreiben die Menschen, entfernen die Menschen und entfernen die Kirche von den Menschen. Aber das ist eine schlimme Krankheit, die der ideologischen Christen. Es ist eine Krankheit, aber sie ist nicht neu. Bereits der Apostel Johannes sprach in seinem ersten Brief davon. Die Christen, die den Glauben verlieren und Ideologien vorziehen. Ihr Verhalten ist: streng werden, moralistisch, ethisch, aber ohne Güte. Die Frage kann diese sein, nicht? Wie kann ein Christ so werden? Was passiert in dem Herzen dieses Christen, dieses Priesters, dieses Bischofs, dieses Papst, dass er so wird? Nur eines: Dieser Christ betet nicht. Und wenn es kein Gebet gibt, schließt du für immer die Tür.“

Das Gebet öffne die Tür des Glaubens, führte der Pontifex fort. Wer nicht bete, sei nicht demütig. Wenn ein Christ hingegen bete, entfernt er sich nicht vom Glauben, er spreche mit Jesus. Er unterstrich, dass er Beten meine, nicht das Nachsprechen von Gebeten. Jesus sage, man solle in seinem Zimmer zum Herrn sprechen, von Herz zu Herz.

„Diese beten nicht, sie verlassen den Glauben und wandeln ihn in moralistische Ideologie um, ohne Jesus. Und wenn ein Prophet oder ein guter Christ ihnen Vorwürfe macht, machen sie das gleiche, was sie mit Jesus gemacht haben: ‚Als Jesus das Haus verlassen hatte, begannen die Schriftgelehrten und die Pharisäer, ihn mit vielerlei Fragen hartnäckig zu bedrängen; sie versuchten, ihm eine Falle zu stellen, damit er sich in seinen eigenen Worten verfange.‘ Sie sind nicht durchsichtig. Die Ärmsten, es sind Menschen, die von Stolz verschmutzt sind. Bitten wir den Herrn um die Gnade, erstens: nicht aufzuhören zu beten, um den Glauben nicht zu verlieren, demütig zu bleiben. Und so werden wir nicht verschlossen und verschließen dem Herrn die Straße.“