"Ihr seid das Salz der Erde, ihr seid das Licht der Welt!"

Die Worte des Papstes beim Angelus-Gebet

Vatikanstadt, (ZENIT.org) | 1208 klicks

Papst Franziskus zeigte sich heute um 12.00 Uhr am Fenster seines Arbeitszimmers im Apostolischen Palast, um gemeinsam mit den auf dem Petersplatz versammelten Gläubigen und Pilgern das Angelus-Gebet zu sprechen.

Nach dem marianischen Gebet erinnerte der Heilige Vater daran, dass am Dienstag der Weltkrankentag gefeiert wird, und richtete einige ermutigende Worte sowohl an die Kranken, als auch an Ärzte und Krankenpfleger.

Zur Einführung in das Mariengebet sprach der Papst die folgenden Worte, die wir hier in einer eigenen Übersetzung dokumentieren.

***

[Vor dem Angelus:]

Liebe Brüder und Schwestern, guten Tag!

Im Evangelium des heutigen Sonntags, das unmittelbar auf die Seligpreisungen folgt, sagt Jesus zu seinen Jüngern: „Ihr seid das Salz der Erde… Ihr seid das Licht der Welt“ (Mt 5,13.14). Das überrascht uns ein bisschen, wenn wir bedenken, wen Jesus vor sich hatte, als er diese Worte sprach. Denn wer waren seine Jünger? Sie waren Fischer, einfache Leute… Doch Jesus betrachtet sie mit den Augen Gottes, und seine Worte versteht man am besten, wenn man sie im Zusammenhang mit den Seligpreisungen sieht. Was er sagen will ist: Wenn ihr arm vor Gott seid, wenn ihr barmherzig seid, wenn ihr ein reines Herz habt, wenn ihr Frieden stiftet… dann seid ihr das Salz der Erde und das Licht der Welt!

Um diese Metaphern besser verstehen zu können, müssen wir bedenken, dass das mosaische Gesetz vorschrieb, jeder Opfergabe, die man Gott darbrachte, etwas Salz hinzuzufügen, als ein Symbol des Bundes. Und das Licht war für das Volk Israel ein Sinnbild für die messianische Offenbarung, die die Finsternis des Heidentums besiegt. Die Christen, das neue Israel, empfangen daher eine Mission gegenüber allen anderen Menschen: Mit ihrem Glauben und der Nächstenliebe können sie der ganzen Menschheit eine Richtung geben, sie heiligen und fruchtbar machen. Wir alle, die wir die Taufe empfangen haben, sind Jünger und Missionare, dazu berufen, in der Welt ein lebendes Evangelium zu werden: Mit einem heiligen Leben werden wir unserem Umfeld „Geschmack“ verleihen und es vor dem Verfall bewahren, genau wie es das Salz tut; und mit dem Zeugnis einer echten Nächstenliebe werden wir das Licht Christi in die Welt tragen. Doch wenn wir Christen unseren Geschmack verlieren und unser Licht auslöschen, dann verliert unsere Anwesenheit an Wirksamkeit. Wie schön ist doch unsere Aufgabe, Licht in die Welt zu bringen! Denn wir haben diese Aufgabe. Und sie ist schön! Sehr schön ist es auch, das Licht aufzubewahren, das wir von Jesus empfangen haben. Ein Christ sollte immer ein strahlender Mensch sein, der Licht bringt, der immer Licht verbreitet! Ein Licht, das nicht von ihm kommt, sondern ein Geschenk Gottes ist, ein Geschenk Jesu. Wir sind Träger dieses Lichts. Wenn ein Christ dieses Licht auslöscht, hat sein Leben keinen Sinn mehr: Er bleibt nur noch dem Namen nach Christ; ein Leben ohne Licht ist ein Leben ohne Sinn. Jetzt will ich euch fragen: Wie wollt ihr leben? Wie eine brennende Laterne, oder wie eine erloschene? An oder aus? Wie wollt ihr leben? Wie ein brennendes Licht! Gott gibt uns dieses Licht, und wir geben es an die anderen weiter. Eine brennende Laterne! Das ist die christliche Berufung.

[Nach dem Angelus:]

Liebe Brüder und Schwestern!

Übermorgen, am 11. Februar, werden wir das Fest der Erscheinung Mariens in Lourdes begehen und den Welttag der Kranken feiern. Es ist eine gute Gelegenheit, um die Kranken in den Mittelpunkt der Gesellschaft zu rücken, für sie und mit ihnen zu beten und ihnen nahe zu sein. Die Botschaft für den diesjährigen Weltkrankentag orientiert sich an einem Zitat des heiligen Johannes: „Glaube und Liebe: ‚So müssen auch wir für die Brüder das Leben hingeben‘ (1 Joh 3,16)“. Wir können die Einstellung Jesu zu den kranken Menschen aller Art als Vorbild nehmen: Der Herr hilft allen, nimmt an ihrem Leiden teil und öffnet ihre Herzen der Hoffnung.

Ich denke an alle Ärzte und Krankenpfleger: Wie kostbar ist ihre Arbeit! Jeden Tag treffen sie in den Kranken nicht nur vom Leid geschwächte Körper, sondern Menschen, denen sie Aufmerksamkeit und angemessene Hilfe bringen müssen. Die Würde des Menschen beschränkt sich nicht auf seine Fähigkeiten und sein Können, und sie geht nicht verloren, wenn ein Mensch schwach, behindert und hilfsbedürftig wird. Ich denke auch an die Familien, in denen kranke Verwandte mit der größten Selbstverständlichkeit gepflegt werden, was oft nicht leicht ist… Viele schreiben mir, und heute will ich all diese Familien meines Gebets versichern und sage ihnen: Habt keine Angst vor unserer Zerbrechlichkeit! Helft euch gegenseitig in Liebe, und ihr werdet die trostspendende Anwesenheit Gottes spüren.

Ein großzügiges und christliches Verhalten den Kranken gegenüber ist Salz der Erde und Licht der Welt. Die Jungfrau Maria helfe uns, es einzuhalten; möge sie für alle Leidenden Frieden und Trost erlangen!

In diesen Tagen finden in Sochi, in Russland, die olympischen Winterspiele statt. Ich möchte den Organisatoren und allen Sportlern meinen Gruß zukommen lassen und hoffe, dass diese Spiele ein echtes Fest des Sports und der Freundschaft sein werden.

Ich grüße alle Pilger, die heute anwesend sind; die Familien, Pfarrgruppen und Vereine. Auf besondere Weise grüße ich die Schüler und Lehrer aus England, die Gruppe christlicher Theologinnen aus verschiedenen europäischen Ländern, die wegen eines Kongresses in Rom sind, die Pilger aus Cavallina und Montecarelli im Mugello und die aus Lavello und Affi; außerdem die „Comunità Sollievo“ und die Schule „San Luca“ aus Bovalino in Kalabrien.

Ich bete für alle, die in verschiedenen Ländern und auch hier in Rom unter den Folgen des Unwetters leiden und Schäden erlitten haben. Die Natur fordert uns auf, uns gegenseitig zu helfen und die Schöpfung zu hüten, auch um den schwersten Folgen so weit wie möglich vorzubeugen.

Bevor ich mich verabschiede, fällt mir noch einmal die Frage ein, die ich euch gestellt habe: Soll unser Licht brennen oder erloschen sein? Was wollt ihr? An oder aus? Ein Christ muss Licht bringen! Er ist eine brennende Lampe! Lasst uns immer weiter machen, im Lichte Jesu!

Allen wünsche ich einen schönen Sonntag und gesegnete Mahlzeit. Auf Wiedersehen!

[Aus dem Italienischen übersetzt von Alexander Wagensommer]