Im Gegensatz zur “Bevölkerungsbombe" ist diese Bombe echt

Alternde Nationen stehen vor wackeligen Altersversorgungs-Systemen

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Los Angeles, den 23. Februar 2002 (ZENIT.org).- Reporter der führenden US-Presseorgane stehen der Weigerung der Bush-Regierung, Zahlungen an den UN.-Bevölkerungsfonds zu genehmigen, sehr kritisch gegenüber.



Der Autor des Buches “Die Bevölkerungsbombe”, Paul R. Ehrlich, warnte in der “Los Angeles Times" vom 20. Januar: “In einer Zeit, in der wir gezeigt haben, wie schnell sich eine Nation gegen die Bedrohung durch den Terrorismus einigen kann, erscheint der Mangel an Entschlusskraft angesichts zunehmend drohenden Bevölkerungsdrucks umso merkwürdiger".

In Wahrheit jedoch zeigen jüngste Studien deutlich, dass das größte demographische Problem die Überalterung ist und nicht ein übermäßiges Bevölkerungswachstum. Das erkennen sogar einige Sektionen der Vereinten Nationen (außer dem Bevölkerungsfonds). Um das Problem anzusprechen, werden die Vereinten Nationen ihre zweite Weltvollversammlung in Madrid, Spanien, vom 8.-12. April über das Alterungsproblem abhalten.

Die Versammlung soll das Ergebnis der ersten Weltversammlung vor 20 Jahren in Österreich überprüfen und einen Aktionsplan und eine langfristige Strategie zum Alterungsproblem beschließen. Zunächst wird sich ein Expertenforum in Valencia versammeln, um auf die Konferenz bezogene Themen zu besprechen. Ein Forum für Nicht-Regierungsorganisationen wird parallel zu den Hauptberatungen vom 5.-9. April abgehalten werden.

Nach Verlautbarungen des UNO-Sekretariats der Weltversammlung über das Alterungsproblem werden Mitglieder des Vorbereitenden Ausschusses für die Madrider Konferenz vom 25. Februar bis zum 1. März eine abschließende Sitzung abhalten. Eine Hauptaufgabe des Ausschusses ist es, eine endgültige Einigung über den Internationalen Aktionsplan 2002 zum Altersproblem zu erzielen, der im April angenommen werden soll.

Der Aktionsplan behandelt teilweise das Ziel, Armut im Alter zu beseitigen und älteren Menschen Gelegenheiten zu bieten, voll am wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Leben ihres Kulturkreises teilzunehmen. Zu den Punkten, über die man sich verständigte, gehört: “Die Anerkennung der entscheidenden Bedeutung der Familien".

Einige Fragen sind noch ungelöst, darunter die Frage nach der Beziehung zwischen Menschenrechten und dem Altern, die Bedürfnisse alternder Migranten und Fragen des Lebensendes, z.B. der Hilfe zum Selbstmord.

Eine Überalterung der Welt

Von der Bevölkerungssektion der UN-Abteilung für Wirtschaftliche und Gesellschaftliche Angelegenheiten veröffentlichte Daten enthüllen das dramatische Ausmaß der Alterung in vielen Ländern. Eine von zehn Personen ist derzeit 60 Jahre alt oder älter. Vom Jahre 2050 an wird dieses Verhältnis fünf zu eins, und vom Jahre 2150 an wird es drei zu eins betragen.

Das Phänomen der Alterung ist besonders in einigen entwickelten Ländern ausgeprägt. Heute schon ist einer von fünf Europäern 60 Jahre alt oder älter. Von 2050 an wird das Verhältnis eins zu vier und in einigen Ländern eins zu zwei betragen.

Aber die eigentliche “Alterungs-Bombe" tickt in den Entwicklungsländern. Die Bevölkerungssektion stellt fest, dass die Geschwindigkeit der Alterung in jenen Ländern rascher als in der entwickelten Welt vor sich geht, was bedeutet, dass die Entwicklungsländer weniger Zeit haben, sich anzupassen. Was die Vereinten Nationen jedoch nicht sagen ist, dass diese rapide Alterung in der Dritten Welt zum Teil auf die ihr von der UNO selbst und von den reichen Ländern aufgezwungenen Bevölkerungskontroll-Programme zurückzuführen ist.

Die US-Volkszählungs-Behörde hat kürzlich in ihrer Veröffentlichung “Eine alternde Welt" vom November 2001 das Alterungsproblem untersucht und unter anderem folgendes festgestellt:

-- In den entwickelten Ländern machen die Personen im Alter von 65 Jahren und älter zwölf bis sechzehn Prozent der Bevölkerung aus. Italien ist mit achtzehn Prozent das “älteste" Land, gefolgt von Griechenland, Schweden, Japan, Spanien und Belgien mit siebzehn Prozent.

-- Im Jahre 2000 waren in den Entwicklungsländern 59 Prozent der Bevölkerung über 65 Jahre alt. Von 2030 an wird dieser Anteil auf 71 Prozent steigen.

--Einige Länder brauchten viele Jahre dafür, ihren Prozentsatz der Bürger im Alter von 65 Jahren oder darüber von sieben Prozent auf vierzehn Prozent zu verdoppeln. --
Frankreich, zum Beispiel, brauchte 115 Jahre; Schweden 85 Jahre; die Vereinigten Staaten 69 Jahre; das Vereinigte Königreich 45 Jahre. Man erwartet, dass sich dieser Wandel in den Entwicklungsländern viel schneller vollzieht: in China in 27 Jahren; in Chile in 25 Jahren; in Brasilien in 21 Jahren; in Kolumbien in 20 Jahren.

--Während in den entwickelten Ländern fast alle in einer Rentenversicherung sind, haben die Menschen in den Entwicklungsländern nicht das Glück. Im Jahr 1995 waren 96 Prozent der Italiener aber nur 50 Prozent der Brasilianer durch eine Rentenversicherung abgesichert.

Auswirkungen auf die Staatshaushalte

Eine alternde Bevölkerung ist für die Länder kostspielig. Ein Arbeitspapier der Wirtschaftswissenschaftlichen Abteilung der Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), das diese im September des letzten Jahres vorlegte, gab einen Überblick darüber, wieviel die Alterung die Staatshaushalte kosten werde.

Die Studie “Fiskalische Folgen der Alterung: Hochrechnungen von altersbezogenen Ausgaben", stellte fest, dass es zwischen 2000 und 2050 in den entwickelten Ländern im Durchschnitt fast eine Verdoppelung im Verhältnis der Älteren (der 65-Jährigen und darüber) zur Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter (von 20 bis 64 Jahren) geben werde.

Die OECD stellte Berechnungen über die wirtschaftliche Auswirkung der Alterung an. Danach würden die Ausgaben für Renten und Pensionen im Zeitraum bis zum Jahre 2050 um drei bis vier Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP - die Summe aller Güter und Dienstleistungen, die innerhalb der Grenzen eines Landes erzeugt werden) steigen. Die gegenwärtigen Ausgaben in den Mitgliedsländern betragen durchschnittlich ungefähr 7,5 Prozent des BIP.

Das Arbeitspapier stellte fest, dass Hochrechnungen der Ausgaben im Gesundheitswesen ungewisser sind als die der Renten und Pensionen. Im Durchschnitt betragen die gegenwärtigen Ausgaben für das Gesundheitswesen rund sechs Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Die durchschnittliche Zunahme während des Zeitraums der Jahre 2000 bis 2050 für die vierzehn Länder, in denen diese Daten vorhanden sind, werde drei bis dreieinhalb Prozent des Bruttoinlandsprodukts betragen. Aber für fünf Länder (Australien, Kanada, die Niederlande, Neuseeland und die Vereinigten Staaten) werden Zunahmen von vier Prozent oder mehr errechnet.

Die OECD schätzt, dass insgesamt während der Jahre 2000 bis 2050 die Bevölkerungsalterung zu einem Rückgang von Staatshaushaltsüberschüssen oder zu Zunahmen der Haushaltsdefizite in Höhe von sechs bis sieben Prozent des Bruttoinlandsprodukts führen wird
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Bemerkenswerterweise basieren diese Berechnungen auf der Voraussetzung, dass die Geburtenraten in den entwickelten Ländern bis zum Jahr 2050 von ihrem gegenwärtigen Durchschnitt von ungefähr 1,5 Kinder pro Frau auf 1,8 Kinder steigen werden. Zwar haben einige Länder, wie Frankreich und die Vereinigten Staaten, in den letzten Jahren Fruchtbarkeitszunahmen zu verzeichnen. Aber viele andere entwickelte Nationen zeigen noch keine Zeichen einer Erholung.

Die jüngst veröffentlichte Studie des Zentrums für Strategische und Internationale Studien, “Die Fiskalische Herausforderung einer alternden Industriewelt", bietet mehr Informationen über die Kosten der Bevölkerungsalterung. Folgt man dieser Studie, so wird die Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter -- also jene, die für die Alters- und Gesundheitsversorgung der älteren aufkommen kann -- in den nächsten Jahren dramatisch zurückgehen. In Italien werden bis zum Jahre 2050 die Personen im erwerbsfähigen Alter um nicht weniger als 43 Prozent abnehmen. Eine starke Abnahme wird auch in Japan (34 Prozent) und Deutschland (23 Prozent) eintreten.

Die Studie weist darauf hin, dass die künftige Unausgeglichenheit zwischen arbeitender Bevölkerung und Ruheständlern zu einer Krise bei der Altersversorgung führen könnte. Steigende Ausgaben könnten zu einem steilen Anstieg der Staatsverschuldung führen, welche die Finanzmärkte destabilisieren oder zu starken Steuererhöhungen veranlassen würde, was wiederum das Wirtschaftswachstum dämpfen würde.

Somit entpuppt sich die vermeintliche “Bevölkerungsbombe" zu einer “Altersversorgungsbombe", die durch sinkende Geburtenraten verursacht worden ist. Indem sich die Nationen zu sehr auf ein nicht vorhandenes Problem konzentriert haben, könnten sie sich eine reale Katastrophe eingehandelt haben.