Im Gespräch mit dem einzigen Ehepaar, das an der V. CELAM-Vollversammlung in Brasilien teilnimmt

Interview mit Luis Jensen und seiner Frau Pilar Escudero de Jensen

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SANTIAGO, 8. Mai 2007 (ZENIT.org).- Das Ehepaar Jensen aus Chile, Mitglied in der Generalleitung des Instituts der Schönstattfamilien, wird vom 13. bis zum 31. Mai in Aparecida (Brasilien) an den Beratungen der 176 Kardinäle, Erzbischöfe und Bischöfe aus Lateinamerika, den Karibischen Inseln, den Vereinigten Staaten, Spanien und Portugal teilnehmen, die rund die Hälfte der katholischen Weltbevölkerung vertreten.



Sie sind das einzige Ehepaar, die zur fünften CELAM-Vollversammlung geladen wurden, die Papst Benedikt XVI. am Ende seines morgen beginnenden fünftägigen Brasilienbesuchs persönlich eröffnen wird.

Seit 23 Jahren gehört das Ehepaar Jensen dem Institut für Familien von Schönstatt an, seit 26 Jahren sind die Eltern von vier Kindern verheiratet.

Luis Jensen ist Arzt, Gynäkologe und Dozent für Bioethik an der katholischen Universität in Santiago de Chile, seine Ehefrau Pilar ist Historikerin und unterrichte ebenfalls an der Universität, seit mittlerweile zehn Jahren arbeitet sie aber im Generalvikariat von Santiago.

Was ihre Vorbereitungen auf die Vollversammlung des lateinamerikanischen und karibischen Episkopats betrifft, erklärte Luis Jensen: „Wir wissen nicht genau, wie wir konkret helfen sollen, aber wir denken, dass wir uns aufgrund unserer Erfahrungen bei der Mitarbeit im Bereich Ehe und Familie an verschiedenen Schauplätzen Lateinamerikas einen Überblick über die Lage der Kirche verschafft haben.“

Seine Frau fügte hinzu: „Wir werden als Gäste mit dem Recht, unsere Meinung kundzutun, an allen Sitzungen teilnehmen können, aber wir haben nicht das Recht, mitzuentscheiden.

Luis und Pilar Jensen waren bereits 1995 vom damaligen Papst Johannes Paul II. dazu eingeladen worden, als Mitglieder der Delegation des Vatikans an der Frauenkonferenz der Vereinten Nationen in Peking (China) teilzunehmen.

„Auch dort waren wir das einzige Ehepaar“, stellte Pilar rückblickend fest. Und damals habe ihnen der Papst gesagt: „Ihr sollt nicht kämpfen oder mit jemanden streiten, um Positionen zu verteidigen, sondern Zeugnis geben.“ Auch diesmal wolle man das Beste geben: „das, was wir sind, und weiter nichts“.

Ihr Ehemann meinte: „Es ist eine sehr schöne Gelegenheit, die sich hier auftut, weil der Kongress ja schließlich drei Wochen dauert und so organisiert ist, dass alle an allem teilhaben können. Das bedeutet, dass ein Großteil der Arbeiten in Kleingruppen geleistet wird, und an einem gewissen Moment wird alles, was in diesen Kleingruppen erarbeitet worden ist, den anderen Gruppen mitgeteilt. Somit ist es der ausdrückliche Wunsch des Bischofsrates, dass die größtmögliche Zahl von Teilnehmern präsent sein kann. Folglich spüren wir, dass wir dort einiges beigetragen können.“

Luis Jensen äußerte die Hoffnung, dass die fünfte Vollversammlung ein fruchtbares Ereignis für die Kirche werden möge, ja ein neues Pfingsten. Nicht der Austausch von Ideen oder die Erarbeitung eines Dokuments sollten im Vordergrund stehen, sondern „eine Erfahrung von Jüngern, die ihrem Herrn begegnen“.

„Lateinamerika ist ein Kontinent mit sehr unterschiedlichen Ländern und einer gemeinsamen Kultur, aber in sehr unterschiedlichen Ausprägungen“, fuhr seine Frau fort. „Wenn es aber etwas gibt, was uns eint, dann ist es die Person Mariens. Die Lateinamerikaner mögen zwar nicht alle katholisch sein, aber sie sind alle marianisch.

Ich glaube, dass die Gestalt von Maria bei dieser Versammlung, die in Aparecida stattfinden wird, einem marianischen Wallfahrtsort, die Achse sein wird, die unsere Völker verbindet. Möge sie uns allen das starke Gefühl vermitteln, ihre Kinder und in einer gemeinsamen Aufgabe vereint zu sein.“

In diesem Zusammenhang kam Pilar Escudero de Jensen auf das Motto des Kongresses zu sprechen, dass nach ihren Worten „sehr schön und sehr ausdrucksvoll“ ist. Es lautet: „Jünger und Missionare Jesu Christi werden, damit unsere Völker in ihm das Leben haben“. Zu diesem Leitwort bemerkte sie: „Das heißt also, dass das Leben unserer Völker aus der persönlichen, lebendigen Begegnung mit Jesus Christus hervorgeht, aus diese umfassenden Begegnung, die unser Leben verändert und uns zu Jüngern und Missionaren macht. Und dabei kommt eine Dimension ins Spiel, die wir für sehr wichtig erachten: Unser Glaube und unsere Erfahrung gehören nicht nur uns allein.“

Den zweiten Teil des Mottos zur fünften Generalversammlung der lateinamerikanischen Bischöfe – „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben“ (Joh 14,6) – kommentierte Luis Jensen mit folgenden Worten: „Ich glaube, dass Lateinamerika heutzutage eine außerordentliche Rolle zukommt, wenn es um das Thema Ehe und Familie geht.“ Es könne aufgezeigt werden, dass man als Familie glücklich sei und ein zutiefst erfülltes Leben führe. Man könne „die Wahrheit über die menschliche Liebe“ bezeugen, „die Wahrheit über das Leben“.

Der Arzt konstatierte: „Heutzutage hat sich im Labor und in allen Ideologien, die wir in den entwickelten Ländern der Welt antreffen können, die Fähigkeit verflüchtigt, mit der Wahrheit, ja mit der Wirklichkeit selbst in Berührung zu kommen. Und das Leben ist diese Lebensfülle, die der personalen Liebe entspringt“, fuhr er fort. „Dem anderen das zu geben, was man besitzt, ist nicht nur ein katechetischer Auftrag, sondern ein Auftrag, der das Zeugnis des ganzen Lebens verlangt.“