„Im Hause meines Vaters gibt es viele Wohnungen”

Impuls zum Sonntagsevangelium am 4. Sonntag nach Ostern

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Von Msgr. Dr. Peter von Steinitz*

MÜNSTER, Samstag, 21. Mai 2011 (ZENIT.org). - Diese Worte Jesu, die wir Sonntagsevangelium hören, lenken den Blick auf das Ziel des Menschen, den Himmel oder die ewige Seligkeit oder wie immer wir die von Gott vorgesehene Existenz des Menschen nach seinem Tod nennen wollen. Jeder weiß, was gemeint ist, aber gleichzeitig ist das Thema tabu (ebenso wie das Thema „Tod”).

Eigentlich ist das nicht zu verstehen. Selbst für denjenigen, der nicht glaubt, ist es eine empirische Tatsache, dass wir alle einmal sterben, und dass wir eigentlich gerne wüssten, was danach ist (oder ob danach überhaupt etwas ist). Aber seltsamerweise wird nicht nur über den Tod, sondern auch über den Himmel nicht gesprochen. Sogar in der Kirche kommt in der Predigt das Thema Himmel selten oder nie vor. Stattdessen hören die Gläubigen viel über aktuelle soziale und politische Probleme, die sicherlich auch sehr wichtig sind. Aber wenn die alle gelöst sind, müssen sich die Menschen dennoch mit dem Ende des irdischen Lebens beschäftigen.

„Was kein Auge geschaut und kein Ohr gehört hat, das hast du denen bereitet, die dich lieben.“ (1 Kor 2.9)

Nur durch die Offenbarung können wir „wissen“, wie der Himmel ist: unaussprechlich schön. Himmel heißt Anschauung Gottes, aber nur der Christ, der daran glaubt, dass Gott das unendlich Gute und Schöne ist, wird das als das Nonplusultra an Seligkeit erkennen. Derjenige, dem an Gott nichts liegt, hat dann später einen Nachholbedarf, den wir Reinigungsort (purgatorium) oder Fegefeuer nennen. Wie die jenseitige Welt im Einzelnen aussieht, dazu ist die Hl. Schrift sehr wortkarg. Wohl ist aber deutlich zu erkennen, dass der Himmel, der seit alter Zeit durch die Sünden der Menschen verschlossen war (man kannte allenfalls „Abrahams Schoß“ als Vorgeschmack auf den Himmel), durch den Tod und die Auferstehung Jesu aufgeschlossen wurde.

Diesen nicht zu unterschätzenden Vorteil haben wir gegenüber den Menschen des Alten Bundes. In manchen apokryphen oder privaten Offenbarungen wird der Himmel geschildert, aber auch da bleibt das Wissen darum, dass man es eigentlich nicht in menschliche Worte fassen kann.

Nun sagt Jesus aber auch noch, dass es im Himmel „viele Wohnungen“ gibt. Wie immer ist der Herr ein Meister des „understatements“. Es soll vermutlich damit gesagt werden, dass der Himmel, die Ewigkeit, nicht nur die unermessliche Fülle ist, sondern dass die Zustände der dorthin gelangten Menschen sehr differenziert sind – mindestens so differenziert wie hier auf dieser Erde – und dass es wohl etliche Stufen des Aufstiegs gibt.

 „Den Weg dorthin kennt ihr“, sagt Jesus zu Thomas, der wieder einmal nicht versteht: „Herr, wir wissen nicht, wohin du gehst, wie sollen wir den Weg kennen.“ Erfrischend auch diesmal die Einfachheit der Apostel. Aber vielleicht ist die etwas flapsige Bemerkung des Thomas im Heilsplan mit einkalkuliert, denn sie gibt Jesus Gelegenheit zu dem herrlichen Wort: „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben.“

Genau das ist es, was auch der heutige Zeitgenosse, der durch verschiedene Feuerbäche der Skepsis hindurch gegangen ist, schließlich nicht umhin kann anzunehmen: Christus sagt uns nicht nur die Wahrheit, er ist die Wahrheit. Gott selbst also bürgt für die Wahrheit des Himmels, der jedem, der will, offen steht.

*Msgr. Dr. Peter von Steinitz, war bis 1980 als Architekt tätig; 1984 Priesterweihe durch den sel. Johannes Paul II.; 1987-2007 Pfarrer an St. Pantaleon, Köln; seit 2007 Seelsorger in Münster. Er ist Verfasser der katechetischen Romane: „Pantaleon der Arzt “ und „Leo - Allah mahabba“.