Im Kreuz ist Heil, auch für Syrien, auch für Ägypten

Impuls zum 24. Sonntag im Jahreskreis

Münster, (ZENIT.org) Msgr. Dr. Peter von Steinitz | 441 klicks

Es gibt im liturgischen Jahr einige Feste und Heilige, die mit nur einer Feier nicht genügend gewürdigt sind, die man gleich zweimal oder mehrere Male feiert. Denken wir an die großen Heiligen wie Johannes den Täufer oder die Apostel Petrus und Paulus, von denen jeweils ein Fest ihres Lebens und ein anderes ihres Todes gedenkt. Ganz zu schweigen von der Muttergottes, deren Empfängnis und Geburt jeweils gefeiert wird, und obendrein ihr seliger Heimgang mit Leib und Seele.

Ähnliches lässt sich auf anderer Ebene vom Fronleichnamsfest sagen, das im 13. Jahrhundert in die Kirche eingeführt wurde, und dessen Anliegen es war, das Andenken an die Einsetzung der Eucharistie mit Freude und Jubel zu feiern, was an ihrem eigentlichen Einsetzungstag, dem Gründonnerstag nicht möglich ist, da man dann an das bevorstehende Leiden des Herrn denkt.

Bei den beiden Festen, die wir in den nächsten Tagen begehen, ist es ähnlich. Das Fest Kreuzerhöhung lässt uns das Geheimnis und das Werkzeug unserer Erlösung feiern, nämlich das Heilige Kreuz, das uns besonders am Karfreitag vor Augen steht. Diesmal aber ohne die innere Ergriffenheit, die wir bei der unmittelbaren Betrachtung des Kreuzestodes Christi erleben. Gewissermaßen sachlich und zu gemessener Ehrfurcht anregend steht es da vor uns. Und wir haben eine Gelegenheit, uns darüber Gedanken zu machen, wie wir das Kreuz in allen Bereichen des menschlichen Lebens aufrichten können, so wie es der hl. Josefmaria Escrivá empfiehlt.

Was heißt das: das Heilige Kreuz wieder im Leben der Menschen aufrichten?

Kreuz bedeutet zunächst einmal Leiden. Nun ist es im Leben der meisten Menschen so, dass sie sowieso zu leiden haben, sie brauchen das Kreuz nicht zu suchen. Im Leben jedes Menschen kommt Leiden vor, ob es nun Krankheit ist, familiäre Schwierigkeiten, Unverstandensein, Unfälle, Schicksalsschläge und nicht zuletzt Gewissensqualen, weil vielfach die moralische Orientierung fehlt. Kein Mensch kann sagen: In meinem Leben kommt Leid nie vor, bei mir ist immer alles heiter und unbeschwert.

Gott sei Dank kommt es nicht dauernd vor.

Aber wie stellen sich die meisten Menschen zum Leid? Sie versuchen, es zu vermeiden oder abzuschütteln. Das ist legitim, denn Gott hat ja den Menschen zur Freude geschaffen, nicht zum Leiden.

Andererseits hat Christus uns Menschen erlöst durch Leiden, nicht durch eine große Tat. Da liegt natürlich ein Geheimnis. Warum musste er leiden? Er wollte das menschliche Leid, das eine Folge der Sünde ist, dadurch überwinden, dass er selber Leiden auf sich nahm, um hierdurch, da er selber ohne Sünde war, die Sünde zu überwinden.

Jesus sagt dann: “Nehmt euer Kreuz auf euch und folgt mir nach!”

Dieser Aufforderung nachzukommen, ist eigentlich nicht schwer, weil, wie gesagt, das Kreuz sowieso da ist. Es kommt also darauf an, es aufzunehmen und es Christus nachzutragen. Im Klartext: Das Leid, das ich erfahre, das Schwere, das vor mir liegt, annehmen und es mit dem Kreuz Christi vereinigen. Vielleicht ist das anfangs nur ein Gedanke, der keine große Tragweite zu haben scheint. Aber nach einiger Zeit stellen wir fest, es ist in erster Linie eine Frage der Liebe. Christus liebt uns – jeden von uns – bis zur Selbstaufgabe am Kreuz. Und für uns wird das Kreuz ebenfalls zu einer Gelegenheit, ihm unsere Liebe unter Beweis zu stellen. Und dann geschieht das Unerwartete: im Kreuz ist ein ungeheurer Segen.

Es geht mir besser, wenn ich Ja sage zum Kreuz.

Es wird fruchtbar auch für andere, zu deren Gunsten ich das Ganze Gott darbringe.

Bezeichnenderweise findet ein so feinsinniger Dichter wie Rainer Maria Rilke treffende Worte, um die wunderbare Wirkung des Kreuzes, des “Schweren”, wie er es nennt, zu beschreiben: “Was von uns verlangt wird, ist, dass wir das Schwere lieben und mit dem Schweren umgehen lernen. Im Schweren sind die freundlichen Kräfte, die Hände, die an uns arbeiten.“

Auch dass das Kreuz letztlich zur Freude wird, sieht der Dichter: „Mitten im Schweren sollen wir unsere Freuden haben, unser Glück, unsere Träume: da, vor der Tiefe dieses Hintergrunds, heben sie sich ab, da sehen wir erst, wie schön sie sind.“

Wenn das Fest Kreuzerhöhung mit dem Karfreitag zu tun hat, dann das darauf folgende Fest “Schmerzen Mariens” mit dem Karsamstag. Auch hier hilft uns der Vergleich zwischen den beiden Tagen, in unserm Denken und Beten immer mehr in die Tiefe zu gehen. Das Fest, das wir am 15. September begehen (durch den Sonntag heuer liturgisch verdeckt), erinnert uns an den erschütternden Schmerz, den die Heiligste Jungfrau am Tag nach dem Karfreitag in ihrem Herzen erfuhr, aber es regt uns gleichzeitig an, nicht beim Individuellen zu bleiben. Wir werden zum Mitleiden aufgerufen, damit wir, wie Maria, am Werk der Erlösung teilnehmen können.

In Syrien leiden die Menschen Unsagbares. Die meisten von ihnen erkennen wahrscheinlich nicht den miterlösenden Charakter ihrer Leiden, sondern fragen sich vielmehr: wo ist Gott?

Sowohl in Ägypten als auch in Syrien ist – so sagen viele Augenzeugen – die Jungfrau Maria einige Jahre vor den Ereignissen erschienen. Wahrscheinlich um zu sagen: “Habt Mut, vertraut! Ich bin bei euch.”

Ganz sicher wird es diesen Völkern so ergehen wie allen, die viel gelitten haben: später, vielleicht in der nächsten Generation wird sich über sie ein großer Segen ausbreiten.

Msgr. Dr. Peter von Steinitz, war bis 1980 als Architekt tätig; 1984 Priesterweihe durch den sel. Johannes Paul II.; 1987-2007 Pfarrer an St. Pantaleon, Köln; seit 2007 Seelsorger in Münster. Er ist Verfasser der katechetischen Romane: „Pantaleon der Arzt“ und „Leo - Allah mahabba“ (auch als Hörbuch erhältlich).