Im Priester sollen die Menschen Christus erkennen können, schreibt der Papst

Brief an die Priester zum Gründonnerstag 2005

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ROM, 18. März 2005 (ZENIT.org).- Jedes Jahr schreibt Papst Johannes Paul II. einen Brief an die Priester auf der ganzen Welt. Anlass ist stets der Gründonnerstag, jener Tag, an dem Jesus beim letzten Abendmahl die Eucharistie eingesetzt und das Priestertum gestiftet hat. In seinem aktuellen, an diesem Freitag veröffentlichten Schreiben zum Gründonnerstag 2005 geht der Heilige Vater dem Sinn des priesterlichen Lebens nach.



"Vor allem im Zusammenhang mit der Neuevangelisierung haben die Menschen das Recht, sich an die Priester zu wenden in der Hoffnung, in ihnen Christus 'sehen' zu können", erklärt der Papst. "Insbesondere die Jugendlichen verspüren ein Bedürfnis danach, dass Christus sie immer wieder zu sich ruft, um sie zu seinen Freunden zu machen und um einigen von ihnen die Ganzhingabe um des Himmelreiches willen vorzuschlagen." Der Priester könne für die Menschen und die Jugendlichen Christus sein und sie mit seiner Begeisterung anstecken, wenn er seine Existenz als Geschenk Gottes begreift und es versteht, aus einer tiefen Dankbarkeit heraus zu leben.

Durch den steten Kontakt mit Christus erfahre zuerst der Priester das göttliche Heil: "Uns erreicht die Gnade als erste im Innersten. Sie erhebt uns aus unserer Zerbrechlichkeit und lässt uns mit dem den Söhnen eigenen Vertrauen rufen: 'Abba, Vater'", schreibt deshalb der Heilige Vater. Dadurch werde der Priester fähig, "auf dem Weg der Vollkommenheit voranzuschreiten. Denn das Heil findet in der Heiligkeit seinen vollgültigen Ausdruck. Nur wenn wir als Erlöste leben, werden wir zu glaubwürdigen Verkündern des Heils."

Um zu Erlösten zu werden, sei es hilfreich, von solchen Mensch zu lernen, die ein heiligmäßiges Leben geführt haben: "Begeben wir uns daher in die Schule der Heiligen!", ermutigt der Papst. Besonders in dem bis Oktober 2005 andauernden "Jahr der Eucharistie" müsse man "die Heiligen neu entdecken, die mit besonderem Nachdruck die Verehrung der Eucharistie bezeugt haben". Dadurch könne der Priester "eine innere Haltung ähnlich derjenigen, die der Apostel Paulus in sich selbst erlebte", an den Tag legen: "Ich vergesse, was hinter mir liegt, und strecke mich nach dem aus, was vor mir ist. Das Ziel vor Augen (...)."

Für Papst Johannes Paul II. ist der Priester ein Mensch, "der trotz des Voranschreitens der Jahre weiter Jugendlichkeit ausstrahlt, mit der er die Menschen, denen er auf seinem Weg begegnet, gleichsam 'ansteckt'. Das Geheimnis liegt in der 'Leidenschaft', die er für Christus lebt." Und dabei zitiert er erneut den Apostel: "Denn für mich ist Christus das Leben."

In der heutigen Zeit, in der der "Sinn für die Tradition" abhanden komme und vor allem "die jungen Generationen der Gefahr" ausgesetzt seien, "die Verbindung zu den eigenen Wurzeln zu verlieren", ruft Johannes Paul II. den Priester dazu auf, "in der ihm anvertrauten Gemeinde der Mensch der getreuen Erinnerung an Christus und an sein ganzes Geheimnis zu sein".

Um tatsächlich wie Christus selbst "allen alles zu werden, um auf jeden Fall einige zu gewinnen", könnten dem Priester die Einsetzungsworte helfen, die er "in persona Christi" bei der Feier der Eucharistiefeier spricht. Nach Worten des Heiligen Vaters sind sie geradezu eine "Formel für das Leben", da sie die nachahmenswerte Hingabebereitschaft Christi ausdrücken.

Der vollständige Text findet sich hier.