"Immer beten"

Die Worte des Papstes beim Angelus-Gebet

Vatikanstadt, (ZENIT.org) | 554 klicks

Heute um 12.00 Uhr zeigte sich der Heilige Vater Franziskus am Fenster seines Arbeitszimmers im Apostolischen Palast des Vatikans, um mit den auf dem Petersplatz versammelten Gläubigen und Pilgern das Angelus-Gebet zu sprechen.

Zur Einführung in das Mariengebet sprach der Papst die folgenden Worte, die wir hier in einer eigenen Übersetzung dokumentieren.

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[Vor dem Angelus:]

Liebe Brüder und Schwestern,

Im heutigen Evangelium beschäftigen wir uns mit Jesu Gleichnis von der Notwendigkeit des ständigen und beharrlichen Gebetes. Im Mittelpunkt der Erzählung steht eine Witwe, die durch ihr Bitten einen unehrlichen Richter dazu bewegen konnte, ihr Recht zu geben. Jesus gelangt zu folgendem Schluss: Wenn es der Witwe gelungen ist, diesen Richter zu überzeugen, denkt ihr, dass Gott uns nicht zuhört, wenn wir inständig zu ihm beten? Jesus wählt dazu sehr starke Worte: „Sollte Gott seinen Auserwählten, die Tag und Nacht zu ihm schreien, nicht zu ihrem Recht verhelfen, sondern zögern?“(Lk 18,7).

„Tag und Nacht“ zu Gott schreien!Diese Vorstellung des Gebetes ist sehr berührend. Fragen wir uns jedoch: Warum will Gott das? Kennt er unsere Bedürfnisse nicht bereits? Welchen Sinn hat es, wenn wir Gott gegenüber „eindringlich“ sind?

Dies ist eine interessante Frage, die uns zur Vertiefung eines wichtigen Aspekt des Glaubens führt: Gott lädt uns nicht zum eindringlichen Gebet ein, weil er nicht weiß, was wir benötigen oder uns nicht zuhört. Das Gegenteil ist der Fall: Er hört uns immer zu und weiß dank seiner Liebe alles über uns. Auf unserem täglichen Weg und ganz besonders in Schwierigkeiten, im Kampf gegen das Böse in uns und um uns herum, ist der Herr nicht fern, sondern an unserer Seite; er ist neben uns, wenn wir kämpfen, und unsere Waffe ist das Gebet, das uns seine Gegenwart und seine Barmherzigkeit und auch seine Hilfe spüren lässt. Der Kampf gegen das Böse ist jedoch lang und hart; wie bei Mose, der die Arme hochheben musste, um seinem Volk zum Sieg zu verhelfen (vgl. Ex 17,8-13), fordert er von uns Geduld und Widerstandskraft. Es verhält sich so: Tag für Tag führen wir einen Kampf, doch Gott ist unser Verbündeter. Der Glaube an ihn ist unsere Kraft, und das Gebet ist Ausdruck dieses Glaubens. Daher versichert uns Jesus des Sieges. Am Ende begegnen wir dabei jedoch folgender Frage: „Wird jedoch der Menschensohn, wenn er kommt, auf der Erde (noch) Glauben vorfinden?“ (Lk 18,8). Wenn der Glaube verlischt, verlischt das Gebet, und wir wandern im Dunkeln, verirren uns auf dem Weg des Lebens.

Lasst uns daher von der Witwe des Evangeliums lernen, unablässig zu beten und niemals müde zu werden. Wie gut diese Witwe war! Sie verstand es, für ihre Kinder zu kämpfen! Ich denke an viele Frauen, die für ihre Familie kämpfen, die beten und niemals nachlassen. Erinnern wir uns heute alle an diese Frauen, die uns mit ihrem Verhalten ein wahres Zeugnis des Glaubens und des Mutes geben und uns Vorbilder im Gebet sind. Denken wir an sie! Immer beten, aber nicht, um den Herrn mit Worten zu überzeugen, denn er weiß besser als wir, was wir brauchen! Vielmehr ist das beharrliche Gebet ein Ausdruck des Glaubens an einen Gott, der uns aufruft, an jedem Tag und in jedem Augenblick mit ihm für den Sieg gegen das Böse durch Gutes zu kämpfen.

[Nach dem Angelus:]

Liebe Brüder und Schwestern!

Heute begehen wir den Weltmissionstag. Die Mission der Kirche ist die Verbreitung des von Jesus entzündeten Glaubensfeuers in der Welt: der Glaube an Gott, der der Vater, die Liebe und die Barmherzigkeit ist. Die Methode der christlichen Mission besteht nicht in Proselytismus, sondern besteht in einer gemeinsam geteilten Flamme, die die Seele erwärmt. Ich danke all jenen, die mit ihrem Gebet und konkreter Hilfe das Werk der Mission unterstützen, insbesondere den Bischof von Rom bei der Verbreitung des Evangeliums. Am heutigen Tag erweisen wir all den fleißigen und stillen Missionaren unsere Nähe, aus denen das Leben entspringt. Eine von ihnen ist die Italienerin Afra Martinelli. Sie hat viele Jahre lang in Nigeria gearbeitet und wurde vor einigen Tagen bei einem Raubüberfall getötet. Christen und Muslime beweinen sie gleichermaßen. Sie hatten sie gern. Mithilfe des von ihr aufgebauten Werkes, eines Bildungszentrums, hat sie mit ihrem Leben das Evangelium verkündigt. Auf diese Weise hat sie die Glaubensflamme weitergegeben und die Schlacht des Guten gekämpft! Denken wir an diese Schwester und begrüßen wir sie mit einem Applaus, alle!

Ebenso denke ich an den gestern in Budapest seliggesprochenen Salesianer Istvan Sándor. Dieser zeigte im Dienst an den jungen Menschen im Oratorium und im Rahmen der Berufsausbildung besonderes Engagement. Als das kommunistische Regime die Schließung sämtlicher katholischen Einrichtungen verlangte, stellte er sich der Verfolgung mit großem Mut und wurde im Alter von 39 Jahren getötet. Vereinen wir uns mit der Danksagung der salesianischen Familie und der ungarischen Kirche.

Ich möchte der von einem schweren Erdbeben betroffenen Bevölkerung der Philippinen meine Nähe erweisen und lade euch zum Gebet für diese vor kurzem mehreren Unglücksfällen heimgesuchten Nation einladen.

Mit Zuneigung heiße ich alle hier versammelten Pilger willkommen; beginnend bei den jungen Menschen, die die vom Päpstlichen Rat für die Kultur ins Leben geförderte Veranstaltung „100 metri di corsa e di fede“ (100 Meter Lauf und Glauben) ins Leben gerufen haben. Danke dafür, dass ihr uns an die Rolle des Gläubigen als Athlet des Geistes erinnert! Vielen Dank!

Mit Freude empfange ich die Gläubigen der Diözesen von Bologna und Cesena-Sarsina unter der Leitung von Kardinal Caffarra und Bischof Regattieri, sowie jene aus Corrientes in Argentinien, Maracaibo und Barinas in Venezuela. Heute wird in Argentinien das Fest der Mutter gefeiert. An alle Mütter meiner Heimat richte ich einen zärtlichen Gruß!

Herzlich willkommen heiße ich die Gebetsgruppe „Raio de Luz“ aus Brasilien und die Bruderschaften des Ordens „Secolare Trinitario“.

Die italienischen Pfarreien und Vereinigungen sind zu viele, als dass ich sie alle aufzählen könnte, doch ich begrüße alle mit Zuneigung!

Schönen Sonntag! Auf Wiedersehen und gesegnete Mahlzeit!