Immer mehr Berufungen: Erfolgreiche Arbeit der Schönstatt-Patres in Indien

| 1396 klicks

KÖNIGSTEIN/BANGALORE, 16. August 2007 (ZENIT.org).- Die Gemeinschaft der Schönstatt-Patres in Indien verzeichnet eine wachsende Zahl an Berufungen. Im September werden in Bangalore acht junge Männer die Priesterweihe erhalten. So wird die Zahl der Patres auf 38 ansteigen, erklärte Pater Prabhuprasad Kallingal, der Delegaturobere der Schönstattpatres in Indien, bei einem Besuch am Zentralsitz des internationalen katholischen Hilfswerks Kirche in Not in Königstein mit. Begleitet wurde er vom deutschen Pater Werner Unkel, der als Geistlicher Begleiter der Seminaristen und Professor an der Hochschule St. Peter in Bangalore tätig ist. „Kirche in Not“ hatte ihm ein Stipendium für sein Zusatzstudium der Spiritualität in Rom finanziert.



Beide Patres betonten, bei der Ausbildung der Seminaristen werde großer Wert auf die innere Entwicklung der Kandidaten gelegt. Disziplin sei wichtig, es dürfe aber nicht bei einer bloßen äußerlichen Erfüllung von Regeln bleiben, sondern es gehe darum, eine „Kultur des Herzens“ zu entwickeln.

Die angehenden Priester sollten zu „freien, starken, priesterlichen Persönlichkeiten“ erzogen werden, hob P. Kallingal hervor. Besonders aufgrund der in Indien noch immer präsenten Kastenproblematik seien Zweifel am Selbstwert und Minderwertigkeitskomplexe auch unter den Seminaristen verbreitet. Hier helfe eine gute geistliche Begleitung, die eine innere Verwandlung insbesondere durch eine innige Liebe zur Muttergottes zur Grundlage habe.

Die Gläubigen in Indien erwarteten von einem Priester, dass er vollkommen verfügbar sei und als „Mann Gottes“ nicht nur eine große spirituelle Kraft ausstrahle, sondern den Menschen auch bei ihren Problemen zur Seite stehe. Er solle „großzügig und gütig“ sein und den Gläubigen sowohl in geistlichen Angelegenheiten als auch in sozialen, familiären und sogar finanziellen Problemen mit Rat und Hilfe dienen.

Für die Schönstattpatres ist nach Aussagen von Pater Unkel die geistliche Begleitung von Familien besonders wichtig. Auch in Indien hätten die Familien große Probleme, vor allem dann, wenn die Männer jahrelang im Ausland arbeiten müssten. Auf diese Weise würden Familien auseinander gerissen. Der Verehrung der Muttergottes komme gerade angesichts dieser Gefahr eine besondere Bedeutung zu.

Die Gläubigen werden von den Schönstatt-Patres mehrere Monate lang darauf vorbereitet, in ihren Häusern einen Hausaltar mit dem Bild der heiligen Jungfrau mit dem Jesuskind zu errichten. Oft wird zu diesem Bild auch ein Foto des abwesenden Vaters gestellt. Auf diese Weise eine der Hausaltar die Familien und sogar die ganze Nachbarschaft, denn die Menschen kämen zur Einweihung und auch später zum Gebet zusammen. Sogar Hindus nähmen daran teil, berichtete Pater Unkel. Es sei äußert beeindruckend zu beobachten, mit wie viel Liebe und Phantasie die Gläubigen ihre Hausaltäre mit Lichtern und Blumen schmückten.

Die Verehrung der Muttergottes stelle nach Angaben der beiden Priester einen Weg zu stärkerer Selbsterziehung und zu einem größeren Selbstbewusstsein dar. Die Mutter stehe nicht nur für Mitgefühl und Fürsorge, sondern sie erwarte auch etwas von ihren Kindern, fuhr Pater Unkel fort. Im Gegensatz zu den Hindus, die einer eher fatalistische Weltanschauung hätten und glaubten, Gott tue alles, so dass der einzelne Mensch selbst kaum noch Möglichkeiten habe, etwas zu bewirken, verlange das Christentum eigenes Handeln. Er betonte: „Die Muttergottes verlangt, dass wir das, was wir glauben, auch ausstrahlen.“

In einem Gebet der Schönstattgemeinschaft heißt es: „Maria, lass uns gleichen deinem Bild, ganz wie du durchs Leben schreiten, stark und würdig, schlicht und mild, Liebe, Fried und Freud verbreiten.“ In diesen Worten komme das Ziel der Selbsterziehung der Gläubigen zum Ausdruck. Die Muttergottes leite sie dazu an, ihren alltäglichen Pflichten in Treue nachzukommen.

Das internationale katholische Hilfswerk „Kirche in Not“ unterstützt pastorale Projekte in fast 140 Ländern der Welt. Jedes Jahr leistet es auch einen Beitrag zur Ausbildung der Seminaristen in Bangalore.